Land­wir­te und Grü­nen-Mi­nis­ter dis­ku­tie­ren über die Agrar­wen­de

Chris­ti­an Mey­er, Mar­tin Hahn und Mar­kus Böh­len spre­chen mit Land­wir­ten über Flä­chen­ver­brauch und tier­schüt­zen­des Wirt­schaf­ten

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Salem/bermatingen - Von Martina Wol­ters

- Et­wa 30 Land­wir­te und In­ter­es­sier­te ha­ben am Mon­tag­abend das Ge­spräch mit dem nie­der­säch­si­schen Land­wirt­schafts­mi­nis­ter Chris­ti­an Mey­er ge­sucht. Im Re­stau­rant „Reck“dis­ku­tier­ten sie über das vom Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Mar­tin Hahn und dem Bun­des­tags­kan­di­da­ten für den Bo­den­see­kreis, Mar­kus Böh­len, (al­le Bünd­nis90/Die Grü­nen) vor­ge­ge­be­ne The­ma „Die sanf­te Agrar­wen­de – Vor­tei­le für die Land­wirt­schaft“.

Ent­ste­hen­de Groß­be­trie­be, die klei­ne­re ver­drän­gen könn­ten, der ra­san­te Flä­chen­ver­brauch in der Re­gi­on, mehr Geld für na­tur- und tier­schüt­zen­des Wirt­schaf­ten oder ei­ne not­wen­di­ge Er­näh­rungs­bil­dung la­gen den An­we­sen­den be­son­ders am Her­zen. „Wir sind dar­an in­ter­es­siert, die nach­hal­ti­ge Land­wirt­schaft mit den Land­wir­ten und nicht ge­gen sie zu be­wäl­ti­gen“, un­ter­strich der Grü­nen-Mi­nis­ter. In sei­nem Ein­stiegs­re­fe­rat be­rich­te­te er von sei­nen An­stren­gun­gen im Kampf ge­gen das bun­des­wei­te Hö­fes­ter­ben und für ei­nen Wech­sel hin zu mehr Tier­wohl und na­tür­li­che­rem land­wirt­schaft­li­chem Ar­bei­ten.

„Ge­sell­schaft­li­ches Geld“sol­le für Land­wir­te aus­ge­ge­ben wer­den und „nicht an Groß­be­trie­be“ge­hen, be­ton­te der 42-Jäh­ri­ge. Kom­mu­nen soll­ten mehr Mit­spra­che­rech­te be­kom­men und bau­recht­li­che Pri­vi­le­gie­rung ent­fal­len, um Rie­sen­mast­be­trie­be ein­zu­däm­men. Der Hin­weis ei­ner Bäue­rin, der ge­plan­te Groß­stall mit 1000 Kü­hen in Os­trach be­dro­he um­lie­gen­de Land­wirt­schafts­be­trie­be, sorg­te noch ein­mal für kon­trä­re An­sich­ten. Ei­ner der be­trof­fe­nen vier Land­wir­te, Ge­org Rauch, un­ter­strich den fast ein­stim­mi­gen Rats­be­schluss und mein­te, bei ih­nen ste­he das Tier­wohl an höchs­ter Stel­le. Die an­we­sen­den Grü­nen-Ver­tre­ter lud er zum Be­such. Ei­ne an­we­sen­de Agrar­in­ge­nieu­rin sprang Rauch bei: Gro­ße Stäl­le dürf­ten nicht von vorn­her­ein ab­ge­lehnt wer­den, sonst hät­ten Jung­bau­ern kaum Per­spek­ti­ven.

Bei­spiel: Bio-Eier

Wie stark das Ver­brau­cher­ver­hal­ten auf den Pa­ra­dig­men­wech­sel in der Agrar­wirt­schaft Ein­fluss neh­men kann, zeig­te Mey­er am Bei­spiel des bun­des­wei­ten Eier­ver­kaufs. „Wir ha­ben den höchs­ten An­teil an Bio bei den Ei­ern“, sag­te er, weil auf je­der Eier­ver­pa­ckung ge­nau ste­he, wo­her sie kom­men und wie die Tie­re ge­hal­ten wer­den. Wie Hahn und Böh­len for­der­te er, Her­kunft und In­halts­stof­fe von Le­bens­mit­teln klar zu kenn­zeich­nen. „Ver­brau­cher sol­len sich be­wusst ent­schei­den kön­nen“, sag­te Hahn. Die Po­li­ti­ker der Grü­nen gin­gen mit der an­we­sen­den Ge­mein­de­rä­tin Ul­ri­ke Len­ski (GoL) kon­form, Men­schen schon mög­lichst früh für die Land­wirt­schafts­the­ma­tik zu sen­si­bi­li­sie­ren. „Er­näh­rungs­bil­dung ist ganz wich­tig“, sag­te Mey­er mit Blick auf „Wer­bung, in der hei­le Welt vor­ge­gau­kelt wird“. Böh­len hob den be­reits von Rot-Grün prak­ti­zier­ten „Lern­ort Bau­ern­hof“her­vor.

Der ge­ra­de im Kreis ra­sant fort­schrei­ten­de Flä­chen­fraß für Ge­wer­beund Wohn­bau wur­de von den Zu­hö­rern eben­falls the­ma­ti­siert. Hahn mach­te auf die „be­son­de­re La­ge“der Re­gi­on und den „Ent­wick­lungs­be­darf “auf­merk­sam. Das müs­se „po­li­tisch ge­steu­ert wer­den“, mein­te er und sah die kom­mu­na­le Ho­heit an die­ser Stel­le kri­tisch. Dass die grü­ne Lan­des­re­gie­rung 60 Pro­zent der land­wirt­schaft­li­chen Nutz­flä­che für Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen vor­be­hal­te, wie ei­ne Zu­hö­re­rin kri­ti­sier­te, woll­te der Land­tags­ab­ge­ord­ne­te nicht so ste­hen las­sen. Hier ge­he es „nicht um end­gül­ti­ge, son­dern le­dig­lich um tem­po­rä­re Nut­zung“, er­läu­ter­te er das grü­ne Vor­ge­hen.

FO­TO: WOL­TERS

Der Grü­nen-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Mar­tin Hahn (links) und sein Par­tei­kol­le­ge Mar­kus Böh­len(rechts) freu­en sich über den Be­such des nie­der­säch­si­schen Mi­nis­ters Chris­ti­an Mey­er(Mit­te) in Sa­lem.

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