Mit „Em­fa­tih“und Ver­bun­den­heit

Schau­spie­ler, Ka­ba­ret­tist und ein ab­so­lu­tes Im­pro­vi­sa­ti­ons­ta­lent: Fa­tih Çe­vik­kol­lu

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Kulturufer - Von Ly­dia Schä­fer

- Mit sei­nem fünf­ten So­lo­pro­gramm „Em­fa­tih“hat Fa­tih Çe­vik­kol­lu im Klei­nen Zelt ei­nen iro­ni­schen und erns­ten Blick auf ak­tu­el­le ge­sell­schaft­li­che und po­li­ti­sche Leben ge­wor­fen. Er wirbt für Em­pa­thie, für Mit­ge­fühl und Ver­bun­den­heit der Kul­tu­ren. Er ist selbst­iro­nisch, spon­tan und ver­steht es, das Pu­bli­kum mit­ein­zu­be­zie­hen.

Drei St­un­den in de­nen der Künst­ler, die „Wahr­heit ver­han­delt. Da muss man die An­de­ren zum La­chen brin­gen, sonst brin­gen die ei­nen um“. Licht aus, Spot an und Fa­tih Çe­vik­kol­lu be­tritt im An­zug und mit sil­ber­far­be­nen Flip Flops die Büh­ne. Das passt doch nicht, „aber ist ex­tra für dich, da­mit du auf mei­ne Schu­he schau­en kannst, wenn dir das Pro­gramm nicht ge­fällt“, sagt er ins Pu­bli­kum.

Der Kon­trast zwi­schen An­zug und Schu­hen steht be­reits sym­bo­lisch für das Pro­gramm. Ein Mix aus leich­ter Come­dy und po­li­ti­schem, erns­tem Ka­ba­rett und im­mer wie­der blitzt die Er­kennt­nis auf, dass Bür­ger mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund in Deutsch­land nach wie vor nach ih­ren geo­gra­fi­schen Wur­zeln be­ur­teilt wer­den. Fa­tih Çe­vik­kol­lu ist in Köln ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen, hat in Ber­lin an der Ernst-Busch Hoch­schu­le in Ber­lin Schau­spiel stu­diert und doch ist er hier „ein Tür­ke“und in der Tür­kei „ein Deut­scher“.

„Das ist nicht mein Er­do­gan“

Wo­mit wir wie­der bei den Flip Flops wä­ren, die ei­nen Deut­schen in der Kom­bi­na­ti­on mit An­zug ir­ri­tie­ren, wäh­rend ein Tür­ke ihn als deut­schen Bir­ken­stock­trä­ger an­pö­belt. „Wir ha­ben Bil­der im Kopf, die mit der Rea­li­tät nichts zu tun ha­ben“, sagt der Ka­ba­ret­tist. Sei­ne Auf­ga­be sei es vor­zu­den­ken, da­mit sein Pu­bli­kum nach­den­ken kön­ne. „Mir wird gesagt, was macht denn dein Er­do­gan?“, um dann gleich klar zu­stel­len, dass es ers­tens nicht „sein“Er­do­gan sei und zwei­tens er so­wie­so schon ge­nug mit Kau­der, Do­brindt und See­ho­fer zu tun ha­be.

„Ich glau­be die Kanz­le­rin war in den ver­gan­ge­nen sechs Mo­na­ten öf­ter in der Tür­kei, als ich in mei­nem gan­zen Leben“, scheint er laut zu über­le­gen.

Fa­tih Çe­vik­kol­lu ist di­rekt, frei her­aus und be­weist sein Im­pro­vi­sa­ti­ons­ta­lent, als er ei­ne Zu­schaue­rin in der ers­ten Rei­he frag­te: „Stört, es sie, wenn ich in ih­rem Bü­ro spie­le?“, wor­auf­hin sie ihr Han­dy zur Sei­te legt und dar­über in­for­miert, dass ih­re Toch­ter ver­su­che sie an­zu­ru­fen, da die­se mit dem Wa­gen lie­gen ge­blie­ben sei. Es folg­ten meh­re­re Un­ter­bre­chun­gen, was den Ka­ba­ret­tis­ten da­zu ver­an­lass­te, die Pro­ble­ma­tik des lie­gen ge­blie­be­nen Fahr­zeugs in sein Pro­gramm ein­zu­bau­en. Letzt­end­lich leg­te er selbst Hand an und zwar an das Han­dy der Zu­schaue­rin, um mit der Toch­ter als „ADAC Mit­ar­bei­ter“zu spre­chen.

Es ist die Ko­mik und sein Mi­nen­spiel, mit de­nen er das Pu­bli­kum zum La­chen bringt, und der Tief­gang bei der Be­trach­tung po­li­ti­scher, rechts­po­pu­lis­ti­scher Strö­me, die das Pu­bli­kum zum Nach­den­ken brin­gen.

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