„Es war rich­tig stres­sig, aber ein po­si­ti­ver Stress“

Meers­burgs Bür­ger­meis­ter Ro­bert Sche­rer zieht ein Re­sü­mee über sei­ne ers­ten Mo­na­te im Amt

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Meersburg - (lacht)

- Mit mehr als 70 Pro­zent ist Ro­bert Sche­rer im Ja­nu­ar zum Bür­ger­meis­ter von Meers­burg ge­wählt wor­den. Mitt­ler­wei­le ist er fast vier Mo­na­te im Amt. SZ-Re­dak­teu­rin Na­di­ne Sapot­nik hat mit ihm dar­über ge­spro­chen, wie die ers­te Zeit als Bür­ger­meis­ter für ihn ver­lau­fen ist und was er für die kom­men­den Mo­na­te plant.

Wir woll­ten uns ei­gent­lich schon frü­her für die­ses In­ter­view tref­fen, aber Sie muss­ten den Termin ver­schie­ben, weil Sie ge­ra­de an so vie­len Pro­jek­ten ar­bei­ten. Was sind das für Pro­jek­te?

Zu die­sen Pro­jek­ten ge­hö­ren zahl­rei­che Ter­mi­ne so­wie Sat­zun­gen. Hin­zu­kom­men dich­te Ter­mi­ne, auch die mit den Bür­gern. Ich ha­be kei­ne klas­si­sche Bür­ger­sprech­stun­de, son­dern in­di­vi­du­el­le Ter­min­ver­ein­ba­run­gen. Vie­les ist sehr eng ge­tak­tet und dann braucht man zwi­schen­durch im­mer noch ein biss­chen Zeit, um ei­ge­ne The­men auf­zu­ar­bei­ten. Wir ha­ben auch in­tern sehr vie­le Be­spre­chun­gen mit den ein­zel­nen Fach­be­rei­chen, ein­fach um ge­wis­se Din­ge an­zu­sto­ßen. Des­halb ist der Ter­min­ka­len­der der­zeit wirk­lich dicht. Aber in der Som­mer­pau­se soll­te ein biss­chen Luft rein­kom­men.

Wa­ren die ers­ten vier Mo­na­te Ih­rer Amts­zeit sehr stres­sig?

Es war rich­tig stres­sig, aber ein po­si­ti­ver Stress. Die Leu­te ha­ben mich über­all mit of­fe­nen Ar­men emp­fan­gen. Das war wirk­lich toll und wir ha­ben auch schwie­ri­ge The­men auf­ge­ar­bei­tet. Die­ses of­fe­ne Mit­ein­an­der – das ist wirk­lich toll.

Al­so ist es für Sie bis­her gut ge­lau­fen?

Ich kann mich nicht be­schwe­ren.

Ha­ben Sie sich die Ar­beit denn so vor­ge­stellt?

Ich ha­be es mir in et­wa so vor­ge­stellt. Was ich ein biss­chen un­ter­schätzt ha­be, war die Dich­te der Ter­mi­ne.

Im In­ter­view vor der Wahl ha­ben Sie zu mir gesagt, dass Sie in­ner­halb der Ver­wal­tung ei­ne Ge­sprächs­kul­tur ein­füh­ren. Ist Ih­nen das be­reits ge­lun­gen?

Wir sind auf ei­nem gu­ten Weg. Gleich am ers­ten Mon­tag, an dem ich hier war, ha­be ich mich bei den Mit­ar­bei­tern vor­ge­stellt. Ich ha­be das Ziel kund­ge­tan und ver­su­che, die­se Ge­sprächs­kul­tur auch den Füh- rungs­kräf­ten und den Mit­ar­bei­tern zu ver­mit­teln. Es wird of­fe­ner mit­ein­an­der kom­mu­ni­ziert, ha­be ich das Ge­fühl. Aber in die­ser kur­zen Zeit ist es na­tür­lich noch nicht ab­ge­schlos­sen.

Wie­so liegt Ih­nen das be­son­ders am Her­zen?

Da­durch baut sich ge­gen­sei­ti­ges Ver­trau­en auf, man re­det bei Pro­ble­men mit­ein­an­der. Um­so of­fe­ner mit­ein­an­der ge­spro­chen wird, um­so mehr kommt die Team­fä­hig­keit zu­stan­de. Und um­so mehr stellt sich auch aus mei­ner Sicht der Spaß und Er­folg bei Auf­ga­ben ein.

Vor der Wahl ha­ben Sie auch gesagt, dass es vor der Som­mer­pau­se ei­nen Bür­ger-Work­shop ge­ben soll, in dem Stra­te­gi­en für Meers­burg im Jahr 2030 ge­sam­melt wer­den. Wie steht es dar­um?

Der fin­det nicht statt. Das hat ei­nen ein­fa­chen Grund: Wir ha­ben kei­nen Termin fin­den kön­nen, an dem wir in­tern mit den Ge­mein­de­rä­ten dar­über spre­chen kön­nen. Denn zu so ei­nem Work­shop ge­hört auch im­mer ein nicht-öf­fent­li­cher Teil. Wir ha­ben die Be­spre­chung da­für nun auf den Herbst ge­scho­ben, da­durch hof­fe ich, dass es im Früh­jahr los­geht mit dem Bür­ger-Work­shop. Es ist al­so ein rei­nes ter­min­li­ches Pro­blem.

Die­se Stra­te­gi­en hat­ten sie ja be­reits vor der Wahl im Fo­kus. Sind in der Zeit, in der Sie jetzt im Amt sind, Din­ge auf­ge­kom­men, bei de­nen Sie den Ein­druck ha­ben, dass die­se ei­gent­lich viel wich­ti­ger sind?

Ja, Sat­zun­gen (lacht). Die hat­te ich nicht auf dem Schirm. Wir ha­ben aber zum Glück sehr gu­te Amts­lei­ter und so ka­men die­se The­men auf den Schirm, bei de­nen wir aber schon ei­ni­ge auf­ge­ar­bei­tet ha­ben – und die sind wich­tig, sehr wich­tig.

Was sind denn das ge­nau für Sat­zun­gen?

Wir ha­ben die Sat­zun­gen für die Park­ge­büh­ren ge­än­dert. Die ha­ben wir an­ge­ho­ben. Wir sind auch die Ge­büh­ren für den Kin­der­gar­ten und das Es­sen an­ge­gan­gen. Das hat­te ich auch nicht auf dem Schirm. Wir wer­den auch noch wei­te­re Sat­zun­gen an­ge­hen müs­sen. Wir stim­men der­zeit dar­über ab, wel­che das sein wer­den.

Es wird aber nicht al­les teu­rer, was man teu­rer ma­chen kann?

Nein, um das geht es nicht nur. Aber ganz klar. Es gibt auch Sat­zun­gen, die mit Preis­stei­ge­run­gen zu­sam­men­hän­gen, aber de­fi­ni­tiv nicht al­le. Aber bis wir mit al­len durch sind, ver­geht noch ei­ne Wei­le.

Gab es denn trotz­dem noch an­de­re The­men, die Sie in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten be­schäf­tigt ha­ben?

Die Kom­mu­ni­ka­ti­on im Ge­mein­de­rat ist sehr gut. Wir ar­bei­ten of­fen und kon­struk­tiv mit­ein­an­der. An­sons­ten sind es vie­le Ter­mi­ne. Es herrscht auch ge­ra­de in der Stadt ei­ne klei­ne Auf­bruch­stim­mung. Es ist ganz toll, was die Bür­ger ma­chen und wir be­glei­ten sie als Stadt. Wir ha­ben auch vie­le Klei­nig­kei­ten auf den Weg ge­bracht. Wir ha­ben zum Bei­spiel im Per­so­nal­be­reich die Ap­fel­kis­te ein­ge­führt. Des Wei­te­ren ar­bei­ten wir dar­an, ei­ne Ver­wal­tung zu sein, die sich of­fen und mo­dern dar­stellt.

Ha­ben Sie den Ein­druck, dass man­che Sa­chen vor Ih­rer Amts­zeit auf der Stre­cke ge­blie­ben sind?

Ich den­ke, ich ha­be ein­fach ei­nen an­de­ren Stil als mein Vor­gän­ger. Für mich war es jetzt aber wich­tig, dass es in der Un­ter­stadt mit der Bau­lü­cke vor­an­geht. Da gab es zeit­wei­se rich­tig Stress, aber das ha­ben wir jetzt er­le­digt.

Was sind Ih­re ers­ten Er­fol­ge als Bür­ger­meis­ter?

Auf je­den Fall die Un­ter­stadt. Ich fin­de es toll, dass der Bau­herr des Mit­tel­al­ter­ho­tels den Lö­sungs­weg mit uns ge­sucht hat. Ein ganz tol­ler Er­folg ist auch, dass wir „Ak­tiv für Meers­burg“wie­der zum Wei­ter­ma­chen mo­ti­vie­ren konn­ten. Hin­zu kommt der Ak­ti­ons­tag, der für den 22. Ok­to­ber ge­plant ist. Da­bei ha­ben sich in­ner­halb kür­zes­ter Zeit Tou­ris­mus­che­fin Iris Mül­ler und Bernd En­ges­ser vom Bau­amt da­zu be­reit er­klärt, als An­sprech­part­ner für „Ak­tiv für Meers­burg“in der Ver­wal­tung zu ste­hen. Und wor­über ich mich auch sehr freue, ist, dass wir die bei­den ewig lan­gen Be­bau­ungs­plä­ne jetzt weg ha­ben: Ro­sen­haag und All­mend.

Was ist am 22. Ok­to­ber ge­plant?

Ein ver­kaufs­of­fe­ner Sonn­tag. Die Old­ti­mer-Freun­de Meers­burg stel­len aus und bie­ten Fahr­ten für den gu­ten Zweck an. Ein­zel­händ­ler und Ge­wer­be­trei­ben­de wer­den sich prä­sen­tie­ren kön­nen und auch die Stadt wird ak­tiv vor Ort sein mit ei­nem ei­ge­nen Stand. Wir wol­len uns auch als Di­enst­leis­ter prä­sen­tie­ren. Gleich­zei­tig wird auch wie­der der Herbst­markt statt­fin­den. Das ist für die Stadt Meers­burg ein zu­sätz­li­ches High­light. Das wird ein tol­ler Tag für Fa­mi­li­en – so­wohl für die Ein­hei­mi­schen als auch für die Gäs­te.

Wie­so liegt Ih­nen die­se Ak­ti­on so am Her­zen?

Weil wir Meers­bur­ger ge­mein­sam et­was vor­an­brin­gen und es um „Ak­tiv in Meers­burg“in der ver­gan­ge­nen Zeit sehr ru­hig ge­wor­den ist. Und die Ak­ti­on auch das Ge­mein­schafts­ge­fühl stärkt. Es fin­den jetzt bald die Ge­sprä­che mit den Ver­ei­nen statt und dann wird die Pla­nung Schritt für Schritt wei­ter­ge­hen. Es geht mir manch­mal al­les zu lang­sam, das ge­be ich zu.

Sie le­gen al­so schon Tem­po vor.

Ja. Vie­le sa­gen, dass ich das tue. Für mich ist es nor­mal.

Wel­che Plä­ne ha­ben Sie für die kom­men­den Mo­na­te?

Mir ist die Vor­be­rei­tung auf den Stra­te­gie­plan wich­tig. Der muss rich­tig gut vor­be­rei­tet sein. Das steht für mich ganz oben. Hin­zu kom­men Pro­jek­te, die drin­gend um­ge­setzt wer­den müs­sen, wie der Um­bau des Rats­kel­lers und wei­te­re, ver­schie­de­ne Maß­nah­men. Und jetzt star­tet auch „Kul­tur un­term Dach“ei­ne neue Rei­he im Vi­n­e­um, das ja nun ein Jahr alt wird. Wir ha­ben in den kom­men­den Jah­ren ei­ni­ges vor, zu dem es mit klei­nen Schrit­ten, zu den je­wei­li­gen Zwi­schen­zie­len, zu ge­lan­gen gilt.

FO­TO: SAPOT­NIK

Ro­bert Sche­rer freut sich schon jetzt auf den ver­kaufs­of­fe­nen Sonn­tag in Meers­burg En­de Ok­to­ber.

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