Pfle­ge­plät­ze: Es wird eng

Kreis­tag möch­te das The­ma stär­ker in den Vor­der­grund rü­cken - Bo­li­en stellt Maß­nah­men vor

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Friedrichshafen -

(cdi) - Es gibt zu we­ni­ge Plät­ze in der Kurz­zeit- und Ta­ges­pfle­ge. Wil­trud Bo­li­en, die im Bo­den­see­kreis für die Al­ten­hil­fe zu­stän­dig ist, stell­te auf der Sit­zung des Kreis­ta­ges am Mitt­woch Maß­nah­men vor, um ge­gen­zu­steu­ern. Sie be­ton­te, dass sich die Si­tua­ti­on in Zu­kunft ver­schär­fen wird. Die Vor­schlä­ge stie­ßen bei den Ab­ge­ord­ne­ten auf gro­ße Zu­stim­mung. Nun soll sich das Netz­werk „Äl­ter wer­den“in­ten­si­ver mit dem The­ma be­fas­sen.

Im Bo­den­see­kreis gibt es ak­tu­ell über 5600 pfle­ge­be­dürf­ti­ge Men­schen. Da­von wird knapp die Hälf­te von An­ge­hö­ri­gen ge­pflegt. „Ta­ge­sund Kurz­zeit­pfle­ge sind wich­ti­ge An­ge­bo­te, weil sie die An­ge­hö­ri­gen ent­las­ten“, sag­te Bo­li­en. In den kom­men­den Jah­ren wür­den die fa­mi­liä­ren Res­sour­cen zu­rück­ge­hen. Gleich­zei­tig stei­ge die An­zahl der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen. „2030 wer­den zu­sätz­lich 7500 Men­schen auf Un­ter­stüt­zung an­ge­wie­sen sein“, er­klär­te Bo­li­en. Das sei­en 35 Pro­zent mehr als heu­te. Im Jahr 2050 wer­de mit zu­sätz­li­chen 10 000 Pfle­ge­be­dürf­ti­gen ge­rech­net. Die Ent­wick­lung hän­ge mit dem de­mo­gra­fi­schen Wan­del zu­sam­men: „Die Ge­sell­schaft wird im­mer äl­ter.“

Was ist Ta­ges­pfle­ge? Und was ist Kurz­zeit­pfle­ge? Bei der Ta­ges­pfle­ge wer­den die Pfle­ge­be­dürf­ti­gen ab­ge­holt und tags­über in ei­nem Heim be­treut. Die Nacht ver­brin­gen sie zu Hau­se. Bei der Kur­zeit­pfle­ge han­delt es sich um ein sta­tio­nä­res An­ge­bot, das im Jahr für ei­nen Zei­t­raum von bis zu acht Wo­chen be­an­tragt wer­den kann. „In­ner­halb der Kurz­zeit­pfle­ge un­ter­schei­den wir zwi­schen lang­fris­tig und kurz­fris­tig zu ver­ge­be­nen Plät­zen“, er­klär­te Bo­li­en. Die lang­fris­ti­gen Plät­ze könn­ten fest ein­ge­plant wer­den, da sie aus­schließ­lich für die Kurz­zeit­pfle­ge be­stimmt sei­en. Mit den kurz­fris­tig zu ver­ge­be­nen Plät­zen kön­ne das Land­rats­amt nicht ver­läss­lich pla­nen, weil es sich um ein Kon­tin­gent hand­le, das auch für die Dau­er­pfle­ge be­stimmt sei.

„Im Jahr 2020 wer­den in der Kurz­zeit­pfle­ge 54 Plät­ze feh­len“, sag­te Bo­li­en. In der Ta­ges­pfle­ge se­he es bes­ser aus: Hier fehl­ten le­dig­lich neun Plät­ze. „Wir müs­sen fi­nan­zi­el­le An­rei­ze schaf­fen, um die Si­tua­ti­on zu ver­bes­sern“, mein­te Bo­li­en. Op­tio­nen sei­en, die Wirt­schaft ein­zu­be­zie­hen und För­der­pro­gram­me ins Le­ben zu ru­fen. Au­ßer­dem sei es sinn­voll, den Pfle­ge­satz für die Kurz­zeit­pfle­ge zu er­hö­hen. Das lie­ge al­ler­dings im Zu­stän­dig­keits­be­reich des Bun­des.

Die Vor­schlä­ge stie­ßen bei den Ab­ge­ord­ne­ten auf gro­ßen Zu­spruch. „Wir müs­sen han­deln“, sag­te Lothar Wöl­f­le, Land­rat des Bo­den­see­krei­ses. Dag­mar Ho­eh­ne (Freie Wäh­ler) sprach von ei­nem „The­ma, das den Land­kreis in Zu­kunft im­mer mehr be­schäf­ti­gen wird“. Sie reg­te an, den Aspekt der Woh­nungs­pla­nung in die Über­le­gun­gen ein­zu­be­zie­hen. Es sei wich­tig, sich auf die Be­dürf­nis­se äl­te­rer Men­schen ein­zu­stel­len. Auch Chris­ta Hecht-Fl­uhr (Grü­ne) be­grüß­te die Vor­schlä­ge und for­der­te al­le Frak­tio­nen auf, an ei­nem Strang zu zie­hen.

Das Netz­werk „Äl­ter wer­den“– ein Ex­per­ten­gre­mi­um – soll sich noch im zwei­ten Halb­jahr 2017 mit dem The­ma be­fas­sen und die Vor­schlä­ge kon­kre­ti­sie­ren. Das hat der Kreis­tag ein­stim­mig be­schlos­sen.

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