SC Pful­len­dorf ist Ti­tel-Top­fa­vo­rit

SZ-Se­rie: Fuß­ball-Lan­des­li­gis­ten vor dem Start (Teil 4): SC Pful­len­dorf

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Regionalsport - Von Oli­ver Koth­mann

- In zehn Ta­gen be­ginnt die neue Sai­son in der Fuß­bal­lLan­des­li­ga Süd­ba­den. Pro­mi­nen­tes­ter Li­ga-Neu­ling ist zwei­fel­los der SC Pful­len­dorf, der 2014 noch in der Re­gio­nal­li­ga Süd spiel­te, von 2014 bis 2016 noch in der Ober­li­ga Ba­denWürt­tem­berg, in der ver­gan­ge­nen Sai­son noch in der Ver­bands­li­ga Süd­ba­den, ehe er nun un­sanft in der Lan­des­li­ga Süd­ba­den auf­schlug. Ei­ne ra­san­te Ne­ga­tiv-Ent­wick­lung, die aus der Ent­fer­nung be­trach­tet den Schluss na­he­legt, dass bei der ehe­ma­li­gen re­gio­na­len Num­mer eins die Le­bens­geis­ter ent­wi­chen sind. Doch der Ein­druck täuscht. Iro­ni­scher­wei­se ist der SCP nun, da er sport­lich am Tief­punkt an­ge­langt ist, mit bes­se­ren Per­spek­ti­ven aus­ge­stat­tet, als dies in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren je­mals der Fall war. Die Hoff­nung trägt ei­nen Na­men: Ex­tra Ga­mes, der in Pful­len­dorf an­säs­si­ge Spiel­hal­len­fi­lia­list der Lö­wen-Grup­pe, der in ganz Deutsch­land Spiel­hal­len be­treibt und sein Mar­ke „Ad­mi­ral“nun auch im Fuß­ball be­wer­ben möch­te, nach­dem das Un­ter­neh­men im Hand­ball zum Bei­spiel mit dem am­tie­ren­den Deut­schen Meis­ter Rhein Neckar Lö­wen be­reits in gro­ßem Stil Image­pfle­ge be­treibt.

„Die Geg­ner wer­den ge­gen uns ein Spiel­ver­hal­ten an den Tag le­gen wie in Po­kal­spie­len, in de­nen nur der Sieg zählt.“

SCP-Sport­chef Robert Her­ma­nutz

Dass mit dem Vor­stands­team um Prä­si­dent Dr. Jobst Michael Flo­rus nun Män­ner den Sport­club füh­ren, die seit ih­rer Amts­über­nah­me im Ja­nu­ar 2016 be­wie­sen ha­ben, dass sie se­ri­ös zu wirt­schaf­ten ver­ste­hen, dürf­te den Ex­tra Ga­mes-Ent­schei­dungs­trä­gern Mar­tin Rest­le und Mar­tin Moß­bru­cker ih­ren Ent­schluss, sich beim Sport­club als Haupt­spon­sor zu en­ga­gie­ren, er­leich­tert ha­ben. Der Glücks­fall Ex­tra­ga­mes und das klu­ge Han­deln der Spar­füch­se um Jobst Flo­rus ha­ben in Sum­me al­so da­zu ge­führt, dass der SC Pful­len­dorf, dem in den Vor­jah­ren mehr­fach die In­sol­venz droh­te, trotz des neu­er­li­chen Be­triebs­un­falls Ab­stieg wirt­schaft­lich so gut da­steht wie lan­ge nicht mehr - wenn­gleich Ex­tra Ga­mes das Bud­get nach dem Sturz in die Lan­des­li­ga noch­mal kürz­te.

Die Kon­kur­renz kann da nur stau­nen. Als FC Bay­ern der Lan­des­li­ga möch­te SCP-Sport­chef Robert Her­ma­nutz den SC Pful­len­dorf je­doch nicht ka­ri­kiert wis­sen: „Wenn an­de­re das so se­hen, kön­nen wir das nicht än­dern. Wir selbst se­hen uns aber nicht so. Wir ge­hen die­se Sai­son mit De­mut und Re­spekt an.“

Rund 40 Spie­ler ste­hen für die ers­te und zwei­te Mann­schaft zur Ver­fü­gung (22 für die Ers­te, 18 bis 20 für die Zwei­te). Per­so­nel­le Eng­päs­se, die dem Sport­club in den Vor­jah­ren im­mer wie­der das Le­ben schwer mach­ten, dürf­ten al­so der Ver­gan­gen­heit an­ge­hö­ren.

„Kö­nigs­trans­fer“Lu­ca Gru­ler

Mit Mar­lex Ab­dul­lai (Ziel un­be­kannt) und Jo­nas Vog­ler (zum SSV Reut­lin­gen) ha­be zwei wich­ti­ge De­fen­siv­leis­tungs­trä­ger den Ver­ein ver­las­sen. Au­ßer­dem gin­gen Da­ni­el Holz­mann (TSV Straß­berg), Zvon­i­mir Kla­san (FV Wal­berts­wei­ler/Ren­gets­wei­ler), Ben­ja­min May­er (TSV Berg), Thomas Löff­ler (FC Os­trach), Ma­nu­el Per­ko­vic und Ah­mad Yo­sef (bei­de mit un­be­kann­tem Ziel).

„Kö­nigs­trans­fer“war im Ge­gen­zug si­cher­lich die Rück­ho­lung von Lu­ca Gru­ler, der 2016 vom Sport­club zum Ober­li­gis­ten FV Ra­vens­burg ge­wech­selt war, sich dort aber nicht nach­hal­tig durch­set­zen konn­te. Für den SCP stellt Gru­ler auf der Spiel­ma­cher­po­si­ti­on ei­nen enor­men Qua­li­täts­ge­winn dar. Her­ma­nutz: „Kei­ne Fra­ge, Lu­ca ist ein ab­so­lu­ter Füh­rungs­spie­ler. Es freut mich aber auch zu se­hen, dass er in die­ser Rol­le nicht al­lei­ne ist. Spie­ler wie Ti­mo Wer­ne, Fe­lix und Ste­phan St­ein­hau­ser, Ales­san­dro Saut­ter oder un­se­re Tor­hü­ter Ma­xi­mi­li­an Ritz­ler und Se­bas­ti­an Wil­li­bald sind al­le­samt Spie­ler, die Füh­rungs­qua­li­tä­ten ha­ben und die­se jetzt auch schon ge­zeigt ha­ben.“

Ins­ge­samt 13 neue Spie­ler ka­men zum Sport­club. Ne­ben Gru­ler und Wil­li­bald (vom TSV Berg) sind die be­kann­tes­ten Na­men Da­ni­el Ab­du­la­had (TSV Berg), Alen Ro­go­sic (VfR Stockach) und Patrick Fähn­rich (FC Wan­gen), al­le­samt Stür­mer. Mit den be­reits un­ter Ver­trag ste­hen­den An­grei­fern Lu­kas Stütz­le und Patrick Onuo­ha hat Trai­ner Mar­co Kon­rad nun al­so ei­ne gro­ße Aus­wahl an Spie­lern für die ent­schei­den­den To­re, die in der ver­gan­ge­nen Sai­son ja in „knap­pen“Spie­len oft nicht ge­macht wur­den. Her­ma­nutz: „Das war ei­ne Fra­ge des Selbst­ver­trau­ens. Wenn der Druck so groß wird wie in der ver­gan­ge­nen Run­de, wenn es um den Klas­sen­er­halt geht, dann wer­den halt auch hier und da mal die Bei­ne schwer.“

Mit Druck wer­den die Pful­len­dor­fer in der neu­en Sai­son kon­struk­ti­ver um­ge­hen müs­sen. Mit dem Er­war­tungs­druck bei­spiels­wei­se, das Sai­son­ziel, den di­rek­ten Wie­der­auf­stieg, zu er­rei­chen. Und mit dem Druck, dem man sich als Meis­ter­schaft­stop­fa­vo­rit mit dem pro­mi­nen­tes­ten Na­men in der Li­ga au­to­ma­tisch aus­ge­setzt sieht. Gleich am ers­ten Spiel­tag dürf­te es beim Der­by beim FV Wal­berts­wei­ler/Ren­gets­wei­ler ei­nen Vor­ge­schmack da­von ge­ben, was auf die Mann­schaft in die­ser Sai­son zu­kommt. Her­ma­nutz: „Klar, die Geg­ner wer­den ge­gen uns an die Gren­zen ge­hen, wer­den ein Spiel­ver­hal­ten an den Tag le­gen wie in Po­kal­spie­len, in de­nen nur der Sieg zählt. Da­mit wer­den wir um­ge­hen müs­sen. Aber wir ha­ben auch die Spie­ler, die das kön­nen.“

Der SC Pful­len­dorf wird in der Re­gel auf de­fen­siv ein­ge­stell­te Geg­ner tref­fen. Bei der Sys­tem­fra­ge ist er den­noch fle­xi­bel: „Das wer­den die Trai­ner von Fall zu Fall ent­schei­den, ob man es of­fen­siv an­geht oder auch mal ab­war­tend“, sagt Her­ma­nutz.

Star­ke Pflicht­spiel­leis­tun­gen

In den Freund­schafts­spie­len konn­te das Kon­rad-Team bis­lang nicht im­mer über­zeu­gen. So gab es am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de bei ei­nem Tur­nier in Über­lin­gen ei­ne glat­te 0:4-Nie­der­la­ge ge­gen den TSV Berg. Doch wenn es dar­auf an­kam, war die Mann­schaft bis­lang zwei­mal voll da: Der 3:0-Aus­wärts­sieg in der Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de bei Lan­des­li­ga-Meis­ter­schafts­mit­fa­vo­rit Spvgg FAL war ein ein­drucks­vol­les State­ment, das mit dem 3:2-Erst­run­den­sieg ge­gen Ver­bands­li­gist FC Bad Dür­rheim, ge­gen den es in der ver­gan­ge­nen Ver­bands­li­ga­sai­son zwei Nie­der­la­gen ge­ge­ben hat­te, noch­mal dick un­ter­stri­chen wur­de. Mehr denn je darf der SC Pful­len­dorf seit­her als Top­Fa­vo­rit auf den Meis­ter­ti­tel in der Lan­des­li­ga Süd­ba­den III gel­ten.

FOTO: BODON

Für jun­ge Pful­len­dor­fer Spie­ler wie Jo­nas Kel­ler (links, hier im Zwei­kampf mit Ni­co Gumbl, Spvgg FAL), ist die Lan­des­li­ga si­cher­lich ein Um­feld, in dem sie sich op­ti­mal ent­wi­ckeln kön­nen. An­de­rer­seits wer­den auch Re­sul­ta­te er­war­tet, denn das Sai­son­ziel lau­tet di­rek­ter Wie­der­auf­stieg in die Ver­bands­li­ga Süd­ba­den.

FOTO: KHB

War Ab­stiegs­trai­ner und will in der neu­en Sai­son Auf­stiegs­trai­ner wer­den: Mar­co Kon­rad.

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