Bre­gen­zer Fest­spie­le star­ten stür­misch mit „Car­men“

Mei­nun­gen der Kri­ti­ker zum Spiel auf der See­büh­ne sind ge­teilt

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Wir Am See -

(dpa) - Mit Ge­or­ges Bi­zets „Car­men“und ei­nem ban­gen Blick in den Him­mel sind die Bre­gen­zer Fest­spie­le am Mitt­woch­abend in die neue Opern­sai­son am Bo­den­see ge­star­tet. Kurz vor Be­ginn zo­gen Wind­bö­en und dunk­le Wol­ken auf, die zum Teil hef­ti­gen Re­gen brach­ten. Doch die Ver­an­stal­ter zo­gen die Pre­mie­re durch.

Die Zu­schau­er nah­men es ge­las­sen – sie zo­gen kur­zer­hand Re­gen­ja­cken über. Das Werk um „lei­den­schaft­li­che Lie­be und spek­ta­ku­lä­ren Stier­kampf“wird in den kom­men­den vier Wo­chen auf der See­büh­ne des Fes­ti­vals zu se­hen sein – in­sze­niert von dem aus Dä­ne­mark stam­men­den Re­gis­seur Kas­per Hol­ten.

Kri­ti­ker wa­ren laut ORF sehr un­ter­schied­li­cher Mei­nung. Gro­ßes Lob gab es von Charles Rit­ter­band von der „NZZ“. Es sei die bes­te Auf­füh­rung ge­we­sen, die er je auf dem See ge­se­hen ha­be: „Ich bin hin­ge­ris­sen, ich fand es sen­sa­tio­nell.“Die tech­ni­schen Mit­tel sei­en meis­ter­haft ein­ge­setzt wor­den, der Ein­satz des Was­sers sei fas­zi­nie­rend. „Man muss vor den Sän­gern in die Knie ge­hen“, sag­te Mar­kus Thiel vom „Münch­ner Mer­kur“. Es sei ein Wahn­sinn, bei so ei­nem Re­gen so ei­ne „ganz gro­ße Leis­tung“zu brin­gen. We­ni­ger be­geis­tert zeig­te sich Ma­nu­el Brug von „Die Welt“: „So lau­warm wie das Wet­ter war, war für mich auch die Ins­ze­nie­rung.“Für ei­ne Frei­licht­in­sze­nie­rung sei ihm das Ge­bo­te­ne ein biss­chen zu we­nig ge­we­sen, das hät­te er in je­dem Opern­haus se­hen kön­nen. Kri­tik an der Ins­ze­nie­rung gab es auch von Eleo­no­re Bü­ning von der „FAZ“. Die­se sei nicht be­son­ders gut ge­löst ge­we­sen. „Car­men“sei ei­ne erns­te Ge­schich­te vom Tod und der Uto­pie ei­ner Lie­be, da sei ein „rei­nes Volks­fest mit ein paar halb ver­un­glück­ten Kom­pro­mis­sen scha­de“. Die Ins­ze­nie­rung sei dem Stück „sehr äu­ßer­lich ge­blie­ben“.

Of­fi­zi­ell er­öff­net wur­den die 72. Bre­gen­zer Fest­spie­le be­reits am Vor­mit­tag – mit mah­nen­den Wor­ten zur Flücht­lings­kri­se. „Die Art und Wei­se, wie wir mit die­sen an­kom­men­den Men­schen um­ge­hen, wie wir über sie re­den, was wir schrei­ben und be­rich­ten, sagt glei­cher­ma­ßen viel über uns aus“, sag­te Ös­ter­reichs Kul­tur­mi­nis­ter Tho­mas Droz­da (SPÖ) vor 2000 Fest­gäs­ten. Die Fest­spie­le grif­fen das The­ma un­ter an­de­rem mit der Ros­si­ni-Oper „Mo­ses in Ägyp­ten“auf, die am Don­ners­tag Pre­mie­re im Fest­spiel­haus fei­ert. Die Bre­gen­zer Fest­spie­le dau­ern bis zum 20. Au­gust.

Die Auf­füh­run­gen der „Car­men“auf der See­büh­ne sind bis En­de Au­gust aus­ver­kauft. Wer kei­ne Kar­ten hat, kann zum Auf­takt der Rei­he „Som­mer­nachts­mu­sik“im ZDF an die­sem Sonn­tag, 23. Ju­li, ab 22 Uhr ein 100-mi­nü­ti­ges Best-of se­hen. In vol­ler Län­ge zeigt das ZDF die „Car­men“-Auf­füh­rung von der See­büh­ne in sei­ner Me­dia­thek so­wie am 26. Au­gust ab 20.15 Uhr auf 3sat.

FO­TOS: DPA/FE­LIX KÄSTLE

Ein­drucks­voll: die Tän­ze im Was­ser.

Er­tränkt Don Jo­sé Car­men et­wa?

Aus­drucks­stark: So­pra­nis­tin Gaël­le Ar­quez.

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