Prä­si­dent Ma­du­ro spielt in Ve­ne­zue­la sei­ne letz­te Kar­te

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Meinung & Dialog -

Wenn sich der 54-Jäh­ri­ge mit sei­ner „Asam­blea Na­cio­nal Con­sti­tuy­en­te (ANC) durch­setzt, wür­de sich der in wei­ten Tei­len der Be­völ­ke­rung un­be­lieb­te Staats­chef sei­ner Geg­ner ent­le­di­gen. Di­os­da­do Ca­bel­lo, Vi­ze­prä­si­dent der Re­gie­rungs­par­tei PSUV und ne­ben Ma­du­ro der zwei­te Hard­li­ner, lässt kei­nen Zwei­fel auf­kom­men: „Die Con­sti­tuy­en­te wird das Par­la­ment ab­schaf­fen, die Im­mu­ni­tät sei­ner Mit­glie­der auf­he­ben, die Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaft auf den Kopf stel­len und die Re­gie­rungs­in­sti­tu­tio­nen hin­ter Ma­du­ro ver­sam­meln.“Mit an­de­ren Wor­ten: die Re­pu­blik wird ab­ge­schafft und ei­ne Ein­par­tei­en-Re­gie­rung mit ab­hän­gi­gen Ge­wal­ten ze­men­tiert. Ve­ne­zue­la wä­re dann das, was die bür­ger­li­che Op­po­si­ti­on schon lan­ge be­fürch­tet: ei­ne Ko­pie Ku­bas.

Die po­li­ti­sche Op­po­si­ti­on, die sich in dem zer­strit­te­nen Bünd­nis MUD sam­melt, spricht von „Be­trug“am ve­ne­zo­la­ni­schen Volk; De­mo­kra­tie wer­de ge­gen Dik­ta­tur ge­tauscht. Ein land­wei­ter Pro­test­marsch am Frei­tag soll­te den Druck auf Ma­du­ro er­hö­hen, da­mit er von dem Vor­ha­ben Ab­stand nimmt. Aber die Re­gie­rung ließ als Ant­wort al­le Pro­tes­te im Land bis Di­ens­tag ver­bie­ten.

66,5 Pro­zent leh­nen die Plä­ne ab

Der un­ter Haus­ar­rest ste­hen­de Op­po­si­ti­ons­füh­rer Leo­pol­do López hat­te die Ve­ne­zo­la­ner da­zu auf­ge­ru­fen, in den fried­li­chen Pro­tes­ten nicht nach­zu­las­sen, „bis Frei­heit, De­mo­kra­tie und Frie­den“er­reicht sei­en. Die USA dro­hen mit „har­ten und ra­schen“Sank­tio­nen, für den Fall, dass Ma­du­ro am Sonn­tag die Ver­samm­lung wäh­len lässt. Wa­shing­ton ver­häng­te Straf­maß­nah­men ge­gen 13 Funk­tio­nä­re der Re­gie­rung, des Mi­li­tärs und des Erd­öl­kon­zerns PDVSA. Die EU-Au­ßen­be­auf­trag­te Fe­de­ri­ca Mo­g­her­i­ni kri­ti­sier­te, die ver­fas­sungs­ge­ben­de Ver­samm­lung ber­ge die Ge­fahr, Ve­ne­zue­la noch mehr zu po­la­ri­sie­ren. Mo­g­her­i­ni for­der­te, die Ge­wal­ten­tei­lung zu re­spek­tie­ren, die po­li­ti­schen Ge­fan­ge­nen frei­zu­las­sen und Hil­fe für die not­lei­den­de Be­völ­ke­rung zu­zu­las­sen. Nach ei­ner Um­fra­ge des In­sti­tuts Da­ta­ná­li­sis leh­nen 66,5 Pro­zent der Ve­ne­zo­la­ner die Re­gie­rungs­plä­ne ab.

Die MUD ver­sucht, ei­ge­ne staat­li­che Struk­tu­ren zu schaf­fen. Sie hat ei­ne „Re­gie­rung der Na­tio­na­len Ein­heit“ein­be­ru­fen und durch das op­po­si­tio­nel­le Par­la­ment ei­ge­ne Rich­ter für das Obers­te Ge­richt TSJ be­nannt, von de­nen drei aber von der Re­gie­rung fest­ge­nom­men wur­den. „In Ve­ne­zue­la gibt es zwei par­al­le­le Staa­ten, in dem kei­ne Sei­te die an­de­re re­spek­tiert“, sagt Phil Gun­son vom Thinktank In­ter­na­tio­nal Cri­sis Group. Es droh­ten „Bür­ger­krieg, Re­gie­rungs­kol­laps“und die Zah­lungs­un­fä­hig­keit.

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