Mu­sik spielt hier die Haupt­rol­le

Ge­ni­al und er­fri­schend: „Ba­by Dri­ver“ist mehr als „LaLaLand“mit Ac­tion

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Kino/veranstaltungen - Von Ste­fan Ro­ther

„Bell­bot­toms“der Jon Spen­cer Blues Ex­plo­si­on hört. Bei dem Stück ver­ge­hen knapp zwei Mi­nu­ten, be­vor der Beat los­bricht, und im sel­ben Mo­ment zeigt auch Ba­by, was in ihm steckt: In ei­ner spek­ta­ku­lä­ren Au­to­ver­fol­gungs­jagd lässt er al­le an­de­ren Wa­gen läs­sig hin­ter sich. Ei­gent­lich ge­hö­ren sol­che Ra­se­rei­en ja zu den am meis­ten durch­ex­er­zier­ten Ele­men­ten von Ac­tion­fil­men, aber „Ba­by Dri­ver“ge­lingt es tat­säch­lich, hier ei­ne fri­sche Ener­gie frei­zu­set­zen. Doch nicht nur die Ac­tion­sze­nen fol­gen die­sem Rhyth­mus. Auch wenn Ba­by mit ei­ner Fuh­re Kaf­fee durch die Stra­ßen von At­lan­ta tän­zelt, er­klingt da­zu pass­ge­nau „Har­lem Shuf­fle“.

Ideal be­setzt bis in die Ne­ben­rol­len

Re­den kann das meist Son­nen­bril­le und stets Kopf­hö­rer tra­gen­de Milch­ge­sicht aber auch. Und so er­fährt man, dass er sei­ne El­tern bei ei­nem Au­to­un­fall ver­lo­ren hat und da­nach auf die schie­fe Bahn ge­ra­ten ist. Da­bei leg­te er sich al­ler­dings auch mit Gangs­ter­boss Doc (Ke­vin Spacey) an. Um sei­ne Schuld ab­zu­tra­gen, muss er nun für die­sen als Flucht­wa­gen­fah­rer die­nen. Die Be­sat­zung der bis ins letz­te De­tail durch­ge­plan­ten Über­fäl­le wech­selt da­bei re­gel­mä­ßig, nur mit dem Trio Bats (Ja­mie Fo­xx), Bud­dy (Jon Hamm) und Dar­ling (Ei­za Gon­zá­lez) be­kommt es Ba­by mehr als ein­mal zu tun. Doc ver­langt von ihm, mit die­sen noch ei­nen letz­ten Coup zu lan­den – und dass sol­che Sze­na­ri­en prak­tisch im­mer schief­ge­hen, weiß je­der Ki­no­ken­ner.

Wright be­dient sich of­fen­siv bei ver­trau­ten Ele­men­ten des Ac­tionwie klas­si­schen Hol­ly­wood­ki­nos. Und so trifft Ba­by sei­ne gro­ße Lie­be De­bo­ra (Li­ly Ja­mes) dann auch in ei­nem ur­ame­ri­ka­ni­schen Im­biss, in dem die­se als Be­die­nung ar­bei­tet. Sie teilt sei­ne Lie­be für Mu­sik, aber den­noch ist „Ba­by Dri­ver“mehr als nur ein „LaLaLand“mit Ac­tion und Au­tos. Denn hier ist selbst je­de klei­ne Ne­ben­fi­gur pas­send be­setzt und man nimmt an de­ren Schick­sal An­teil, an­statt sich nur an der Ac­tion zu er­göt­zen. Da­zu be­ein­druckt ins­be­son­de­re Ja­mie Fo­xx mit der be­droh­lich-un­be­re­chen­ba­ren Au­ra sei­ner Fi­gur. Eben­so ma­kel­los ist der Sound­track und vie­le Be­su­cher dürf­ten sich die­sen di­rekt nach Ver­las­sen des Ki­nos be­sor­gen.

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