So kann In­te­gra­ti­on ge­lin­gen

Beim Werk­statt­ge­spräch sam­meln Flücht­lin­ge und En­ga­gier­te ge­mein­sam Ide­en

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Markdorf -

(mw) - Wie ge­lun­ge­ne In­te­gra­ti­on von ge­flüch­te­ten Men­schen funk­tio­nie­ren kann, das ha­ben die Teil­neh­mer des ers­ten Werk­statt­ge­sprächs am Mitt­woch­abend in der Stadt­hal­le dis­ku­tiert. Un­ter Lei­tung der Flücht­lings­be­auf­trag­ten, Michae­la Fun­ke, und mo­de­riert von Di­plom­psy­cho­lo­gin Irm­gard Tes­ke er­ar­bei­te­ten rund 40 In­ter­es­sier­te kon­kre­te Pro­jekt­ide­en des ge­gen­sei­ti­gen Von­ein­an­derLer­nens.

Eif­rig wur­den die Ide­en an den ein­zel­nen Ti­schen auf­ge­schrie­ben. Die meis­ten Teil­neh­mer hat­ten schon Be­rüh­rung mit der Flücht­lings­ar­beit. Man­che sind im Freun­des­kreis Flucht und Asyl en­ga­giert, ei­ni­ge agie­ren spo­ra­disch, hel­fen bei Be­hör­den­gän­gen und Arzt­be­su­chen oder beim Fahr­rad re­pa­rie­ren. Auch ei­ni­ge Flücht­lin­ge wa­ren da­bei und er­zähl­ten, was sie be­wegt und in­ter­es­siert.

Der mehr­fa­che Fa­mi­li­en­va­ter Mu­ham­mad Ha­bi­bi aus Af­gha­nis­tan, bei­spiels­wei­se, sah den Schlüs­sel in der Spra­che. Weil er tags­über und oft auch am Wo­che­n­en­de ar­bei­tet, wünsch­te er sich ei­nen Deutsch­kurs am Abend. An­de­re Wün­sche von Flücht­lings­sei­te dreh­ten sich um Hand­ar­bei­ten oder sport­li­che Be­tä­ti­gung. Auch Pro­ble­me wur­den an­ge­spro­chen: Zum Bei­spiel be­rich­te­te die Leim­ba­cher Grund­schul­rek­to­rin Ju­lie Adam von feh­len­den Kon­tak­ten zu den El­tern der bei ihr un­ter­rich­te­ten Flücht­lings­kin­der. Ei­ne bes­se­re Ver­net­zung auch mit den pro­fes­sio­nell Be­treu­en­den wä­re hilf­reich, meint die Schul­lei­te­rin. Gleich­zei­tig lob­te sie die Kin­der, die äu­ßerst lern­wil­lig sei­en. Gern wür­de Adam die El­tern mit ins Boot ho­len. Ger­ne hör­te sie beim Vor­stel­len der ein­zel­nen Ar­beits­grup­pen, dass das auch im Sin­ne der ge­flüch­te­ten Men­schen sei. Über­haupt konn­te sich das Grup­pen­ar­beits­re­sul­tat nach gut zwei­stün­di­gen Ge­sprä­chen se­hen las­sen. Es reich­te von An­ge­bo­ten zur Fa­mi­li­en­pla­nung, zum Ken­nen­ler­nen von Struk­tu­ren in Deutsch­land im Ban­ko­der Bil­dungs­we­sen, bis hin zum Aus­tausch für Ju­gend­li­che bei ein­wö­chi­gen Prak­ti­ka.

Von al­len Grup­pen wur­de ein ge­mein­sa­mes Gar­ten­pro­jekt an­ge­regt. Hel­fer­kreis-Ko­or­di­na­tor Rein­hard Ne­de­la stell­te sich ein Grund­stück vor, das von der Stadt zur Ver­fü­gung ge­stellt und ge­mein­sam be­stellt wird. Ei­nes, auf dem auch zu­sam­men ge­kocht und ge­fei­ert wer­den kön­ne. Das eben­falls von al­len ge­nann­te Mit­ein­an­der-Spa­zie­ren-Ge­hen sei be­reits für Sep­tem­ber als Ak­ti­on ge­plant, sag­te Teil­neh­me­rin Do­ro­thea Ro­gal­la. Auch im Be­reich Sport und Be­we­gung tue sich schon et­was, wie der ehe­ma­li­ge Sport­ver­eins­lei­ter, Kurt Ro­gal­la, be­rich­te­te. Er sei der neue Sport­mitt­ler und als sol­cher An­sprech­part­ner, um Ge­flüch­te­te in Kon­takt mit Sport­ver­ei­ni­gun­gen zu brin­gen.

Die Or­ga­ni­sa­to­ren nebst Hel­fer­krei­sin­itia­to­rin Ste­pha­nie Sand­küh­ler zeig­ten sich „be­geis­tert“von den vie­len Ide­en. „Die Pro­jek­t­an­re­gun­gen sind teil­wei­se ganz leicht um­zu­set­zen“, mein­te Michae­la Fun­ke. Für Irm­gard Tes­ke sei die In­te­gra­ti­ons­ar­beit ei­ne „ge­samt­ge­sell­schaft­li­che Auf­ga­be, die durch Be­geg­nung neue Hei­mat schafft und Straf­fäl­lig­keit ver­hin­dert.

FO­TO: WOLTERS

Im Ge­spräch su­chen Teil­neh­mer des Werk­statt­ge­sprächs nach kon­kret um­setz­ba­ren Mög­lich­kei­ten der In­te­gra­ti­on ge­flo­he­ner Men­schen (von links): Mar­tin Bel­zer, Gre­tel Schwa­de­rer, Micha­el Witt, Wil­helm Zieg­ler, Mu­ham­mad Ha­bi­bi, Cor­ne­lia Achil­les und Michae­la Zu­rell.

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