So­lis­ti­sche Bril­lanz

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - KULTUR -

Als Ge­org Phil­ipp Tele­mann 1735 in Ham­burg sei­ne 12 Fan­ta­si­en für Vio­li­ne so­lo schrieb, war er auf dem Hö­he­punkt sei­nes Ruhms an­ge­kom­men. Der für Ken­ner und Lieb­ha­ber ge­dach­te Zy­klus kom­bi­niert auf ori­gi­nel­le Wei­se freie, qua­si im­pro­vi­sa­to­ri­sche Spiel­pra­xis und streng ge­ar­bei­te­te Form­struk­tu­ren. Die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten des vier­sai­ti­gen In­stru­ments wer­den zur An­deu­tung kam­mer­mu­si­ka­li­scher und or­ches­tra­ler Satz­ty­pen ge­nutzt. Ver­gleich­bar mit Roh­zeich­nun­gen zu Öl­ge­mäl­den ent­ste­hen skiz­zen­ar­ti­ge, auf we­sent­li­che Tö­ne re­du­zier­te Mo­del­le von Trio­so­na­ten, Fu­gen oder Tän­zen. Tele­manns Kunst des We­glas­sens ver­langt zwar ei­nen „wis­sen­den“Hö­rer, lässt aber nie Wohl­klang und mu­si­ka­li­sche Lo­gik ver­mis­sen. Zu Un­recht steht die­se Samm­lung im­mer noch im Schat­ten von Bachs 15 Jah­re zu­vor ent­stan­de­nem Zy­klus für So­lo­vio­li­ne. Ba­rock­gei­ger und Di­ri­gent Fa­bio Bi­on­di hat sie jetzt mit ei­nem In­stru­ment ein­ge­spielt, das 1767 – im To­des­jahr Tele­manns – von Fer­di­nan­do Gaglia­no in Nea­pel ge­baut wur­de. Mit bril­lan­ter Tech­nik und in­ter­pre­ta­to­ri­scher In­tel­li­genz meis­tert er die klang­lich de­li­ka­ten Ge­bil­de. (wmg)

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