„Schu­le muss sich im­mer wie­der über­den­ken“

Bet­ti­na Sch­ap­peler über ih­ren neu­en Job als Rek­to­rin der Ge­mein­schafts­schu­le in Sa­lem

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Salem/service -

- Seit Mit­te Ju­li ist es of­fi­zi­ell: Bet­ti­na Sch­ap­peler ist als Rek­to­rin an der Ge­mein­schafts­schu­le in Sa­lem die Nach­fol­ge­rin von Emil Bau­scher. Was die 42-Jäh­ri­ge an der Schu­le ver­än­dern will, wie sie zur der ge­plan­ten Ober­stu­fe steht und was sie von der Schu­le Schloss Sa­lem mit ans BZ nimmt, er­klärt sie im In­ter­view mit Mar­vin We­ber.

Wie kam es zu der Ent­schei­dung, sich als Rek­to­rin an der Ge­mein­schafts­schu­le zu be­wer­ben?

Ei­nen Im­puls hat Bür­ger­meis­ter Man­fred Här­le ge­ge­ben. Ei­nen An­teil ha­ben aber auch Mit­glie­der aus der El­tern­schaft und aus der El­tern­bei­rats­schaft und aus dem Kol­le­gen­kreis der Schu­le Schloss Sa­lem, die mei­nen Na­men ins Spiel ge­bracht ha­ben. So ei­ne Ent­schei­dung muss man aber vor al­lem aus dem Her­zen tref­fen, das muss man wol­len. Für mich ist die Stel­le ei­ne neue Chan­ce und ein neu­er Le­bens­ab­schnitt, der sich oh­ne­hin be­reits vor­her ab­ge­zeich­net hat.

Sind Sie be­reit für den Füh­rungs­pos­ten?

Sonst hät­te ich mich nicht be­wor­ben. Ich kom­me aus ei­ner Lei­tungs­po­si­ti­on, die zwar nicht di­rekt an der Spit­ze ge­we­sen ist, aber ich ha­be schon meh­re­re Füh­rungs­po­si­tio­nen be­klei­det. In der Schu­le Schloss Sa­lem ha­be ich so­wohl auf päd­ago­gi­scher als auch auf ad­mi­nis­tra­ti­ver Sei­te lei­ten­de Po­si­tio­nen ge­habt. Des­we­gen glau­be ich, für die Auf­ga­be gut ge­wapp­net zu sein.

Sie wa­ren 13 Jah­re an der Schu­le Schloss Sa­lem ak­tiv. Was neh­men Sie von dort auch mit ans Bil­dungs­zen­trum?

Das The­ma He­te­ro­ge­ni­tät ist dort ei­nes der ganz gro­ßen The­men. Die ist na­tür­lich an­ders ge­la­gert als an der Ge­mein­schafts­schu­le. Im In­ter­nat ging es eher um Na­tio­na­li­tä­ten und Schü­ler­bio­gra­fi­en. Ich brin­ge auch Er­fah­rung aus dem Be­reich Schul­ent­wick­lung mit im Sin­ne von Un­ter­richts­ent­wick­lung und in­di­vi­du­el­le Gestal­tung des Ler­nens. Even­tu­ell könn­te ich auch ei­ni­ge Kon­tak­te zum In­ter­nat vom Bil­dungs­zen­trum aus auf­recht er­hal­ten.

Was wird sich mit dem Start an der Ge­mein­schafts­schu­le ver­än­dern?

Vor al­lem das The­ma In­klu­si­on und die Zu­sam­men­ar­beit mit den För­der­schu­len. Auch die Klas­sen­grö­ße wird wie­der ei­ne an­de­re sein. Auf Schloss Sa­lem hat­te ich manch­mal nur sechs Schü­ler pro Klasse. Au­ßer­dem wer­de ich mich auf neue Ab­läu­fe und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­te­me ein­stel­len müs­sen. Das Ler­nen im Ler­nate­lier mit rund 100 Schü­lern wird auch erst ein­mal wie­der et­was Neu­es. Ge­nau­so wie der Un­ter­richt mit Fünft­kläss­lern, das ha­be ich seit 15 Jah­ren nicht mehr ge­macht. Ich fin­de es span­nend, da ich ein Stück weit wie­der in mei­ne „al­te“Welt, an mei­ne Wur­zeln zu­rück­keh­re. Neu ist si­cher­lich auch, das The­ma In­klu­si­on und die en­ge Zu­sam­men­ar­beit mit den um­lie­gen­den Schu­len.

Emil Bau­scher hat sich selbst als Dienst­leis­ter be­zeich­net. Was ist Ih­nen als Rek­to­rin wich­tig?

Ich bin zu­nächst ein­mal Päd­ago­gin. Wie wer­de ich den Kin­dern ge­recht, die vor mir sit­zen, wel­che Struk­tu­ren schaf­fe ich, wie muss ich mit den El­tern und Leh­rern kom­mu­ni­zie­ren, dass die Kin­der auf best­mög­li­che Art und Wei­se ge­för­dert wer­den? Mit die­sen Fra­gen wer­de ich mich be­schäf­ti­gen. Wich­tig ist mir da­her, dass ich in der Ge­mein­schafts­schu­le auch Leh­re­rin bin. Un­ter­richts­ent­wick­lung liegt mir sehr am Her­zen. Na­tür­lich bin ich auch ein Stück weit Dienst­leis­ter: Ich muss den Schul­be­trieb auf­recht er­hal­ten, um St­un­den, Mit­tel und Leh­rer kämp­fen. Das sind die täg­li­chen Her­aus­for­de­run­gen des Jobs. An­de­rer­seits möch­te ich aber auch Zug­pferd und Gestal­te­rin sein und neue Ide­en ein­brin­gen.

Al­so ein ziem­lich wei­tes Auf­ga­ben­feld...

Al­ler­dings. Von gro­ßer Be­deu­tung ist es auch, das Kol­le­gi­um zu mo­ti­vie­ren und mit ihm ge­mein­sam die päd­ago­gi­sche Rei­se Ge­mein­schafts­schu­le wei­ter zu be­schrei­ten. Ein Stück weit bin ich auch Netz­wer­ker, um mit den Grund­schu­len, dem För­der­ver­ein oder auch mit der Politik in Kon­takt zu blei­ben. Schu­le muss sich im­mer wie­der über­den­ken. In der Eva­lua­ti­on muss ste­tig ge­schaut wer­den, ob man noch auf dem rich­ti­gen Weg ist.

Gro­ßes Streit­the­ma ist die Ein­rich­tung der Ober­stu­fe. Wie ste­hen Sie zu der The­ma­tik?

Ich glau­be, dass die gym­na­sia­le Ober­stu­fe ein tol­les An­ge­bot für die Ge­mein­de wä­re. Ich war selbst frü­her auf die­ser Schu­le und ha­be da­mals hän­de­rin­gend ein all­ge­mein­bil­den­des Gym­na­si­um ge­sucht. Die Kon­ti­nui­tät so­wie auch die Mög­lich­keit al­le Ab­schlüs­se zu ma­chen, auch wohn­ort­nah, fin­de ich sehr at­trak­tiv. Po­li­tisch ge­se­hen gibt es kla­re Vor­ga­ben, die teil­wei­se hoch ge­setzt sind. Letzt­end­lich wird sich zei­gen, ob wir die Vor­aus­set­zun­gen er­fül­len oder nicht. Aber wir ar­bei­ten auf die­ses Ziel hin und wol­len die Struk­tu­ren in en­ger Zu­sam­men­ar­beit mit al­len am Schul­pro­zess Be­tei­lig­ten da­für best­mög­lich schaf­fen. Wir ha­ben mit den ak­tu­el­len An­mel­de­zah­len der Klasse fünf ei­ne sta­bi­le Vier­zü­gig­keit be­wie­sen. Dass sich an­de­re um­lie­gen­de Schu­len auf­grund der ak­tu­el­len Schü­ler­zah­len zur Wehr set­zen, ist po­li­tisch nach­voll­zieh­bar. Mir ist den­noch ein wert­schät­zen­der Um­gang un­ter­ein­an­der wich­tig.

Wo se­hen Sie das Bil­dungs­zen­trum in Sa­lem in fünf Jah­ren? Was wol­len Sie vor Ort kon­kret ver­än­dern und ver­bes­sern?

Wich­tig ist mir ei­ne gu­te Aus­stat­tung der Schu­le. Da läuft mo­men­tan viel und es wird sehr viel Geld in­ves­tiert. Das Foy­er ken­ne ich noch von frü­her, das ist aber im­mer noch et­was kühl. Auch den Schul­hof fin­de ich noch nicht at­trak­tiv ge­nug. Ei­ne gu­te IT-Aus­stat­tung für die Schü­le­rin­nen und Schü­ler in den ver­schie­de­nen Fä­chern und Ar­beits­for­men sind eben­so zu­kunfts­wei­send.

Und auf päd­ago­gi­scher Ebe­ne?

Mir ist ei­ne gu­te At­mo­sphä­re im Haus zwi­schen der GMS, Werk­re­al­schu­le und Re­al­schu­le sehr wich­tig. Viel­leicht be­steht auch die Mög­lich­keit en­ge­re Ko­ope­ra­ti­on mit mei­ner bis­he­ri­gen Schu­le auf­zu­bau­en oder zu in­ten­si­vie­ren. Ge­nau­so ist es auch von Be­deu­tung, dass wir Schul­ver­bün­de wie „Star­ke Schu­le“wei­ter­hin nut­zen. Gleich­zei­tig muss ich na­tür­lich auch das Ver­trau­en der Schü­ler und El­tern ge­win­nen und den Ver­trau­ens­vor­schuss zu­rück­ge­ben kön­nen.

FO­TO: MAR­VIN WE­BER

Vor der neu­en Wir­kungs­stät­te: Bet­ti­na Sch­ap­peler über­nimmt den Rek­to­ren­pos­ten an der Ge­mein­schafts­schu­le in Sa­lem.

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