Ab 2018: Neue Steu­ern für Fonds

Was auf An­le­ger zu­kommt, wenn die In­vest­ment­steu­er­re­form in Kraft tritt

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - GELD & SERVICE - Von Flo­ri­an Jun­ker

RA­VENS­BURG - Ab dem Jahr 2018 gibt es ei­ne neue Ab­ga­be für In­vest­ment­fonds. So man­cher An­le­ger fragt sich, wel­che Vor- und Nach­tei­le die­se mit sich bringt und ob jetzt Zeit ist, noch schnell zu han­deln, be­vor sie am 1. Ja­nu­ar in Kraft tritt. Vor­weg sei ge­sagt: An­le­ger müs­sen nicht um ih­re Ge­win­ne ban­gen: „Es gibt kei­nen Grund, sich vor der In­vest­ment­steu­er­re­form zu fürch­ten, sie bringt un­ter dem Strich eher Ver­ein­fa­chun­gen als er­heb­li­che Mehr­kos­ten“, sagt An­ton Vet­ter, Mit­be­grün­der der BV & P Ver­mö­gen AG aus Kemp­ten. Das soll­ten An­le­ger über die Re­form wis­sen:

Ab­ga­be auf Fonds­ebe­ne: Künf­tig müs­sen hei­mi­sche In­vest­ment­fonds, in­län­di­sche Di­vi­den­den und Im­mo­bi­li­en­er­trä­ge di­rekt mit 15 Pro­zent Kör­per­schafts­steu­er be­le­gen. Nö­tig wur­de die Re­form, um in- und aus­län­di­sche Fonds steu­er­lich gleich­zu­stel­len. Ne­ben­bei wer­den so auch Fonds, die Ge­win­ne aus­schüt­ten, und sol­che, die sie the­sau­rie­ren, weit­ge­hend steu­er­lich gleich­ge­stellt. Die gu­te Nach­richt für Fonds­be­sit­zer: Un­ter dem Strich wird es prak­tisch nicht teu­rer. Denn zur neu­en Steu­er wird auch ei­ne Teil­frei­stel­lung von Aus­schüt­tun­gen und Kurs­ge­win­nen ein­ge­führt. Bei Ak­ti­en­fonds wer­den künf­tig 30 Pro­zent von der Ab­gel­tungs­steu­er ver­schont, bei Misch­fonds mit ei­ner Min­dest­ak­ti­en­quo­te von ei­nem Vier­tel 15 Pro­zent und bei Im­mo­bi­li­en­fonds 60 Pro­zent oder so­gar 80 Pro­zent, wenn die Ob­jek­te über­wie­gend im Aus­land be­hei­ma­tet sind. „Un­ter dem Strich kommt es für Spa­rer prak­tisch zu kei­ner Mehr­be­las­tung“, stellt der Bun­des­ver­band In­vest­ment und As­set Ma­nage­ment (BVI) da­zu fest.

Vor­schuss ans Fi­nanz­amt: Ei­ne Neue­rung kann aber zu un­ge­wohn­ten Er­geb­nis­sen füh­ren – die Vor­ab­pau­scha­le. Künf­tig wird bei al­len Fonds am Jah­res­en­de ein Ba­sis­er­trag be­rech­net, der auf Spar­buch­ni­veau liegt. Ab­züg­lich der vor­ge­nom­me­nen Aus­schüt­tun­gen gilt er im fol­gen­den Ja­nu­ar als fik­tiv zu­ge­flos­sen und muss ver­steu­ert wer­den. „Die­se künf­tig er­ho­be­ne Vor­ab­pau­scha­le kann bei the­sau­rie­ren­den Fonds da­zu füh­ren, dass ei­ne Be­las­tung des Kun­den­kon­tos er­folgt und der An­le­ger vor­her für aus­rei­chen­de Li­qui­di­tät sor­gen muss, um Ver­zugs­zin­sen zu ver­mei­den“, er­klärt An­ton Vet­ter von der BV & P Ver­mö­gen AG. Bis­her wur­den bei wie­der an­le­gen­den Fonds erst bei ei­nem Ver­kauf Steu­ern fäl­lig, jetzt be­kommt das Fi­nanz­amt ei­ne Art Vor­schuss, der bei ei­nem Ver­kauf wie­der ab­ge­zo­gen wird. An­le­ger kön­nen in sol­chen Fäl­len aber auch in Zu­kunft den ge­wohn­ten Spa­rer­pau­schal­be­trag von 801 Eu­ro be­zie­hungs­wei­se 1602 Eu­ro für Ehe­paa­re ein­set­zen, wenn er nicht an­der­wei­tig aus­ge­schöpft wur­de.

Nicht ver­un­si­chern las­sen: Mit der In­vest­ment­steu­er­re­form wird auch der so­ge­nann­te Be­stands­schutz für Fonds be­en­det, die vor der Ein­füh­rung der Ab­gel­tungs­steu­er im Jahr 2009 ge­kauft wur­den. Die bis En­de 2017 er­ziel­ten Ge­win­ne blei­ben aber steu­er­frei und ho­he per­sön­li­che Frei­be­trä­ge für da­von be­trof­fe­ne An­le­ger wer­den bei den meis­ten Pri­vat­spa­rern noch über vie­le Jah­re für Steu­er­frei­heit sor­gen. Fonds­ba­sier­te Ries­ter- und Rü­rup-Pro­duk­te wer­den so­gar ganz ver­schont. „Vor­sicht wal­ten las­sen müs­sen An­le­ger aber auf al­le Fäl­le, da jetzt die Fi­nanz­in­dus­trie in Be­we­gung kommt“, sagt Ger­hard Se­lig, In­ha­ber der Ger­hard Se­lig Ver­mö­gens­stra­te­gi­en Gm­bH aus Kon­stanz. Spa­rer soll­ten skep­tisch wer­den, wenn spe­zi­ell ge­gen Jah­res­en­de zu ei­nem Kauf oder Ver­kauf von In­vest­ment­fonds we­gen neu­en steu­er­li­chen Re­ge­lun­gen ge­ra­ten wird. „Die Er­fah­rung aus der Ver­gan­gen­heit lehrt, dass haupt­säch­lich aus steu­er­li­chen Grün­den ge­trof­fe­ne In­vest­ment­ent­schei­dun­gen sich sel­ten ge­lohnt ha­ben“, meint Fi­nanz­ex­per­te Se­lig: „Die In­vest­ment­steu­er­re­form ist kein Grund für Schnell­schüs­se.“

FO­TO: DPA

Die In­vest­ment­steu­er­re­form, die ab dem 1. Ja­nu­ar 2018 gilt, bringt für Fonds­an­le­ger eher Ver­ein­fa­chun­gen als Mehr­kos­ten.

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