La­bour­eur und Su­de sind plötz­lich Fa­vo­rit

Beach­vol­ley­ball: Das Duo aus Deutsch­land gilt bei der WM in Wi­en als hei­ßer Me­dail­len­kan­di­dat

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Lokalsport - Von Tom Bloch

- Sie ha­ben sich in die­ser Sai­son von Welt­rang­lis­ten­platz fünf Schritt für Schritt auf Platz zwei vor­ge­ar­bei­tet und spä­tes­tens nach der Gold­me­dail­le beim Ma­jorTur­nier im schwei­ze­ri­schen Gstaad vor drei Wo­chen gilt das Fried­richs­ha­fe­ner Beach­vol­ley­ball-Duo Chan­tal La­bour­eur/Ju­lia Su­de in der Fach­welt als hei­ßer Me­dail­len­kan­di­dat bei den am Frei­tag, 28. Ju­li, in Wi­en be­gin­nen­den Welt­meis­ter­schaf­ten.

Die­se Ent­wick­lung ist ir­gend­wie dann doch auch dem Deut­schen Vol­ley­ball-Ver­band auf­ge­fal­len, und ver­gan­ge­ne Wo­che wur­den die bei­den Spit­zen­ath­le­tin­nen zum ers­ten Mal of­fi­zi­ell als Na­tio­nal­team no­mi­niert, ob­wohl die bei­den be­reits seit vier Jah­ren ge­mein­sam re­gel­mä­ßig in den Top-Ten auf der World Tour des Welt­ver­ban­des FIVB, der höchs­ten Se­rie im Beach­vol­ley­ball, zu fin­den sind. „Wir sind Zwei­te der Welt, egal wie das mit den an­de­ren deut­schen Teams ge­ra­de läuft. Das ist für uns ein Me­ga-Er­folg. Mo­men­tan ha­ben wir nur ei­ne Mann­schaft vor uns, und die wol­len wir auch noch ein­ho­len“, sagt Ju­lia Su­de forsch und „ih­re Som­mer­spros­sen fun­keln“un­ter ih­rer Schirm­müt­ze.

Über den bei­den thro­nen, mit der­zeit 840 Punk­ten Vor­sprung (ent­spricht grob et­wa zwei Tur­nier­sie­ge mehr), nur die star­ken Bra­si­lia­ne­rin­nen La­ris­sa Fran­ca/Ta­li­ta An­tu­nes, die bei Olym­pia in Rio de Janei­ro 2016 auf dem vier­ten Platz knapp das Po­di­um im Sand der Co­paca­ba­na ver­pass­ten.

Mit­ten auf dem Dorf­platz

Vor drei Wo­chen, im ma­gi­schen Beach­vol­ley­ball-Ort Gstaad auf über 1000 Me­tern Hö­he, rock­ten La­bour­eur/Su­de auf dem Cen­ter Court mit­ten auf dem Dorf­platz ei­nes der höchst­do­tier­ten Tur­nie­re der Sai­son. Mit ins­ge­samt sie­ben Sie­gen bei nur ei­nem win­zi­gen Satz­ver­lust schnapp­ten sie sich die Gold­me­dail­le so­wie die tra­di­tio­nell an die Ge­win­ner über­reich­te rie­si­ge Kuh­glo­cke. Mög­lich mach­ten dies zwei wich­ti­ge Sie­ge im Ver­lauf des Tur­niers – ge­gen zwei Geg­ner, die die Häf­le­rin­nen bis­lang noch nie schla­gen konn­ten. Ein­mal ge­ra­de ge­gen die Bra­si­lia­ne­rin­nen La­ris­sa/Ta­li­ta, die der­zeit die Welt­rang­lis­te an­füh­ren. Und ein­mal ge­gen das tsche­chi­sche Team Bar­bo­ra Her­man­no­va/ Mar­keta Slu­ko­va, als Welt­rang­lis­ten­fünf­te dem der­zei­ti­gen deut­schen Top-Team dicht auf den Fer­sen. „Ge­gen die Tsche­chin­nen ha­ben wir da­nach be­reits ei­nen wei­te­ren Sieg fei­ern kön­nen. La­ris­sa/Ta­li­ta ha­ben uns in­zwi­schen wie­der ge­schla­gen. Aber ich den­ke, wir wer­den bei der WM si­cher­lich wie­der auf­ein­an­der­tref­fen“, meint Chan­tal La­bour­eur und grinst schel­misch.

Die bei­den sind durch die äu­ßerst er­folg­rei­che Sai­son selbst­be­wusst ge­wor­den. Zu Recht. „Wir wa­ren lan­ge die Un­der­dogs, wir kom­men von ganz un­ten und sind im­mer ir­gend­wie un­ter­schätzt wor­den“, sagt Ju­lia Su­de. „Jetzt sind wir end­lich Na­tio­nal­team und das ist ei­ne gro­ße Eh­re für uns.“Doch der gro­ßen Eh­re folgt der Druck. Durch­aus liegt ei­ne spür­ba­re Er­war­tungs­hal­tung auf dem Team, vor al­lem weil die „Gol­den Girls“von Rio, Lau­ra Lud­wig und Ki­ra Wal­ken­horst, in die­ser Sai­son aus Krank­heits- und Ver­let­zungs­grün­den noch nicht an ih­re ge­wohn­te Form an­knüp­fen konn­ten.

Doch mit die­sem Druck ge­hen die bei­den Spie­le­rin­nen sehr gut um. „Wir wol­len erst ein­mal un­se­re Grup­pe ge­win­nen und dann wei­ter­kom­men. Und ab dem Vier­tel­fi­na­le ist ein­fach al­les mög­lich“, sagt Chan­tal La­bour­eur, die sich vor Ort auf der Do­nau­in­sel im ei­gens er­bau­ten, 10 000 Zu­schau­er fas­sen­den Sta­di­on, über ei­nen gro­ßen Rück­halt freu­en kann. „Mei­ne Mut­ter ist Ös­ter­rei­che­rin, kommt aus Ost­ti­rol und hat sechs Ge­schwis­ter. Die kom­men al­le. Wir wer­den al­so un­se­ren ei­ge­nen Fan­club ha­ben“, sagt Chan­tal La­bour­eur und Ju­lia Su­de er­gänzt. „Ja, wir sind mit der gan­zen Ba­ga­ge da. Auch von mei­ner Fa­mi­lie und Freun­den kom­men vie­le.“

Seit No­vem­ber trai­nie­ren sie un­ter dem Bra­si­lia­ner Ri­car­do „Ven­to“Br­u­na­le de And­ra­de, der die Kon­zen­tra­ti­on hoch hält. „Im Ge­gen­satz zur World Tour ken­nen wir vor­ab un­se­re Pool-Geg­ner und kön­nen uns auf die­se vor­be­rei­ten. Wir ar­bei­ten hart“, sagt der Trai­ner, der gro­ße Stü­cke auf sein Team hält. „Die Che­mie zwi­schen den bei­den ist fan­tas­tisch. Ver­schie­de­ne Cha­rak­te­re, die doch per­fekt har­mo­nie­ren. Das ist ge­nau das rich­ti­ge Re­zept“, lobt er.

Ja, auch mit Che­mie ken­nen La­bour­eur/Su­de sich in­zwi­schen aus. Nach der Gold­me­dail­le von Gstaad färb­ten sie ih­rem Trai­ner, der da­mit ei­ne Wett­schuld ein­lös­te, die Haa­re gold­far­ben. „Bei sei­nem dunk­len Schopf war das aber nach der Su­per­markt-Pa­ckung kaum zu se­hen. Beim nächs­ten Gold ge­hen wir mit ihm zum Fri­seur“, sagt Ju­lia Su­de. Ein Wie­ner Haar­stu­dio könn­te al­so am End­spiel­wo­chen­en­de sein blau­es Wun­der er­le­ben. Denn „Blau“ist die Far­be, die Coach Ven­to vor Zeu­gen beim Ge­winn der nächs­ten Gold­me­dail­le für sei­nen neu­en Look aus­er­ko­ren hat.

FO­TO: TOM BLOCH

Ju­lia Su­de (links) und Chan­tal La­bour­eur ge­hen nach den gu­ten Er­geb­nis­sen in der lau­fen­den Sai­son (im Bild der Sieg in Gstaad) op­ti­mis­tisch an den Start der Beach­vol­ley­ball-WM in Wi­en.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.