Ei­ne Sound­col­la­ge mit aus­drucks­star­ken Tän­zern

Die Kib­butz Con­tem­pora­ry Dan­ce Com­pa­ny 2 zeigt ih­re ak­tu­el­le Pro­duk­ti­on „First Of All Sto­ries” im gro­ßen Zelt

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Kulturufer -

(flo) - Tem­pe­ra­ment­voll, aus­drucks­stark, zu­wei­len auch et­was bi­zarr: Es war schon ein spe­zi­el­les Ver­gnü­gen, das die Kib­butz Con­tem­pora­ry Dan­ce Com­pa­ny 2 am Frei­tag­abend den Zu­schau­ern im nicht ganz aus­ver­kauf­ten gro­ßen Zelt be­rei­tet hat.

Die Kib­butz Con­tem­pora­ry Dan­ce Com­pa­ny, die zu Is­ra­els er­folg­reichs­ten En­sem­bles ge­hört, wur­de 1970 von der KZ-Über­le­ben­den Ye­hu­dit Ar­non ge­grün­det. In­zwi­schen wer­den im Kib­butz Ga’aton – nur we­ni­ge Ki­lo­me­ter ent­fernt in der Nä­he von der li­ba­ne­si­schen Gren­ze – 400 Schü­ler im zeit­ge­nös­si­schen Tanz aus­ge­bil­det. 1994 grün­de­te Ra­mi Be’er, ein Zieh­sohn Ar­nons und seit 1996 der künst­le­ri­sche Lei­ter, ei­ne zwei­te Com­pa­gnie, zu der 14 jun­ge Tän­ze­rin­nen und Tän­zer ge­hö­ren. Und die prä­sen­tier­te sich bei ih­rem knapp ein­stün­di­gem Auf­tritt im gro­ßen Zelt am Frei­tag sehr ex­pe­ri­men­tier­und auch kon­takt­freu­dig.

Denn be­reits nach ei­ner gu­ten Vier­tel­stun­de schwär­men sie aus und ho­len zum ers­ten Mal Leu­te auf die Büh­ne. So man­cher, der am Rand sitzt, über­denkt in die­sen Se­kun­den wohl sei­ne Platz­wahl. An­de­re da­ge­gen sind sehr be­ru­higt, dass sie in der Mit­te der Rei­hen un­er­reich­bar für die Avan­cen wa­ren. Die meis­ten Ama­teu­re schla­gen sich im Gen­remix aus Mo­dern Dan­ce, Jazz und klas­si­schem Bal­lett aber sehr tap­fer – und das Pu­bli­kum ho­no­riert ih­re Dar­bie­tung mit freund­li­chem Ap­plaus. Als spä­ter al­le Zu­schau­er zum Auf­ste­hen und Mit­ma­chen auf­ge­for­dert wer­den, sind kaum Spiel­ver­der­ber da­bei.

Das mu­si­ka­li­sche Re­per­toire, zu dem die Kib­butz Con­tem­pora­ry Dan­ce Com­pa­ny 2 ih­re Cho­reo­gra­phi­en bar­fuß auf die Bret­ter bringt, reicht von lan­des­ty­pi­schen Ak­kor­de­on-Wei­sen über lang­sa­me Blues­num­mern bis hin zu Fla­men­co-Ele­men­ten. Wich­tigs­tes Ac­ces­coi­re des En­sem­bles: Me­lo­nen, die mal auf dem Kopf sit­zen, dann her­um­wir­beln – und manch­mal so ge­tät­schelt wer­den, dass es ei­ner Hom­mage an Pan Tau gleich­kommt. Rich­tig bi­zarr wird’s, wenn ein Tän­zer kräch­zend wie ein Huhn über die Büh­ne wir­belt oder sich ei­nem Herrn in der ers­ten Rei­he schluch­zend an den Hals wirft. Im­mer wie­der streut das En­sem­ble auch Pau­sen ein, bei de­nen Still­stand auf der Büh­ne an­ge­sagt ist. Zwei Tän­ze­rin­nen sit­zen auf dem Bo­den und wer­fen sich durch­drin­gen­de Bli­cke zu, um die Stil­le jäh mit ei­nem ver­ba­len Stak­ka­to zu zer­fet­zen – man fragt sich, was sie wohl gesagt ha­ben.

FO­TO: FE­LIX KÄSTLE

Oh­ne Schu­he, aber mit Me­lo­ne: die Kib­butz Con­tem­pora­ry Dan­ce Com­pa­ny 2 im gro­ßen Zelt.

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