Wo Aus­zu­bil­den­de ih­re Vor­ge­setz­ten du­zen

Staats­se­kre­tä­rin Schütz in­for­miert sich über die Aus­bil­dung bei der „Ku­ma­vi­si­on AG“

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Markdorf - Von Chris­toph Dier­king

- Für Un­ter­neh­men ist es nicht im­mer ein­fach, Aus­zu­bil­den­de zu fin­den. Ka­trin Schütz, Staats­se­kre­tä­rin im Mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft, Ar­beit und Woh­nungs­bau, möch­te sich ein Bild da­von ma­chen, wie die Un­ter­neh­men mit der Si­tua­ti­on um­ge­hen. Der­zeit ist sie mit ei­ner De­le­ga­ti­on in der Re­gi­on un­ter­wegs. Ih­re Sta­ti­on in Markdorf: die Ku­ma­vi­si­on AG.

Schütz kennt sich in Sa­chen Aus­bil­dung aus: 15 Jahre – von 1991 bis 2006 – war sie selbst Aus­bil­de­rin in ei­nem mit­tel­stän­di­schen Un­ter­neh­men. „Aus­bil­der sind im­mer auch Päd­ago­gen“, sagt sie. Sie müss­ten für den Be­ruf be­geis­tern, mo­ti­vie­ren und da­für sor­gen, dass der Fun­ke bei den jun­gen Men­schen über­springt. „Ich hö­re im­mer wie­der, dass Schul­ab­sol­ven­ten Angst da­vor ha­ben, sich fest­zu­le­gen“, fügt Schütz hin­zu. Da­bei sei die Ent­schei­dung für ei­ne Aus­bil­dung nicht für die Ewig­keit: „Es be­steht im­mer die Mög­lich­keit zu wech­seln, wenn sie ab­ge­schlos­sen ist.“Ste­fa­nie Neuf­fer, Pres­se­re­fe­ren­tin im Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um, be­glei­tet die Staats­se­kre­tä­rin. Vie­le jun­ge Men­schen be­kom­men kei­nen Aus­bil­dungs­platz, lässt sie wis­sen. Gleich­zei­tig mel­den Un­ter­neh­men, dass sie nicht al­le Aus­bil­dungs­plät­ze be­set­zen kön­nen. Wie passt das zu­sam­men? Neuf­fer lie­fert ei­ne Er­klä­rung: „Vie­le fo­kus­sie­ren sich zu sehr auf ei­nen Aus­bil­dungs­be­ruf und ge­hen leer aus, wenn sie die­sen nicht be­kom­men.“Des­halb sei es wich­tig, sich über mög­li­che Al­ter­na­ti­ven zu in­for­mie­ren

Kul­tur­wan­del in der Wirt­schaft

Die Ku­ma­vi­si­on AG ist ein Soft­ware­un­ter­neh­men. Der­zeit sind 18 jun­ge Men­schen im Be­trieb, die deutsch­land­weit an sie­ben ver­schie­de­nen Stand­or­ten aus­ge­bil­det wer­den. El­ke Heu­buch, kauf­män­ni­sche Lei­te­rin, be­ob­ach­tet ei­nen Kul­tur­wan­del in der Wirt­schaft. „Kar­rie­re ist vie­len Men­schen nicht mehr so wich­tig wie frü­her“, sagt sie. Heu­te kom­me es dar­auf an, dass das Ver­hält­nis zwi­schen Ar­beit und Frei­zeit aus­ge­gli­chen ist. Des­halb sin­ke auch die Be­reit­schaft, auf Di­enst­rei­sen zu ge­hen. „Und im­mer häu­fi­ger wol­len Aus­zu­bil­den­de den Füh­rungs­kräf­ten auf Au­gen­hö­he be­geg­nen“, fügt die kauf­män­ni­sche Lei­te­rin hin­zu. Die Ku­ma­vi­si­on AG ha­be sich an den Zeit­geist an­ge­passt: „Bei uns du­zen sich al­le.“

Das Un­ter­neh­men be­tei­ligt sich an der „Initia­ti­ve Aus­bil­dungs­bot­schaf­ter“, die vom Land Ba­denWürt­tem­berg un­ter­stützt wird. Das Prin­zip ist sim­pel. Jun­ge Men­schen, die gera­de ei­ne Aus­bil­dung ma­chen, ge­hen in Schu­len und be­ant­wor­ten die Fra­gen der Schü­ler: Wie sieht die Aus­bil­dung in der Pra­xis aus? Was sind Vor- und Nach­tei­le des Be­rufs? Und wie viel ver­dient man? „Die Initia­ti­ve ist ein Er­folgs­mo­dell“, sagt Schütz. Weil die Aus­bil­dungs­bot­schaf­ter meis­tens nicht we­sent­lich äl­ter sind als sie selbst, wür­den sich die Schü­ler mit ihnen iden­ti­fi­zie­ren. Der­zeit gibt es 4500 ak­ti­ve Aus­bil­dungs­bot­schaf­ter, die rund 200 ver­schie­de­ne Be­rufs­fel­der re­prä­sen­tie­ren.

FO­TO: CHRIS­TOPH DIER­KING

Ka­trin Schütz (vor­ne, mit­tig), Staats­se­kre­tä­rin im Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um, be­sucht die Ku­ma­vi­si­on AG, um sich vor Ort ein Bild von der Aus­bil­dungs­si­tua­ti­on zu ma­chen.

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