Quar­tier Buch: Ers­te Kon­tu­ren zeich­nen sich ab

Ex­per­ten stel­len im Ge­mein­de­rat Er­geb­nis­se zu Wohn­raum­be­darf und Flä­chen­ent­wick­lung vor

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Oberteuringen/meckenbeuren - Von Ro­land Weiß

(rwe) - Mit dem Quar­tier Buch – der zu über­pla­nen­den Flä­che zwi­schen Rat­haus, B 30 und Brand­wie­sen­bach – hat sich der Ge­mein­de­rat am Mittwoch be­schäf­tigt. Ein Be­schluss stand nicht an, viel­mehr stell­ten Ex­per­ten ih­re Er­geb­nis­se zu Wohn­raum­be­darf und Flä­chen­ent­wick­lung in Me­cken­beu­ren vor. Aber auch das wei­te­re Vor­ge­hen spiel­te ei­ne Rol­le. Vor al­lem ein an­ge­dach­ter Be­schluss im Herbst schien man­chem „zu sport­lich“(Anet­te Kra­mer, Freie Wäh­ler). Be­hut­sam vor­zu­ge­hen mahn­te auch In­grid Sau­ter (SPD), der des Bür­ger­meis­ters Tem­po zu schnell er­schien.

Andre­as Schmid sei­ner­seits zeig­te sich durch­aus zu­frie­den mit der Sit­zung. „Wir sind wei­ter als ich dach­te“, nahm er im Gre­mi­um ei­ne gro­be Wei­chen­stel­lung wahr, die auch den Be­schluss im Herbst hin­fäl­lig ma­che. Da­mit be­zog er sich auf ei­ne weit­ge­hen­de Ei­nig­keit bei den Fra­gen nach Funk­ti­on und Nut­zun­gen, die mit der 2,6 Hekt­ar gro­ßen Flä­che ein­her­ge­hen sol­len.

„Ver­dich­te­ter Ge­schoss­woh­nungs­bau wird es wer­den“, hat­te Jo­sef Sau­ter (CDU) sei­nen Ein­druck wie­der­ge­ge­ben. Al­ler­dings er­in­ner­te er auch an die „eher­ne Re­gel“, nur Flä­chen zu über­pla­nen, die im Be­sitz der Ge­mein­de sind – was noch nicht in Gän­ze der Fall ist.

Ei­ne Ker­be, in die auch Fritz We­ber schlug. Frei­lich woll­te der CDURat den so­zia­len Woh­nungs­bau nicht als al­lei­ni­ges Kri­te­ri­um an­se­hen, son­dern brach­te auch den wei­ter­hin ho­hen Schul­den­stand ins Spiel.

Als Ex­tre­me bei den Hand­lungs­op­tio­nen hat­ten auch die Ex­per­ten dies dar­ge­stellt – zum ei­nen der Fo­kus auf die „Preis­re­le­vanz“(samt Geld­ma­xi­mie­rung), dem die Be­to­nung der „Kon­zept­re­le­vanz“ge­gen­über­steht. Hier­bei wä­re si­cher der so­zia­le Woh­nungs­bau do­mi­nant. Mit wel­cher Ge­wich­tung und Mix­tur die bei­den An­sät­ze ein­flie­ßen, blieb noch of­fen. Bei der Be­darfs­ana­ly­se ver­wies Wohn­so­zio­lo­ge Gerd Kuhn auf Zah­len und Trends, die teils durch­aus neu er­schie­nen. Das be­gann mit ei­ner Neu­be­wer­tung der Ein­woh­ner­zahl, die – ent­ge­gen frü­he­ren An­ga­ben des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts – nun doch bis 2035 von ei­nem mo­de­ra­ten An­stieg aus­geht (2015: 13 252, 2035: 13 337). Be­mer­kens­wert, wie sehr der An­teil äl­te­rer Men­schen im Al­ter von 65 Jah­ren auf­wärts wächst. Zur Wohn­flä­che: Sie be­trug 2016 in Me­cken­beu­ren im Schnitt 101 Qua­drat­me­ter. An­ge­sichts der Be­le­gungs­dich­te von 2,3 Per­so­nen pro Haus­halt nutzt ei­ne Per­son 44 qm Wohn­flä­che. Da­mit glei­chen sich die Kenn­zif­fern im Land und in der Schus­sen­ge­mein­de an – zu­min­dest was die Zahl der Per­so­nen je Haus­halt be­trifft. Um die 2,3 lau­ten sie die­ser Ta­ge, wäh­rend es im Jahr 1970 noch 3,4 Per­so­nen je Haus­halt in der Kom­mu­ne und 2,8 in Ba­den-Würt­tem­berg wa­ren.

Seit Lan­gem steigt der An­teil der 1- und 2-Per­so­nen­haus­hal­te an (mitt­ler­wei­le 72 Pro­zent). In Me­cken­beu­ren sind dies 64 Pro­zent – Ten­denz stei­gend. „Die Viel­falt der Ge­sell­schaft soll­te sich in der Ge­bäu­de­ty­po­lo­gie wi­der­spie­geln“, so Kuhns An­sicht. Vor Ort do­mi­nie­ren frei­lich Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­häu­ser mit 60 und 25 Pro­zent. Es ge­be al­so ein deut­li­ches De­fi­zit bei klei­ne­ren Woh­nun­gen, was Kuhn von ei­ner „sehr un­aus­ge­wo­ge­nen Ge­bäu­de­struk­tur“an­ge­sichts der dy­na­mi­schen Ent­wick­lung spre­chen ließ. Sei­ne Fol­ge­rung: „Für jun­ge Fa­mi­li­en, äl­te­re Per­so­nen (Bar­rie­re­frei­heit) und Zu­wan­de­rer be­steht ein An­ge­bots­de­fi­zit.“Da­bei stel­len ost­eu­ro­päi­sche Per­so­nen, die lang­fris­ti­ge Ar­beits- und Le­bens­per­spek­ti­ven su­chen und als EU-Bür­ger ei­ne Nie­der­las­sungs­frei­heit ge­nie­ßen ei­ne „neue“wich­ti­ge Zu­wan­de­r­er­grup­pe dar, so Kuhn.

Als In­di­ka­tor für ei­nen „an­ge­spann­ten Woh­nungs­markt“dien­te ihm zu­dem der Blick auf den Miet­preis­spie­gel. Bei den 90 bis 109 qm gro­ßen Woh­nun­gen gab es von 2012 bis 2016 ei­nen Preis­an­stieg um 20 Pro­zent. Im Ge­samt­schnitt lag die Er­hö­hung „nur“bei 14 Pro­zent.

Den Rä­ten rief Kuhn zu: „Sie sind kei­ne Ge­trie­be­nen. Sie ha­ben Gestal­tungs­spiel­räu­me.“Was sich auf Stra­te­gi­en für Wachs­tum be­zog.

FO­TO: FRANZ PESCH

Um die Frei­flä­che in der Mit­te geht’s – das Quar­tier Buch. Süd­lich da­von sind Rat­haus, Schu­le, Hal­le und Kin­der­haus zu er­ken­nen – dies im Zu­stand vor 2010, al­so be­vor das Bil­dungs­zen­trum ent­stand.

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