Mit Wär­me aus dem Bo­den­see hei­zen

Meers­burg Ther­me soll neue Heiz­an­la­ge be­kom­men – Neu­tra­les In­sti­tut soll EnBW-Plä­ne prü­fen

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Meersburg - Von Mar­ti­na Wol­ters

- Die Ther­me könn­te künf­tig per Nah­wär­me über Bo­den­see­was­ser ge­heizt wer­den. Ei­ne ent­spre­chen­de Mach­bar­keits­stu­die für ein 500 000 Eu­ro-Pro­jekt mit gro­ßer För­der­mög­lich­keit ha­ben Ri­co Go­ede, Bet­ti­na Ley und Chris­to­pher Back­fisch von der EnBW im Rats­saal vor­ge­stellt.

Die Ge­mein­de­rä­te wa­ren ein­hel­lig da­für, die ver­al­te­te Heiz­an­la­ge des Ther­mal­ba­des recht­zei­tig aus­zu­tau­schen. Die Idee auf nach­hal­ti­ge See­wär­me um­zu­stei­gen, ge­fiel uni­so­no. Sie be­auf­trag­ten des­halb die Ver­wal­tung da­mit, den EnBW-Vor­schlag durch die Kli­ma­schutz- und Ener­gie­agen­tur Ba­den-Würt­tem­berg (KEA) für 8000 Eu­ro über­prü­fen zu las­sen.

An­ge­dacht ist, den mit Gas be­feu­er­ten Brenn­wert­kes­sel der Ther­me durch ei­ne Wär­me­pum­pe zu er­set­zen. Der Bo­den­see soll da­bei als Ener­gie­quel­le die­nen und so der Wär­me­be­darf des Ba­des ge­deckt wer­den. Mit Hil­fe der Pum­pe könn­ten laut Vor­trag 600 Ki­lo­watt Heiz­leis­tung er­reicht wer­den. Das ent­nom­me­ne See­was­ser wird ge­mäß An­for­de­rungs­pro­fil wäh­rend des Vor­gangs um rund zwei Kel­vin her­un­ter­ge­kühlt.

Der­zeit wird nach An­ga­ben der EnBW-Mit­ar­bei­ter in rund 20 An­la­gen Wär­me aus dem Bo­den­see ge­nutzt. Die meis­ten be­fin­den sich in der Schweiz. Aber auch das Fried­richs­ha­fe­ner Graf-Zep­pe­lin-Haus kühlt und heizt auf die­se Art so­wie die Uni Kon­stanz, wo See­was­ser zur Küh­lung der Bi­b­lio­thek her­an­ge­zo­gen wer­de.

Die vor­ge­stell­te Pro­jekt­idee ori­en­tiert sich an dem im Jahr 2014 ver­ab­schie­de­ten Kli­ma­schutz­kon­zept Ba­den-Würt­tem­bergs und dem Wunsch von Land­kreis­sei­te die Wär­me­wen­de im Bo­den­see­kreis noch ef­fi­zi­en­ter zu ge­stal­ten, un­ter­strich Pro­jekt­lei­ter Ri­co Go­ede. Im Zu­ge der Kli­ma­er­wär­mung wer­de sich die Ober­flä­chen­tem­pe­ra­tur um 2,6 Grad er­hö­hen, pro­gnos­ti­zier­te er. Ei­ne Was­ser­ab­küh­lung sei al­so eher von Vor­teil. Au­ßer­dem sei Meers­burg durch sei­ne Steil­la­ge prä­des­ti­niert, weil kei­ne lan­gen Rohr­lei­tun­gen bis zur Ein­lei­tungs­tie­fe von 20 Me­tern ver­legt wer­den müss­ten, so Ley.

Quer durch al­le Frak­tio­nen herrsch­te Zu­stim­mung, Phil­ipp Wurs­ter (FWV) frag­te sich nur: „War­um erst jetzt?“Wie Frak­ti­ons­kol­le­ge Hein­rich Frey und Ul­ri­ke Wir­batz (SPD) er­kun­dig­te er sich nach den Ri­si­ken. „Das größ­te Ri­si­ko wä­re, wenn wir kei­ne För­de­rung be­kom­men“, mein­te Ley. Doch selbst dann wer­de die jähr­li­che Ein­spa­rung noch bei 3000 Eu­ro lie­gen, nahm sie an. Ihr Kol­le­ge Chris­to­pher Back­fisch un­ter­strich, sie sei­en ex­tra von „sehr kon­ser­va­ti­ven Wer­ten“aus­ge­gan­gen, um nö­ti­gen Puf­fer zu ha­ben. Auf Nach­fra­gen von Mar­tin Brug­ger (CDU) er­läu­ter­te er, die Maß­nah­men könn­ten an zwei Stel­len im Ther­me­be­reich „oh­ne grö­ße­res Ge­rät“durch­ge­führt wer­den. Der Ba­de­be­trieb wer­de nicht tan­giert, be­kam Mo­ni­ka Bie­mann (Um­welt­grup­pe) zur Ant­wort. Bür­ger­meis­ter Ro­bert Sche­rer be­für­wor­te­te die neue Tech­no­lo­gie und lob­te die fun­dier­te Studie wie das po­ten­zi­el­le Al­lein­stel­lungs­merk­mal der Ther­me.

FO­TO: WOL­TERS

Rund 20 An­la­gen rund um den Bo­den­see nut­zen be­reits die Wär­me aus dem Bo­den­see. Die Meers­burg Ther­me könn­te bald da­zu­ge­hö­ren.

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