Neue Mit­te: Rat stört sich an stei­gen­den Kos­ten

Mit Zwei­drit­tel­mehr­heit be­wil­li­gen Ge­mein­de­rä­te Ein­rei­chen des Bau­an­tra­ges für das Rat­haus

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Salem/deggenhausertal - Von Mar­vin We­ber

- Die Ge­mein­de stellt auf Grund­la­ge der Ent­wurfs­pla­nung den An­trag für den Bau des neu­en Rat­hau­ses und der öf­fent­li­chen Tief­ga­ra­ge. Be­vor der Ge­mein­de­rat die­se Ent­schei­dung am Di­ens­tag­abend auf den Weg ge­bracht hat, gab es er­neut Dis­kus­sio­nen über die ge­stie­ge­nen Kos­ten für die neue Mit­te. Le­dig­lich zwei Drit­tel des Gre­mi­ums stimm­ten dem An­trag des Bür­ger­meis­ters zu. Nach­dem En­de Mai Ein­spa­run­gen bei der Pla­nung des Rat­hau­ses vor­ge­nom­men wur­de, mach­te sich das Gre­mi­um jetzt da­für stark, in den Bü­ros und dem Sit­zungs­saal ei­ne Heiz­kühl­de­cke zu in­stal­lie­ren.

25,6 Mil­lio­nen Eu­ro: Auf die­se Kos­ten be­zif­fert sich nach ak­tu­el­lem Stand das Pro­jekt neue Ge­mein­de­mit­te in Sa­lem, in­klu­si­ve Bür­ger­park, Rat­haus und Tief­ga­ra­ge. 12,2 Mil­lio­nen Eu­ro die­ser Kos­ten muss die Ge­mein­de nach der­zei­ti­gen Be­rech­nun­gen nach Ab­zug der Ein­nah­men und För­der­mit­tel selbst zah­len. Im Ver­gleich zu äl­te­ren Be­rech­nun­gen sind die Ge­samt­kos­ten so­mit um rund 700 000 Eu­ro und die Kos­ten für die Ge­mein­de um ei­ne hal­be Mil­li­on Eu­ro ge­stie­gen.

Kos­ten füh­ren zu Grund­satz­dis­kus­sio­nen

Vie­le der Ge­mein­de­rä­te, be­son­ders aus Rei­hen der Grü­nen of­fe­nen Lis­te und der Frei­en Wäh­ler, stör­ten sich an den er­neut ge­stie­ge­nen Kos­ten. „Wo liegt über­haupt un­se­re Schmerz­gren­ze. Ir­gend­wann ist doch ei­ne Ober­gren­ze nö­tig. Wir brau­chen ei­ne Sum­me, bei der auch Schluss ist“, sag­te Pe­tra Her­ter (CDU). Auch Se­bas­ti­an Gün­ther (GoL) sah das Gan­ze ähn­lich: „Viel­leicht müs­sen wir klei­ner den­ken. In die Zu­kunft zu schau­en heißt auch, sich mit der Kos­ten­ent­wick­lung zu be­fas­sen. Ir­gend­wann müs­sen wir die Reiß­lei­ne zie­hen“, sag­te er und setz­te sich eben­falls für ei­ne Kos­ten­de­cke­lung ein. Ste­pha­nie Stras­ser (Freie Wäh­ler) sieht es als ei­ne Pflicht des Ge­mein­de­rats, die Kos­ten ein­zu­for­dern und zu be­ob­ach­ten. „Für mich ist der Ent­wurfs­plan noch kei­ne run­de Sa­che“, sag­te Stras­ser. Sie stell­te ei­nen An­trag, die Ein­rei­chung des Bau­an­trags bis nach der Som­mer­pau­se zu ver­schie­ben und er­neut mit al­len be­tei­lig­ten Pla­nern über mög­li­che Ein­spar­po­ten­zia­le zu spre­chen. Die­sem An­trag stimm­ten sie­ben Ge­mein­de­rä­te (vor al­lem von­sei­ten der GoL und der Frei­en Wäh­ler) zu. 14 Mit­glie­der des Gre­mi­ums – ein­schließ­lich des Bür­ger­meis­ters – stimm­ten da­ge­gen.

„Wenn wir jetzt nicht vor­an­kom­men, kön­nen wir mit den Aus­schrei­bun­gen nicht im Win­ter be­gin­nen und dann wird es noch­mals teu­er“, sag­te Bür­ger­meis­ter Man­fred Här­le. Auch wenn es bei den Aus­schrei­bun­gen der Ar­bei­ten wei­te­re Kos­ten­stei­ge­run­gen ge­ben könn­te, sei ei­ne ab­ge­speck­te Ver­si­on der neu­en Mit­te kei­ne Lö­sung, so Här­le. „An­sons­ten müss­ten wir das Pro­jekt kom­plett auf Eis le­gen“, sag­te er. Die­ser Sicht­wei­se stimm­te Ul­rich Kö­nig (FDP) zu: „12,2 Mil­lio­nen Eu­ro, die auf die Ge­mein­de zu­kom­men, sind ei­ne statt­li­che Sum­me. Aber ich se­he in der neu­en Mit­te kei­ne Kos­ten, son­dern ei­ne In­ves­ti­ti­on in die Zu­kunft. Wir in­ves­tie­ren in ei­nen Zen­tral­be­reich, der uns seit 45 Jah­ren fehlt. Jetzt müs­sen wir den Mut auf­brin­gen, die­ses Pro­jekt auch durch­zu­zie­hen“, sag­te Kö­nig.

Ei­ne Än­de­rung nahm das Gre­mi­um bei der Küh­lung der Bü­ro­räu­me so­wie des gro­ßen Sit­zungs­saa­les vor. Um Kos­ten zu spa­ren, war bis­her ge­plant, die Bü­ro­räu­me mit­tels der Fuß­bo­den­hei­zung durch Grund­was­ser zu küh­len. Auf ei­ne zen­tra­le Beund Ent­lüf­tungs­an­la­ge wur­de in den Bü­ros eben­falls aus Kos­ten­grün­den ver­zich­tet. Nach Über­le­gun­gen der Ge­mein­de und ei­ner Studie des Über­lin­ger Pla­nungs­bü­ros „Bau­phy­sik 5“sei bei 35 Grad Au­ßen­tem­pe­ra­tur ei­ne Küh­lung der Bü­ros nicht mehr mög­lich. Aus die­sem Grund ent­schied sich das Gre­mi­um nun für ein Heiz- und Kühl­de­cken-Sys­tem. Die­ses Sys­tem sol­le auch im gro­ßen Sit­zungs­saal für küh­le Luft sor­gen.

FO­TO: PR

Hell und freund­lich: So wie in die­ser Gra­fik könn­te es im Erd­ge­schoss des Rat­hau­ses aus­se­hen.

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