Das wei­ße Ding da oben

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Markdorf - Von Hei­ke Klee­mann

Wenn sich Auf­re­gung im Bahn­ab­teil breit­macht, sind es ent­we­der al­les Schwarz­fah­rer, und der Kon­trol­leur er­scheint gera­de, oder des Häf­lers liebs­tes Him­mels­ob­jekt ge­rät gera­de in Sicht: Es ist im­mer wie­der nett zu be­ob­ach­ten, wel­che Fas­zi­na­ti­on vom Zep­pe­lin aus­geht.

Auch die klei­nen Pfad­fin­der, die von ir­gend­wo hin­ter Stutt­gart ins Zelt­la­ger an den See fah­ren, kön­nen sich dem nicht ent­zie­hen. „Da fliegt das be­rühm­te Luft­schiff”, sagt der Be­treu­er, was die Grund­schul­kin­der um­ge­hend ans Fens­ter stür­zen lässt: „Wo, wo? Ich seh nix”, sucht ei­ner hek­tisch den Him­mel ab. „Da, di­rekt vor dei­ner Na­se”, hilft der Be­treu­er. „Ach so, das wei­ße Ding da”, mur­melt der Pfad­fin­der-Mi­ni we­nig be­ein­druckt.

Hat er un­se­ren Zep­pe­lin eben als „das wei­ße Ding da” be­zeich­net? Das Ent­set­zen bei den ein­hei­mi­schen Mit­fah­rern im Wa­gen ist fast greif­bar. Un­ter Luft­schiff hat sich der klei­ne Pfad­fin­der of­fen­sicht­lich et­was an­de­res vor­ge­stellt; ver­mut­lich gin­gen sei­ne Über­le­gun­gen mehr in Rich­tung „Raum­schiff”, und er er­war­te­te wohl ei­ne Art „En­ter­pri­se” am Him­mel.

Das kön­nen wir lei­der nicht bie­ten. Un­ser Luft­schiff ist von der Form her eher, nun ja, schlicht, nen­nen wir es zweck­mä­ßig. Ein Zep­pe­lin braucht halt kei­nen Fir­le­fanz, hat er nicht nö­tig. Man muss wohl ei­ne ge­wis­se Rei­fe­stu­fe er­reicht ha­ben, um den Zep­pe­lin auch op­tisch an­ge­mes­sen wür­di­gen zu kön­nen.

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