„Der ko­sche­re Knig­ge“

Jü­di­sche Kul­tur­wo­chen sind zwar vor­bei, ge­hen in 2018 aber in die zwei­te Run­de

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Meersburg/uhldingen-mühlhofen -

(mw) - Die Jü­di­schen Kul­tur­wo­chen sind am Don­ners­tag­abend mit ei­ner iro­ni­schen und über­aus pra­xis­na­hen Le­sung zu En­de ge­gan­gen. Im über­vol­len Le­se­saal der Ju­fa ge­nos­sen die An­we­sen­den die spitz­fin­di­gen Le­bens­weis­hei­ten von Au­tor Micha­el Wu­li­ger zum rich­ti­gen Um­gang mit Ju­den.

Wer den amü­san­ten Abend ver­passt hat, darf sich freu­en, der frü­he­re Feuille­ton­re­dak­teur der „Jü­di­schen All­ge­mei­nen“kommt wie­der. Denn die see­über­grei­fen­de Ver­an­stal­tungs­rei­he soll im kom­men­den Jahr ei­ne zwei­te und grö­ße­re Auf­la­ge er­fah­ren.

Wie schaf­fen es Ju­den und Nich­tJu­den un­be­fan­gen mit­ein­an­der um­zu­ge­hen? Micha­el Wu­li­gers amü­san­ten In­si­der­tipps aus sei­nem 2009 er­schie­ne­nen „ko­sche­ren Knig­ge“las­sen nur ei­ne Schluss­fol­ge­rung zu: Am bes­ten funk­tio­niert das Mit­ein­an­der jen­seits al­ler Scha­blo­nen. Die Le­se­pro­ben des Re­dak­teurs räum­ten mit Vor­ur­tei­len vom jü­di­schen Bart­und Schlä­fen­lo­cken­trä­ger auf, der un­ent­wegt in der Sy­nago­ge be­tet und aus­schließ­lich ko­sche­re Spei­sen zu sich nimmt. Wu­li­ger wuss­te als Ju­de wo­von er spricht. Sei­ne hu­mor­vol­len An­ek­do­ten zum eher „se­mi-ko­sche­ren“ Le­bens­stil brach­ten sei­ne Zu­hö­rer zum La­chen und lie­ßen auf bei­den Sei­ten den Men­schen her­vor­blit­zen.

Mit Blick auf das neu ent­ste­hen­de Sy­nago­gen­ge­bäu­de in Kon­stanz las er bei­spiels­wei­se ei­nen Part über ei­ne fik­ti­ve Sy­nago­ge­ner­öff­nung mit gro­ßem Tam­tam, Stra­ßen­sper­ren und Mi­nis­ter­be­such. „Nie wie­der wird die Sy­nago­ge so voll sein“, hör­ten sei­ne äu­ßerst ver­gnüg­ten Be­su­cher die Par­al­le­len zu Got­tes­häu­sern an­de­rer Re­li­gio­nen.

Dass sein jü­di­scher Prot­ago­nist Blum­berg lie­ber Ab­ba hört als Klez­mer-Mu­sik und die Blum­bergs selbst nur un­gern ge­fill­te Fisch oder an­de­re tra­di­tio­nel­le Ge­rich­te ih­rer Glau­bens­brü­der kos­ten, trug zur Er­hei­te­rung bei, ließ die an­de­re Sei­te aber auch in ei­nem ganz neu­en Licht er­schei­nen.

Die Gäs­te der Le­sung ap­plau­dier­ten be­geis­tert und such­ten an­schlie­ßend mit Wu­li­ger das Ge­spräch. Der wird im kom­men­den Jahr un­ter an­de­rem wie­der da­bei sein, ver­riet Kul­tur­wo­chen-Initia­tor Micha­el Dörr, als Ge­schäfts­füh­rer der Is­rae­li­ti­schen Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft Ba­den und Vor­sit­zen­der des Meers­bur­ger Kul­tur­ver­eins. Die nächs­te Rei­he wer­de „we­sent­lich grö­ßer“und wer­de sich dann auch auf Fried­richs­ha­fen, Über­lin­gen, so­wie die Ost­schweiz und Vor­arl­berg aus­deh­nen, ver­sprach Dörr. Bür­ger­meis­ter Ro­bert Sche­rer freu­te sich schon dar­auf. Die Ak­ti­on sei ein „vol­ler Er­folg“, fand er und be­dank­te sich bei Dörr stell­ver­tre­tend für die Or­ga­ni­sa­ti­on. Dank für die städ­ti­sche Un­ter­stüt­zung brach­te Pe­ter Stie­fel als Vor­sit­zen­der der Sy­nago­gen­ge­mein­de Kon­stanz zum Aus­druck.

FO­TO: MAR­TI­NA WOLTERS

Au­tor Micha­el Wu­li­ger (ganz links) gibt In­si­der­tipps zum rich­ti­gen Mit­ein­an­der zwi­schen Ju­den und Deut­schen.

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