Auf Du und Du mit dem Pu­bli­kum

Open-Air-Kon­zert mit Ro­lan­do Vil­la­zón und Pu­me­za Mats­hiki­za beim Schloss Sa­lem

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Salem - Von Wer­ner M. Grim­mel

- „Som­mer­nachts­mu­sik“hieß das Mot­to ei­ner Open-Air-Ver­an­stal­tung mit dem me­xi­ka­ni­schen Star-Te­nor Ro­lan­do Vil­la­zón im reiz­vol­len Sa­le­mer Schloss­hof mit sei­ner land­schaft­lich be­zau­bern­den Um­ge­bung. Ein im ver­gan­ge­nen Som­mer ge­plan­ter Auf­tritt des Sän­gers war we­gen Er­kran­kung ab­ge­sagt wor­den. Zum Nach­hol­kon­zert mit der Süd­west­deut­schen Phil­har­mo­nie Kon­stanz und dem jun­gen bri­ti­schen Di­ri­gen­ten Dun­can Ward brach­te Vil­la­zón nun die süd­afri­ka­ni­sche So­pra­nis­tin Pu­me­za Mats­hiki­za mit.

Für das Pu­bli­kum war in je­der Hin­sicht ge­sorgt. Groß­zü­gi­ge Park­mög­lich­kei­ten in un­mit­tel­ba­rer Nä­he zur ba­ro­cken Klos­ter­an­la­ge ma­chen den Be­such der Sa­le­mer Frei­luft-Events eben­so an­ge­nehm wie Ge­trän­ke­stän­de und Im­biss­bu­den rund um den be­stuhl­ten Schloss­hof. Auch an die­sem Abend gab es ein brei­tes An­ge­bot für das leib­li­che Wohl. Ei­ne stim­mungs­vol­le Ku­lis­se bo­ten die his­to­ri­schen Ge­bäu­de­fron­ten und ho­hen Park­bäu­me rings­um. Von al­len Plät­zen hat­te man gu­te Sicht auf die über­dach­te Büh­ne.

In­mit­ten des Pu­bli­kums wach­te das Denk­mal für Prinz Wil­helm von Ba­den über den Platz. Sei­ne mark­gräf­li­chen Vor­fah­ren ha­ben nach der Sä­ku­la­ri­sa­ti­on das äl­tes­te Zis­ter­zi­en­ser­klos­ter am Bo­den­see über­nom­men. Erst 2009 wur­de der über­wie­gen­de Teil des An­we­sens an das Land Ba­den-Würt­tem­berg ver­kauft. Dies konn­te man dem Pro­gramm­heft ent­neh­men, das auch ei­ne ziem­lich be­lie­bi­ge Auf­lis­tung his­to­ri­scher Er­eig­nis­se zum The­ma „Mu­sik im Kon­text der Epo­che“ent­hielt.

Wäh­rend sich noch die Stuhl­rei­hen un­ter frei­em Him­mel lang­sam füll­ten, schau­te so man­cher Be­su­cher be­sorgt nach oben, wo im­mer dich­te Re­gen­wol­ken auf­zo­gen. Ei­ne St­un­de vor Be­ginn fie­len dann die ers­ten Trop­fen. Schutz­klei­dung wur­de aus Ta­schen ge­kramt und über­ge­streift, Schir­me wur­den auf­ge­spannt, Sitz­kis­sen aus­ge­packt und Stüh­le tro­cken ge­wischt. Un­ter Bäu­men sam­mel­ten sich Men­schen­trau­ben. Doch nach kur­zem, fer­nem Don­ner­grol­len hör­te der Nie­sel­re­gen recht­zei­tig wie­der auf.

Mit Fer­di­nand Hé­rolds schmis­si­ger „Zam­pa“-Ou­ver­tü­re stimm­te das Orches­ter ge­büh­rend auf den Abend ein. Vil­la­zón er­wies sich vom ers­ten Mo­ment an auch als mo­de­rie­ren­der Witz­bold, wie man ihn aus Fern­seh­über­tra­gun­gen von der Ver­lei­hung der Echo-Klas­sik-Prei­se kennt. Schalk­haft trat er an die Ram­pe und hielt die Hand ins Freie, um zu prü­fen, ob es noch reg­ne. Noch be­vor er ei­nen Ton sang, ani­mier­te er das Pu­bli­kum in sei­nem un­ter­halt­sa­men Plau­der­ton und ge­bro­che­nem Deutsch zu Feed­back. In Me­xi­ko lie­be man Fi­es­tas, ver­riet der be­gna­de­te En­ter­tai­ner. Au­ßer­dem ge­be es dort viel Re­gen und viel Aber­glau­ben. Um beim Fei­ern tro­cken zu blei­ben, sto­ße man zur Be­sänf­ti­gung des Re­gen­got­tes ein Mes­ser in den Bo­den. Um­ge­hend zog der Spaß­vo­gel ein sol­ches aus sei­nem Frack, reich­te es hin­un­ter zum Pu­bli­kum und füg­te an: „Wenn es nicht hilft, spie­len wir so schnell, dass wir in ei­ner hal­ben St­un­de wie­der weg sind!“Tat­säch­lich hielt das Wet­ter, auch wenn es ei­ne eher küh­le Som­mer­nacht wur­de.

Mit ei­ner Arie aus Ju­les Mas­se­nets „Le Cid“de­mons­trier­te Vil­la­zón sei­ne phä­no­me­na­le Stimm­be­herr­schung. Ihm ge­nügt blo­ßer Ge­sang, um sei­ne Hö­rer zu be­tö­ren. Pu­me­za Mats­hiki­za ließ mit be­rüh­ren­dem Tim­bre die Fi­gur der Mi­cae­la aus Bi­zets „Car­men“le­ben­dig wer­den. Ihr Auf­tritt im blass­li­la­far­be­nen Abend­kleid wur­de be­ju­belt. Wäh­rend sich all­mäh­lich die Däm­me­rung be­gab, folg­ten wei­te­re Ari­en und Du­et­te.

Ein ver­söhn­lich ze­le­brier­tes In­ter­mez­zo aus Puc­ci­nis „Ma­non Le­scaut“ver­jag­te al­le All­tags­sor­gen. Vil­la­zón er­hielt Bra­vo­ru­fe für ei­ne Arie aus Gi­u­sep­pe Ver­dis „Cor­sa­ro“und be­son­ders für sei­nen lan­ge ge­hal­te­nen Schluss­ton. Mats­hiki­za be­schwor mit dem „Lied an den Mond“aus Dvor­áks „Ru­sal­ka“zu­min­dest mu­si­ka­lisch ei­ne war­me Som­mer­nacht. Be­geis­te­rung lös­te das wal­zer­se­li­ge Du­ett „Lip­pen schwei­gen“aus Lehárs „Lus­ti­ger Wit­we“aus.

Im zwei­ten Teil des Pro­gramms er­klan­gen Stü­cke aus spa­ni­schen Zar­zue­las und ame­ri­ka­ni­schen Mu­si­cals. Bei ei­ner Ra­vel-Arie und Gershwins „Sum­mer­ti­me“lief Mats­hiki­za zu gro­ßer Form auf. Das Du­ett „To­night, to­night“aus Bern­steins „West Si­de Sto­ry“soll­te den Ab­schied mar­kie­ren, doch das to­ben­de Pu­bli­kum er­klatsch­te sich das Trink­lied aus Ver­dis „Tra­viata“, ei­ne su­per­lang­sa­me Wie­der­ho­lung von „Lip­pen schwei­gen“und am En­de ei­ne Hom­mage an die süd­afri­ka­ni­sche Sän­ge­rin Mi­ri­am Ma­ke­ba als Zu­ga­ben.

FO­TO: HEIN­RICH

Ro­lan­do Vil­la­zón und Pu­me­za Mats­hiki­za (links) ste­hen im Sa­le­mer Schloss vor rund 1700 Be­su­chern.

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