Pa­pierskulp­tu­ren er­obern den Raum

Rund 100 Gäs­te fei­ern Ver­nis­sa­ge der Buck-Re­tro­spek­ti­ve in der Stadt­ga­le­rie

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - MARKDORF/SERVICE - Von El­ke Ober­län­der

– Mit ei­nem fei­er­li­chen Abend hat der Kunst­ver­ein Mark­dorf sei­ne ers­te Re­tro­spek­ti­ve er­öff­net: Ab so­fort zeigt die Stadt­ga­le­rie ei­nen Über­blick über das Werk des ver­stor­be­nen Ra­dolf­zel­ler Künst­lers Rai­mund Al­bert Buck. Lau­da­tor Andre­as Ga­bel­mann hat in Bucks Ma­le­rei, Druck­gra­fik und Pa­pierskulp­tu­ren ein­ge­führt. Be­geis­tert wa­ren die rund 100 Ver­nis­sa­ge-Be­su­cher auch von Chris­tia­ne Ried­manns ja­pa­ni­schen Block­flö­ten-Stü­cken zu Be­ginn der Ver­an­stal­tung.

Eben noch vi­briert die Ga­le­rie von Ge­sprä­chen in al­len Stuhl­rei­hen, dann ist ganz plötz­lich Ru­he. Wo­her kom­men die ge­heim­nis­vol­len Tö­ne? Flö­tis­tin Chris­tia­ne Ried­mann hat sich auf dem Trep­pen­ab­satz zum Ober­ge­schoss pos­tiert. Die meis­ten Gäs­te kön­nen sie nicht se­hen. Aber al­le lau­schen er­grif­fen ih­rer Mu­sik. „Das geht schon los, Man­no­me­ter“, pol­tert ein ver­spä­te­ter Gast auf dem Weg durch die of­fen­ste­hen­de Ga­le­rie­tür. Schnell wer­den noch ein paar zu­sätz­li­che Stüh­le auf­ge­stellt. Die Gäs­te blei­ben mit der Auf­merk­sam­keit ganz bei den Block­flö­ten-Tö­nen. „Zu zeit­ge­nös­sisch“, wie Bür­ger­meis­ter Ge­org Ried­mann bei sei­ner Be­grü­ßung be­fürch­te­te, war die Flö­ten­mu­sik sei­ner Frau of­fen­bar nicht.

Lau­da­tor und Ku­ra­tor Andre­as Ga­bel­mann gab ei­nen Über­blick über 25 Jah­re künst­le­ri­sche Ent­wick­lung, für die die ge­zeig­ten 68 Buck­schen Wer­ke ste­hen. Vie­le von ih­nen sind noch nie aus­ge­stellt wor­den. Bau­zeich­ner und Bau­in­ge­nieur Buck hat­te in den spä­ten 70er-Jah­ren zu­nächst mit Mal- und Zei­chen­kur­sen be­gon­nen, be­rich­te­te Ga­bel­mann. 1984 hat der Künst­ler sei­ne In­ge­nieur­stä­tig­keit auf Teil­zeit um­ge­stellt, 1999 ganz be­en­det. Be­reits seit den frü­hen 90er-Jah­ren hat Buck sei­ne Wer­ke in ei­ner Fül­le von Ein­ze­lund Grup­pen­aus­stel­lun­gen ge­zeigt – auch 2009 in Mark­dorf.

An­ge­fan­gen hat Buck nach den Wor­ten des Lau­da­tors mit Por­träts und Land­schaf­ten, de­nen ab 1990 abs­trak­te Ge­mäl­de folg­ten. Ty­pisch für die­se Pha­se sei­en der „im­pul­si­ve Mal­pro­zess“und der „dy­na­mi­sche Pin­sel­ges­tus“. Ga­bel­mann sieht in die­sen Bil­dern ein „pul­sie­ren­des Da­vor und Da­hin­ter“. Spä­ter ver­fes­tig­ten sich Far­ben und For­men zu kla­ren Struk­tu­ren. Ab 2003 mal­te Buck die so­ge­nann­te „Y-Se­rie“: In die­sen Bil­dern ver­zah­nen sich Y-ar­ti­ge Ele­men­te.

Das „idea­le Aus­drucks­me­di­um“

Ih­nen folg­ten Li­noldru­cke als „freie, spie­le­risch an­mu­ten­de Kom­po­si­tio­nen“und Ra­die­run­gen mit „fast mi­ni­ma­lis­ti­schem An­satz“. Sein „idea­les Aus­drucks­me­di­um“fand Buck 2001, be­rich­te­te Ga­bel­mann: das trans­pa­ren­te Zei­chen­pa­pier, mit dem er schon als Bau­zeich­ner zu tun ge­habt hat­te. Der Künst­ler hat es zer­ris­sen, mit Feu­er be­ar­bei­tet, mit far­bi­gen Pig­men­ten und Asche ein­ge­rie­ben. Bucks vor­her zwei­di­men­sio­na­le Wer­ke brei­te­ten sich mit kis­sen­ar­ti­gen Wand­re­liefs, Ku­gel­ge­bil­den und kris­tal­li­nen Wa­ben­kon­struk­tio­nen in den Raum aus. Man­che er­in­nern in ih­rer zar­ten Leich­tig­keit an Moo­se, Fe­dern oder Blu­men – wie die hän­gen­den Ob­jek­te im Ober­ge­schoss der Stadt­ga­le­rie, die sich beim lei­ses­ten Luft­hauch in Be­we­gung set­zen.

Bern­hard Oß­wald, Vor­sit­zen­der des Kunst­ver­eins Mark­dorf, be­rich­te­te, wie die Ver­eins­mit­glie­der bei Isol­de Buck die Span­ne des Schaf­fens ih­res ver­stor­be­nen Man­nes ent­deck­ten. Dass er „nicht nur Brand­ar­bei­ten, son­dern auch wun­der­ba­re Ma­le­rei und Druck­gra­fik“hin­ter­las­sen hat. Oß­wald dank­te der Wit­we, dem Team, das die Kunst­wer­ke auf­ge­hängt hat, und den eh­ren­amt­li­chen Hel­fern, die wäh­rend der Aus­stel­lung die Auf­sicht in der Stadt­ga­le­rie über­neh­men.

Und er ap­pel­lier­te an das Pu­bli­kum: Wei­te­re Auf­sich­ten wür­den drin­gend ge­braucht. Wer sich vor­stel­len kön­ne, zwei­mal zwei bis drei St­un­den in der Stadt­ga­le­rie Auf­sicht zu füh­ren, sol­le sich bei Hei­de Stai­ger vom Kunst­ver­ein mel­den.

FO­TO: EL­KE OBER­LÄN­DER

Freu­en sich über die Ver­nis­sa­ge (von links): Kurt Da­di­scheck vom Kunst­ver­ein, Lau­da­tor Andre­as Ga­bel­mann, Künst­ler-Wit­we Isol­de Buck und Jo­han­na Bi­schof­ber­ger vom Kunst­ver­ein.

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