Für je­de Del­le gibt es das pas­sen­de Werk­zeug

Ha­gel­schä­den las­sen sich mit spe­zi­el­len Tech­ni­ken be­sei­ti­gen – Ak­ti­on der Würt­tem­ber­gi­schen Ver­si­che­rung

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Friedrichshafen - Von Chris­toph Dier­king

„Wer ei­ne Ga­ra­ge hat, soll­te sie nut­zen.“

Alex­an­der Keil

- Sie hin­ter­las­sen Spu­ren auf Au­to­dä­chern und Mo­tor­hau­ben: Ha­gel­schau­er, die den Bo­den­see­kreis in den ver­gan­ge­nen Wo­chen heim­ge­sucht ha­ben. Zahl­rei­che Fahr­zeu­ge sind be­trof­fen. Wie es ge­lingt, die är­ger­li­chen Del­len zu ent­fer­nen, er­klärt Alex­an­der Keil, Sach­ver­stän­di­ger bei der Würt­tem­ber­gi­schen Ver­si­che­rung. Das Un­ter­neh­men ver­an­stal­tet an Or­ten, wo es zu hef­ti­gen Nie­der­schlä­gen ge­kom­men ist, so­ge­nann­te Ha­gel­ak­tio­nen. Klar ist: Die Re­pa­ra­tur er­for­dert Kon­zen­tra­ti­on, viel Ge­duld und ein gu­tes Au­gen­maß.

Die Ha­gel­ak­ti­on fin­det in ei­ner Ga­ra­ge im Fried­richs­ha­fe­ner Ge­wer­be­ge­biet statt. „An den Del­len kann ich er­ken­nen, wo das Au­to ge­stan­den hat“, er­zählt Alex­an­der Keil. Vie­le Au­tos wür­den – ab­hän­gig von der Re­gi­on – ähn­li­che Schä­den auf­wei­sen. Die An­zahl der Ein­schlä­ge hän­ge von der In­ten­si­tät der Nie­der­schlä­ge ab. Manch­mal sei­en es 100, manch­mal an die 1000. Keil er­in­nert sich noch an ein Un­wet­ter in Ro­sen­heim. Da­mals sei­en faust­gro­ße Ha­gel­kör­ner vom Him­mel ge­fal­len. „Die Au­tos wa­ren voll­stän­dig zer­trüm­mert“, sagt er.

Vlad May­er be­sei­tigt die Ha­gel­schä­den. Je­den Tag küm­mert er sich un­ge­fähr um zehn Fahr­zeu­ge, ak­tu­ell steht ein schwar­zer Kom­bi in der Ga­ra­ge. Die Del­len las­sen sich nur un­ter be­stimm­ten Licht­ver­hält­nis­sen er­ken­nen. Da­mit er nichts über­sieht, muss er stän­dig den Blick­win­kel ver­än­dern. Sei­ne Hilfs­mit­tel: Schein­wer­fer, die er rechts und links ne­ben dem Fahr­zeug auf­ge­stellt hat. Das wei­ße Licht der Ne­on­röh­ren macht die Del­len sicht­bar. Au­ßer­dem greift er auf ei­nen ge­streif­ten Schirm zu­rück, der sich im Au­to­lack spie­gelt. Dort, wo die Li­ni­en bre­chen, be­fin­det sich ei­ne Del­le. „Und manch­mal wird auch das Ga­ra­gen­tor zum Hilfs­mit­tel“, er­zählt May­er. „Wenn die Son­ne un­güns­tig steht, las­se ich es hin­un­ter.“

Ei­sen­stan­gen und Stop­fen

Es er­for­dert viel Kon­zen­tra­ti­on und Ge­duld, die Del­len zu be­sei­ti­gen. Aber für May­er ist die Ar­beit zur Rou­ti­ne ge­wor­den. „Für je­de Del­le gibt es das pas­sen­de Werk­zeug“, sagt er. In sei­ner Werk­zeug­ta­sche lie­gen Ei­sen­stan­gen. Die Spit­zen ha­ben ver­schie­de­ne Be­schich­tun­gen und Grö­ßen. Um an die Un­ter­sei­te des Fahr­zeug­da­ches her­an­zu­kom­men, muss May­er die Heck­klap­pe und den Him­mel – das ist die De­cken­kon­struk­ti­on im In­nen­raum des Fahr­zeu­ges – ab­bau­en. An­schlie­ßend schiebt er ei­ne Ei­sen­stan­ge durch ei­nen Ring, den er am hin­te­ren Teil des Da­ches be­fes­tigt hat. Vor­sich­tig drückt er die Spit­ze von un­ten ge­gen das Au­to­dach, ge­nau an die Stel­le, die sich un­ter­halb ei­ner Del­le be­fin­det. So kann der Ha­gel­spe­zia­list die ur­sprüng­li­che Blech­struk­tur wie­der her­stel­len.

Del­len im Dach­rah­men las­sen sich mit die­ser Tech­nik nicht be­sei­ti­gen. Es gibt kei­ne Mög­lich­keit, die Ei­sen­stan­gen von der In­nen­sei­te ge­gen das Blech zu drü­cken. Des­halb greift May­er auf die so­ge­nann­te Kle­be­tech­nik zu­rück. Klei­ne Stop­fen in un­ter­schied­li­chen Far­ben und For­men kom­men zum Ein­satz. Ei­ni­ge er­in­nern an die Ke­gel aus dem Ge­sell­schafts­spiel „Mensch är­ge­re dich nicht“. „Auf die Stop­fen kommt ein win­zi­ger Trop­fen Kleb­stoff“, er­klärt May­er. Die­sen drückt er mit­tig auf die Del­le. Nach we­ni­gen Au­gen­bli­cken ist der Kleb­stoff tro­cken und er kann den Stop­fen mit ei­nem Zug­ge­wicht ab­schla­gen. Mit die­ser Me­tho­de ge­lingt es, das Blech wie­der in die rich­ti­ge Po­si­ti­on zu zie­hen. Kle­be­rück­stän­de ent­fernt May­er mit ei­nem Lö­sungs­mit­tel.

Was kön­nen Au­to­be­sit­zer tun, um ih­re Fahr­zeu­ge vor Ha­gel­kör­nern zu schüt­zen? „Wer ei­ne Ga­ra­ge hat, soll­te sie nut­zen“, sagt Keil. Nur so sei ein zu­ver­läs­si­ger Schutz ge­währ­leis­tet. Vie­le wür­den ihr Au­to ab­de­cken, al­ler­dings erst, wenn der Ha­gel­schau­er be­reits be­gon­nen hat. Dann sei es oft zu spät. Au­to­fah­rer, die un­ter­wegs in ei­nen Ha­gel­schau­er ge­ra­ten, könn­ten un­ter ei­ner Brü­cke oder ei­nem Tank­stel­len­dach ver­wei­len, wenn die Mög­lich­keit be­steht. „Oder man schafft sich ei­nen Old­ti­mer an“, fügt Keil mit ei­nem Au­gen­zwin­kern hin­zu. Frü­her hät­ten die Au­to­bau­er di­cke­res Blech ver­ar­bei­tet. Dem könn­ten die Ha­gel­kör­ner nichts an­ha­ben. Der Nach­teil: Das Ma­te­ri­al ist sehr schwer. Heu­te grei­fen vie­le Au­to­bau­er auf Alu­mi­ni­um zu­rück, um Ge­wicht ein­zu­spa­ren.

FO­TO: CHRIS­TOPH DIER­KING

Kon­zen­triert drückt Vlad May­er (rechts) die Spit­ze der Ei­sen­stan­ge von un­ten ge­gen das Dach. Alex­an­der Keil hält den ge­streif­ten Schirm, mit des­sen Hil­fe die Del­le sicht­bar wird.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.