„Jetzt emp­fin­de ich da kei­nen Druck“

Bir­git Beck spricht über ihr Amt als ers­te Zunft­meis­te­rin der His­to­ri­schen Nar­ren­zunft

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Markdorf -

MARKDORF - Die His­to­ri­sche Nar­ren­zunft Markdorf be­tritt Neu­land: Erst­mals führt ei­ne Frau den 132 Jah­re al­ten Ver­ein an. Was Bir­git Beck nun plant, wel­che Vor­be­hal­te es gab und wie sie zur Nar­re­tei kam, er­zähl­te sie im In­ter­view mit SZ-Re­dak­teu­rin Ju­lia Frey­da.

Wird mit ei­ner Frau an der Spit­ze der Nar­ren­zunft jetzt al­les an­ders?

Nein (lacht). Wir sind ein ein­ge­spiel­tes Team, das bis­lang ei­gen­stän­dig ge­ar­bei­tet hat und so soll es auch blei­ben. Ich soll­te über al­les Be­scheid wis­sen, aber muss nicht über­all selbst mit­mi­schen. Im End­ef­fekt steht nur ei­ne an­de­re Per­son vor­ne.

Gab es denn auch Vor­be­hal­te, dass ei­ne so alt­ein­ge­ses­se­ne Zunft sich nun von ei­ner Frau füh­ren lässt?

Nein, über­haupt nicht. Das zeigt si­cher auch das ein­stim­mi­ge Er­geb­nis. Die Wahl hat be­reits vor der Haupt­ver­samm­lung im Nar­ren­rat statt­ge­fun­den. Es ha­ben aber al­le dicht ge­hal­ten. Bei der Haupt­ver­samm­lung wur­de das Er­geb­nis be­kannt ge­ge­ben. Ich war na­tür­lich et­was an­ge­spannt, weil ich ja nicht wuss­te, wie die Zunft­mit­glie­der re­agie­ren wür­den. Als dann der kräf­ti­ge Ap­plaus kam, ha­be ich mich rie­sig ge­freut. Das zeigt ein­fach, dass ich et­was rich­tig ge­macht ha­be und in­ner­halb der Zunft auf dem rich­ti­gen Weg bin.

Die Ers­te in et­was zu sein, ist ja oft auch mit Druck ver­bun­den. Wie emp­fin­den Sie das?

Ich glau­be, das war letz­tes Jahr mit dem Pos­ten als Vi­ze viel schlim­mer. Es kam da­mals auch noch das Nar­ren­tref­fen oben drauf und ich muss­te mich als Vi­ze be­wei­sen. Jetzt emp­fin­de ich da kei­nen Druck.

Wie ka­men Sie zur Nar­re­tei?

Das wur­de mir schon mit den Ge­nen mit­ge­ge­ben. Mei­ne El­tern wa­ren in der Fas­net sehr ak­tiv und ich war schon vor der Ge­burt da­bei. In die Zunft ein­ge­tre­ten bin ich aber erst mit elf Jah­ren – trotz des Al­ters ganz oh­ne när­ri­schen Hin­ter­grund. Ich ha­be mich ein­fach be­wusst ent­schie- den, ein Kau­joh­le sein zu wol­len. Spä­ter war ich lan­ge in der Gar­de und bei der Neu­for­mie­rung des Jungnar­ren­rats da­bei, des­sen Spre­che­rin ich wur­de. Es folg­te der Pos­ten als stell­ver­tre­ten­der Ober­kau­joh­le und letz­tes Jahr eben die Vi­zeZunft­meis­te­rin.

Ha­ben Sie auf das Amt der Zunft­meis­te­rin hin­ge­ar­bei­tet?

Nein, über­haupt nicht. Die gro­ße Über­ra­schung für mich selbst war der Pos­ten als Vi­ze. Nach­dem Diet­mar Bit­zen­ho­fer im­mer ge­sagt hat, dass er nur be­fris­tet zur Ver­fü­gung steht, muss­ten wir uns aber Ge­dan­ken ma­chen. Kon­kret dar­über ge­spro­chen ha­ben wir aber erst nach Os­tern.

War das Amt sehr um­kämpft?

Nein, es gab kei­ne Mit­be­wer­ber. Ein Zunft­meis­ter muss je­mand sein, der es mit viel Lei­den­schaft an­geht und auch be­reit ist, viel Zeit zu in­ves­tie­ren. Und ich dach­te mir, dass es im Nor­mal­fall ja nicht mehr Zeit kos­ten kann als für das Land­schafts­tref­fen. Und mo­men­tan ist es noch ziem­lich ent­spannt (lacht).

Jetzt ist ja aus när­ri­scher Sicht ei­ne ru­hi­ge Zeit. Was macht ei­ne Mark­dor­fer Zunft­meis­te­rin gera­de?

Wir sind voll in der Pla­nung für die nächs­te Fas­nacht, ha­ben al­le vier Wo­chen ei­ne Nar­ren­rats­sit­zung, jüngst war Stadt­fest und un­ser in­ter­nes Zunft­fest. Es gibt ei­gent­lich im­mer et­was zu or­ga­ni­sie­ren.

FO­TO: JUL

Als Kau­joh­le hat Bir­git Beck in der His­to­ri­schen Nar­ren­zunft mit elf Jah­ren an­ge­fan­gen. Heu­te ist die 42-Jäh­ri­ge Zunft­meis­te­rin.

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