Ge­mein­de sieht ReKo-Mit­glied­schaft als Ab­si­che­rung

Öko­punk­te sol­len in ers­ter Li­nie aus Pro­jek­ten in­ner­halb von Ber­ma­tin­gen kom­men

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Bermatingen/überlingen - Von El­ke Ober­län­der

- Wenn die Öko­punk­te aus der ei­ge­nen Ge­mein­de für ge­plan­te Bau­vor­ha­ben nicht aus­rei­chen, kann Ber­ma­tin­gen künf­tig auf den Re­gio­na­len Kom­pen­sa­ti­ons­pool Bo­den­see-Ober­schwa­ben (ReKo) zu­rück­grei­fen. Der Ge­mein­de­rat hat am Di­ens­tag be­schlos­sen, Mit­glied der Ein­kaufs­ge­sell­schaft für Öko­punk­te zu wer­den. Vor­rang sol­len je­doch Aus­gleichs­maß­nah­men auf dem ei­ge­nen Ge­mein­de­ge­biet ha­ben.

„Es gibt Kom­mu­nen, die kön­nen kei­ne Bau­ge­bie­te aus­wei­sen, weil sie kei­ne Aus­gleichs­flä­chen, al­so auch kei­ne Öko­punk­te, hin­krie­gen“, sag­te Wil­fried Fran­ke in der Rats­sit­zung. Der Di­rek­tor des Re­gio­nal­ver­bands Bo­den­see-Ober­schwa­ben ist zu­gleich Ge­schäfts­füh­rer der ReKo Gm­bH. Er warn­te die Rä­te: „Der Markt für Öko­punk­te wird im­mer en­ger – denn Flä­che ist nicht ver­mehr­bar.“Fran­ke sieht die Ge­fahr, dass Kom­mu­nen sich auf der Jagd nach Öko­punk­ten ge­gen­sei­tig Kon­kur­renz ma­chen.

2015, in ih­rem ers­ten Ge­schäfts­jahr, hat die ReKo 1,2 Mil­lio­nen Öko­punk­te ein­ge­kauft, be­rich­te­te der Ge­schäfts­füh­rer. 2016 wa­ren es be­reits über zwei Mil­lio­nen Öko­punk­te. Und in die­sem Jahr sind es schon jetzt über drei Mil­lio­nen. Die ReKo kauft nach Fran­kes An­ga­ben be­vor­zugt Öko­punk­te aus der Re­na­tu­rie­rung von Moo­ren. Oder aus Flä­chen wie sump­fi­gen Wie­sen, die sich nicht gut für die Land­wirt­schaft eig­nen. Die Grund­stü­cke ge­hö­ren oft Ne­ben­er­werbs­land­wir­ten oder gro­ßen Adels­häu­sern, sag­te der Ge­schäfts­füh­rer.

Der Preis für Öko­punk­te be­ru­he vor al­lem auf An­ge­bot und Nach­fra­ge. Ei­ne gro­ße Rol­le spie­le auch der nö­ti­ge Auf­wand auf der Flä­che: Streu­obst­wie­sen brin­gen teu­re Öko­punk­te, er­klär­te Fran­ke, weil sie nicht nur an­ge­legt, son­dern auch dau­er­haft ge­pflegt wer­den müs­sen. Im Moor da­ge­gen wer­de nur ein­mal re­na­tu­riert. „Den Rest macht die Na­tur selbst.“Die güns­tigs­ten Öko­punk­te gibt es nach Fran­kes Er­fah­rung dort, wo Bi­ber die Land­schaft um­ge­stal­ten. „Denn der Bi­ber schickt kei­ne Rech­nung.“

Der Bei­tritt zur ReKo kos­tet die Ge­mein­de Ber­ma­tin­gen 32 116 Eu­ro: 291 Eu­ro für das Stamm­ka­pi­tal, 6299 Eu­ro für die Ka­pi­tal­rück­la­ge und 25 526 Eu­ro für die Ka­pi­tal­aus­stat­tung. „Der Be­trag ist über­schau­bar“, sag­te Bür­ger­meis­ter Mar­tin Rupp. Und da­für müs­se die Ge­mein­de nicht auf nö­ti­ge Bau­vor­ha­ben ver­zich­ten, wenn es mit der Auf­wer­tung von Flä­chen und der An­rech­nung der Öko­punk­te ein­mal nicht schnell ge­nug ge­he. Die Mit­glied­schaft zählt für ihn zur „Da­seins­vor­sor­ge“.

Auch Ge­mein­de­rat Wolf­ram Frei fän­de es un­sin­nig, sich „we­gen 30 000 Eu­ro in die Bre­douil­le zu brin­gen.“„Wir müs­sen mit­ma­chen“, sag­te auch sein Rats­kol­le­ge Karl Volz. Ge­gen die Mit­glied­schaft in der ReKo hat sich An­drée Störk aus­ge­spro­chen. Ca­ro­la Mah­ler hat sich ent­hal­ten. Al­le Rä­te wa­ren sich ei­nig, dass sie die ReKo nur als „Rück­ver­si­che­rung“be­trach­ten. Be­vor­zugt wol­len sie Öko­punk­te aus der ei­ge­nen Ge­mein­de ge­win­nen. Da­für ha­ben die Rä­te beim Pla­nungs­bü­ro Sen­ner in Über­lin­gen be­reits ei­nen Maß­nah­men­ka­ta­log in Auf­trag ge­ge­ben. Die ers­te Maß­nah­me soll die na­tur­na­he Gestal­tung des Mühl­ka­nals in Ahau­sen sein.

Zur ReKo ha­ben sich 2014 ins­ge­samt 14 Kom­mu­nen, die Land­krei­se Ra­vens­burg und Bo­den­see­kreis so­wie der Re­gio­nal­ver­band Bo­den­seeOber­schwa­ben zu­sam­men­ge­schlos­sen. Der­zeit wol­len sich über 30 wei­te­re Kom­mu­nen der ReKo an­schlie­ßen. Das Mo­dell ist nach Fran­kes An­ga­ben bun­des­weit ein­zig­ar­tig.

FO­TO: ELO

Öko­punk­te soll der Ge­mein­de Ber­ma­tin­gen zum Bei­spiel ein na­tur­na­her Mühl­ka­nal in Ahau­sen brin­gen – die ReKo soll nur im Not­fall aus­hel­fen.

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