Mahl­spü­rer Feu­er­boh­ne und Hö­ri-Bül­le als Kul­tur­trä­ger

Sa­le­mer Sa­men­gar­ten ist Aus­flugs­ziel für vie­le Gar­ten­freun­de

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Deggenhausertal / Salem / Frickingen - Sa­men­gar­ten www.saat­gut­bil­dung.org

(elo) – In Scha­ren sind die Be­su­cher am Sonn­tag in den Sa­le­mer Sa­men­gar­ten der Initia­ti­ve Saat­gut­Bil­dung ge­strömt. Zum Tag der of­fe­nen Tür ha­ben die Ret­ter al­ter Ge­mü­se­sor­ten ge­zeigt, wie mit Eseln ge­pflügt wird, Kost­pro­ben aus dem Gar­ten ser­viert und Gar­ten­bü­cher vor­ge­stellt. Gro­ßen An­drang gab es bei den Gar­ten­füh­run­gen mit dem Spre­cher der Initia­ti­ve und Bio­lo­gen, Ni­co­las Dos­tert.

„Je­der Gärt­ner, der sei­ne Pflan­zen selbst ver­mehrt, ist ein Züch­ter“, sag­te Dos­tert. Sei­ne Oma ha­be das Saat­gut für ih­ren Kü­chen­gar­ten noch selbst aus den ei­ge­nen Pflan­zen ge­won­nen. Die Ge­ne­ra­ti­on sei­ner El­tern hät­te die­se Tra­di­ti­on lei­der nicht fort­ge­setzt. „Wir von der Saat­gut-Initia­ti­ve wol­len nun die al­ten Sor­ten ret­ten und wie­der un­ters Volk brin­gen“, er­klär­te der Bio­lo­ge. Denn Boh­nen- oder To­ma­ten­sor­ten, die seit Jahr­zehn­ten in Sa­le­mer Gär­ten an­ge­baut wer­den, hät­ten sich an Bo­den und Kli­ma ih­res Stand­orts gut an­ge­passt. To­ma­ten und Boh­nen sei­en für Dos­tert ein gu­tes Bei­spiel: Bei ih­nen sei es leicht, ein­fach ein paar Sa­men für das kom­men­de Jahr auf­zu­be­wah­ren. Saat­gut von 15 Boh­nen­Sor­ten hat­te die Initia­ti­ve im Früh­jahr bei ih­rer Saat­gut-Bör­se ver­teilt. Jetzt woll­ten vie­le Be­su­cher se­hen, ob die Boh­nen­pflan­zen im Sa­men­gar­ten genau­so aus­se­hen wie bei ih­nen im Gar­ten. Der Bio­lo­ge zeig­te die Mahl­spü­rer Feu­er­boh­ne. Sie wird seit Jahr­zehn­ten in Mahl­spü­ren bei Stockach an­ge­baut und ist Grund­la­ge des all­jähr­li­chen Boh­nen­fests. „An die­ser re­gio­na­len Sor­te hängt ei­ne Kul­tur“, so Dos­tert.

Ein paar Me­ter wei­ter schau­keln an lan­gen Stie­len ku­gel­run­de weiß­grü­ne Frucht­stän­de im Wind. Hier ent­steht das Saat­gut für die Hö­riBül­le, ei­ne hoch­a­ro­ma­ti­sche Zwie­bel. „Die ist so weich, dass sie nicht mit Sor­tier­an­la­gen in Beu­tel ab­ge­füllt wer­den kann“, sag­te der Bio­lo­ge. „Des­halb kommt die nie in die Su­per­märk­te.“Bei der kom­mer­zi­el­len Pflan­zen­zucht wer­de stark auf Trans­port­fä­hig­keit und Halt­bar­keit ge­ach­tet, aber für Gar­ten­freun­de sei der Ge­schmack viel wich­ti­ger.

We­nig spä­ter stand die Grup­pe vor ei­nem dich­ten Ge­büsch mit wei­ßen Blü­ten­dol­den und korb­ar­ti­gen, grü­nen Frucht­stän­den. Der gan­ze Qua­drat­me­ter Grün­zeug sei ei­ne Möh­ren­pflan­ze. Die Mit­glie­der der Initia­ti­ve gra­ben die Wur­zeln im Herbst aus und kon­trol­lie­ren, ob sie gut ge­wach­sen sind. Die schöns­ten wer­den wie­der ein­ge­gra­ben. Im zwei­ten Jahr blü­hen die Möh­ren und bil­den Sa­men zur Ver­meh­rung. Da­mit sich kei­ne wil­den Möh­ren ein­kreu­zen, sind die Pflan­zen mit Net­zen ge­schützt.

Im Kräu­ter­gar­ten lud Bio­lo­ge Dos­tert sei­ne Gäs­te ein, das Chi­ne­si­sche Süß­blatt zu pro­bie­ren. Er ver­wen­de es als zu­cker­frei­es Sü­ßungs­mit­tel für Tee. Ei­ni­ge Pflan­zen in den Kräu­ter­bee­ten kä­men auch bei In­sek­ten sehr gut an: Be­son­ders in den In­dia­ner­nes­seln, auch Gold­me­lis­se oder Schar­lach-Mo­nar­de ge­nannt, summ­ten und brumm­ten Bie­nen und Hum­meln in gro­ßer Zahl.

Der Sa­le­mer liegt am süd­li­chen Orts­rand von Mim­men­hau­sen. Wei­te­re In­fos un­ter

FO­TO: ELO

„Wir wol­len al­te Ge­mü­se­sor­ten ret­ten und wie­der un­ters Volk brin­gen“, sagt Ni­co­las Dos­tert, Spre­cher der Saat­gut-Initia­ti­ve, bei der Füh­rung im Sa­le­mer Sa­men­gar­ten.

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