Djan­go Asüls „Letz­te Pa­tro­ne“hat nicht ge­trof­fen

Die Show im Gro­ßen Zelt über­zeugt nicht al­le – Co­me­di­an bie­tet kei­nen Tief­gang

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Kulturufer - Von Ly­dia Schä­fer

FRIEDRICHSHAFEN - Das Pro­gramm von Djan­go Asül im Gro­ßen Zelt des Fried­richs­ha­fe­ner Kul­turu­fers hieß „Letz­te Pa­tro­ne“. Ge­trof­fen hat er da­mit nicht, we­der den Nerv der Mehr­heit des Pu­bli­kums noch die Er­war­tung, ei­nen schar­fen Geist auf der Büh­ne zu er­le­ben.

Ei­ne ku­gel­si­che­re Wes­te war so­mit nicht nö­tig, als der über­zeug­te Nie­der­bay­er mit tür­ki­schen Wur­zeln Ge­schich­ten aus sei­ner Kind­heit, dem Ver­eins- und Stamm­tisch­le­ben und der Po­li­tik zum Bes­ten gab.

Da­bei leg­te Djan­go Asül ei­nen viel­ver­spre­chen­den Auf­takt hin. Viel und gut ver­ar­bei­te­tes Lo­kal­ko­lo­rit in de­nen er die Häf­ler „Alt­stadt“aufs Korn nahm, die Zu­sam­men­hän­ge zwi­schen Zep­pe­lin, ZF und Dor­nier nach sei­nem Gut­dün­ken in­ter­pre­tier­te und auch das See­ha­sen­fest mit­ein­bau­te. Kurz ge­sagt: das Pu­bli­kum fühl­te sich ab­ge­holt. Da ist ei­ner, der kennt sich so­gar in Friedrichshafen aus. Nach dem ge­lun­ge­nen Warm-up stieg er auch gleich ins Pro­gramm ein. Der de­mo­gra­fi­sche Wan­del war sein ro­ter Fa­den an dem er sich ent­lang­han­gel­te.

Die Deut­schen wer­den im Jahr im Schnitt nur ei­ni­ge Ta­ge äl­ter, er gleich ein gan­zes Jahr. Was al­so tun, wenn er mit 48 be­reits in Ren­te ge­hen muss?

Er will in sei­nem Hei­mat­ort Hen­gers­bach, „bei dem so­gar die Pe­ri­phe­rie zen­tral liegt“, ei­ne Bür­ger­wehr grün­den. Au­ßer­dem be­sucht er re­gel­mä­ßig den Hen­gers­ba­cher Stamm­tisch, bei dem sich die ge­sell­schaft­li­che Durch­schnitts­schicht sei­nes Hei­mat­or­tes trifft und über die Ge­scheh­nis­se in der klei­nen und gro­ßen Po­li­tik nach­denkt.

Djan­go Asül be­weist durch­aus schau­spie­le­ri­sches Ta­lent, wenn er die Rol­len des phi­lo­so­phisch ver­an­lag­ten Hans oder die sei­nes tür­ki­schen Freun­des spielt. Der In­halt bleibt je­doch auf der Stre­cke. Stamm­tisch­weis­hei­ten zum Bes­ten zu ge­ben, ist die ei­ne Sa­che, sie zu ana­ly­sie­ren und im Kern aus­ein­an­der­zu­pflü­cken, ei­ne an­de­re. Letz­te­res blieb lei­der völ­lig aus, üb­rig blie­ben po­pu­lis­ti­sche Plat­ti­tü­den, de­nen der ka­ba­ret­tis­ti­sche Tief­gang fehl­te. Auch wenn er nach der Pau­se et­was auf­hol­te, wa­ren es die Ka­lau­er über Schul­be­such oder die Be­trach­tung des tür­ki­schen Freun­des auf die Bör­se, die das Pu­bli­kum zum La­chen brach­ten.

Wenn er je­doch in der Rol­le ei­nes äl­te­ren Stamm­tisch­bru­ders Asyl­su­chen­de mit Schnit­zel ver­gleicht, lässt er doch ein eher rat­lo­ses Pu­bli­kum zu­rück. Von ei­nem Ka­ba­ret­tis­ten er­war­tet der Zu­schau­er pro­vo­kan­te Aus­sa­gen, aber eben­so ei­ne Wer­tung und Ei­n­ord­nung.

Wie sag­te sein Kol­le­ge Fa­tih Çe­vik­kol­lu zum Kul­turu­fer­auf­takt im Klei­nen Zelt: „Als Ka­ba­ret­tist bin ich da­zu da vor­zu­den­ken, da­mit Sie nach­den­ken kön­nen“. Çe­vik­kol­lu ist das bei sei­nem Pu­bli­kum ge­lun­gen, Djan­go Asül nicht.

„Das war ober­fläch­lich, oh­ne Tief­gang und seich­te Un­ter­hal­tung, auch wenn der zwei­te Teil et­was bes­ser war“, sag­te ein Be­su­cher nach der Show.

Und der Ab­schied von Fa­tih Çe­vik­kol­lu bei sei­ner Show am ver­gan­ge­nen Frei­tag im Klei­nen Zelt be­kommt ei­ne ganz neue Be­deu­tung: „Wenn Ih­nen mein Pro­gramm ge­fal­len hat, bin ich Fa­tih Çe­vik­kol­lu. Wenn nicht, nen­nen Sie mich Djan­go Asül.“

FO­TO: LY­DIA SCHÄ­FER

Da hal­fen auch das Weiß­bier und die fri­sche Luft nicht mehr: Djan­go Asül im Gro­ßen Zelt.

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