Ein Hei­mat­abend auf Über­lin­ge­risch

Das Then-Quar­tett singt und spielt zum Teil auch im Dia­lekt

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Meersburg/stetten/überlingen - Ter­mi­ne

(li­ma) - Mit dem li­te­ra­risch mu­si­ka­li­schen Pro­gramm „Wenn es Nacht wird in Über­lin­gen…ist es Zeit fürs Then-Quar­tett“ist das Som­mer­thea­ter Über­lin­gen in die fi­na­le Run­de ge­gan­gen und prä­sen­tier­te ei­nen ab­wechs­lungs­rei­chen, dra­ma­tur­gisch be­glei­te­ten Lie­der­abend mit dem Then-Quar­tett.

Die an­ge­kün­dig­te nächt­li­che Zei­t­rei­se be­gann mit ei­ner stim­mungs­vol­len Pro­jek­ti­on von Per­so­nen und Kir­chen­mo­ti­ven an Wand und Bo­den der Ka­pu­zi­ner­kir­che, die da­für wie ge­macht schien. Vier Män­ner, Ul­rich Pa­kusch, Kai Chris­ti­an Mo­ritz, Phil­ipp Rein­hei­mer und Ber­hard Sten­ge­le, in Mönchs­klei­dung ge­hüllt, be­glei­te­ten die­se me­dia­le Ins­ze­nie­rung mit wohl­tu­en­den vier­stim­mi­gen Ge­sän­gen, die so­wohl mo­no­ton als auch er­grei­fend klan­gen. Das kom­plet­te Weg­träu­men ver­hin­der­te dann ein sehr har­scher Bruch: Die Mön­che ga­ben ei­nen Klin­gel­beu­tel im Pu­bli­kum her­um und be­glei­te­ten die­sen Akt mit sich wie­der­ho­len­den Phra­sen. Das an­fangs noch leicht ir­ri­tier­te, dann aber amü­sier­te Pu­bli­kum lies sich dar­auf ein. Auch dank Bern­hard Sten­ge­le, der im Dia­lekt sein Pu­bli­kum ab­ho­len konn­te: Er über­nahm die Ge­sprächs­füh­rung und konn­te den­noch über den gan­zen Abend hin­weg nicht ganz ei­nen ro­ten Fa­den er­ken­nen las­sen.

Über­lin­ger Chro­nik

Es soll­te ei­ne Über­lin­ger Chro­nik wer­den. Tat­säch­lich wa­ren es aber klei­ne ein­zel­ne Ge­schich­ten, die nur zu­wei­len in Be­zug zu Über­lin­gen stan­den und lei­der nicht in­ein­an­der­grif­fen. Os­wald Bur­ger hat­te sich für die Vor­be­rei­tung des Stücks in die Ar­chi­ve der Über­lin­ger Stadt­ge­schich­te ge­stürzt und dort ei­ni­ge in­ter­es­san­te Vor­fäl­le ge­fun­den: sei es die des zu­ge­fro­re­nen Sees oder der so­ge­nann­ten „Bau­ern­ge­schich­te“, die tra­gisch mit dem Tod der bei­den Hel­den en­de­te und wohl je­dem Über­lin­ger be­kannt sein mö­ge. Die­se wur­de dann auch schau­spie­le­risch ge­lun­gen er­zählt, wo­bei Phil­ipp Rein­hei­mer sehr nett als Lies Bau­er, das 17-jäh­ri­ge Mäd­chen, und Kai Chris­ti­an Mo­ritz über­zeu­gend als Charly Eber­hard, der viel äl­te­re Sitz­gei­ger, fun­gier­ten. Ro­meo und Ju­lia in Über­lin­gen, ein­ge­bet­tet in ab­wech­seln­de, sehr sau­ber ge­sun­ge­ne vier­stim­mi­ge Ge­sän­ge der vier Prot­ago­nis­ten, be­zie­hungs­wei­se in Sten­ge­les über­zeu­gend und pro­fes­sio­nell vor­ge­tra­ge­ne Wal­ser-Zi­ta­te, wie: „Ich mag den See, weil es sich bei ihm um nichts Be­son­de­res han­delt“. Oder auch ein­ge­rahmt von kur­zen, an­ge­neh­men und teils lus­ti­gen Lied­chen von Rein­hei­mer, der sich selbst zur Gi­tar­re be­glei­te­te und da­bei ei­ne sehr gu­te Prä­senz auf der Büh­ne zeig­te. Ul­rich Pa­kusch be­glei­te­te den Abend sou­ve­rän am Flü­gel und punk­te­te mit sei­nem So­lo­auf­tritt, den er ge­mein­sam mit der Dreh­or­gel hat­te.

Al­les in al­lem ge­lang es dem ThenQuar­tett im­mer wie­der das Pu­bli­kum ein­zu­fan­gen. Zum Teil mit lo­kal­pa­trio­ti­schen Tricks, wie ei­nem Zun­gen­bre­cher oder dem Lied „Die Fi­sche­rin vom Bo­den­see“, oder klei­nen Ge­schich­ten, die zwar von Sten­ge­le her­vor­ra­gend und durch­aus pas­send im Dia­lekt vor­ge­tra­gen wur­den, lei­der aber im zwei­ten Teil nach der Pau­se kei­nen Be­zug mehr zu Über­lin­gen hat­ten. Das, was al­le vier wirk­lich ganz her­vor­ra­gend kön­nen, mach­ten sie auch am bes­ten: das Sin­gen. Und so ver­ab­schie­de­ten sie sich auch vom über­wie­gend be­geis­ter­ten Pu­bli­kum mit ei­nem Lied.

Wei­te­re sind der 27., 28. und der 29. Ju­li. Be­ginn ist je­weils um 20 Uhr.

FO­TO: DIE­TER LE­DER

Das Then-Quar­tett pro­ji­ziert Kir­chen­mo­ti­ve an Wand und Bo­den der Ka­pu­zi­ner­kir­che.

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