Wenn der Ti­ger ruft, fol­gen die Fans

Von „It’s Not Unusu­al“bis „Sex­bomb“: Tom Jo­nes be­geis­tert sei­ne Fans

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Meersburg/deggenhausertal - Von Chris­toph Dier­king

- Tom Jo­nes trotzt der schwü­len Luft. Mit sei­ner un­ver­kenn­ba­ren Stim­me brach­te er sie wie­der in Schwung. Der Ti­ger – so lau­tet der Spitz­na­me des wa­li­si­schen Sän­gers – ist nicht lei­ser ge­wor­den und spiel­te am Don­ners­tag­abend ein gran­dio­ses Kon­zert. Rund 2500 Men­schen hat­ten sich auf dem Schloss­platz in Meersburg ver­sam­melt, um da­bei zu sein.

Kon­zert­be­su­cher To­ny Moss hat ei­ne Flag­ge mit­ge­nom­men. Das Mo­tiv: ein ro­ter Dra­che. Es ist die Flag­ge aus sei­ner Hei­mat Wa­les, wo das „Gre­en, Gre­en Gras of Ho­me“blüht. „Wa­les ist das Land der Le­gen­den“, sagt er. Und ei­ne die­ser Le­gen­den hei­ße Tom Jo­nes. Ge­mein­sam mit sei­ner Frau Ka­ren be­sucht er Meersburg. Für sie ist klar: „Wenn der Ti­ger ruft, fol­gen die Fans.“

Es sind vie­le, die ihm ge­folgt sind. Die Men­schen ju­beln, als Schein­wer­fer die Büh­ne in blau­es Licht hül­len, die Gi­tar­ris­ten die Sai­ten an­schla­gen und die ers­ten Riffs aus den Ver­stär­kern tö­nen. Dann schleicht der Ti­ger von links auf die Büh­ne. Er strahlt Ru­he und Ge­las­sen­heit aus. „Burning Hell“ist sein ers­ter Song. Vor ihm er­streckt sich ein Meer aus Hän­den.

„Sex­bomb“mal an­ders

Neun Mu­si­ker hei­zen die Stim­mung an. Bei den Blas­in­stru­men­ten sticht ein wei­ßes Sous­a­phon her­vor, ei­ne be­son­de­re Tu­ba, de­ren Trich­ter sich nach oben und nach vor­ne aus­rich­ten lässt. Nach „Ma­ma Told Me Not to Co­me“fügt Tom Jo­nes mit ei­nem spitz­bü­bi­schen Lä­cheln hin­zu: „May­be I should ha­ve lis­tened“–

„Viel­leicht hät­te ich auf sie hö­ren sol­len“. Sei­nen Su­per­hit „Sex­bomb“prä­sen­tiert er, so scheint es, in ei­ner ru­hi­gen Ver­si­on. Klar und deut­lich ar­ti­ku­liert er je­des Wort. Bis zum En­de des ers­ten Re­frains be­glei­ten ihn nur Ak­kor­de, wel­che die Key­boar­der spie­len. Gän­se­haut. Doch dann stim­men Schlag­zeug, Gi­tar­re und Blas­in­stru­men­te ein und auf dem Schloss­platz gibt es kein Hal­ten mehr. Auch nicht bei den Ret­tungs­sa­ni­tä­tern, die vor der Büh­ne ste­hen.

Be­kannt ge­wor­den ist Tom Jo­nes nicht nur für sei­ne Mu­sik, son­dern auch für sei­nen Hüft­schwung und das Brust­haar, das einst aus sei­nem of­fe­nen Hemd quoll. Heu­te trägt der in­zwi­schen 77-Jäh­ri­ge ein blau­es Sak­ko, das Hemd ist zu­ge­knöpft. Nur die Ket­te mit dem Kreuz lugt un­ter

dem Kra­gen her­vor. Auch sei­ne Fans sind äl­ter ge­wor­den. Aber sie klat­schen, ju­beln, pfei­fen, tan­zen und stre­cken die Ar­me in die Hö­he, als hät­ten sie sich auf ei­ne Zei­t­rei­se in ih­re Ju­gend be­ge­ben. Und stimm­lich hat der Sän­ger nicht nach­ge­las­sen. Ganz im Ge­gen­teil: „Tom Jo­nes ist wie ein gu­ter Wein“, sagt ei­ne Kon­zert­be­su­che­rin. Mit den Jah­ren wer­de er im­mer bes­ser.

Die See­le ei­nes Man­nes

Die Stim­me ver­liert in kei­ner Ton­la­ge an Kraft und Vo­lu­men. Bei „De­li­lah“bet­telt sie um Ver­ge­bung. Bei „Soul of a Man“be­gibt sie sich auf die Su­che nach Ant­wor­ten auf die Fra­ge, was die See­le ei­nes Man­nes aus­ma­che. Und bei „Kiss“stellt sie un­miss­ver­ständ­lich klar: „You don’t ha­ve to

be rich to be my girl.“1986 hat­te Prin­ce die­se Zei­le in die Öf­fent­lich­keit ge­tra­gen. Zwei Jah­re spä­ter mach­te Tom Jo­nes die Num­mer in Las Ve­gas zu ei­nem Hit.

Mit „It’s Not Unusu­al“be­sinnt sich Tom Jo­nes auf sei­ne mu­si­ka­li­schen An­fän­ge. Sicht­lich er­leich­tert ist der ver­schwitz­te Mu­si­ker, als er das blaue Sak­ko bei sei­ner In­ter­pre­ta­ti­on von „You Can Lea­ve Your Hat On“aus­zieht. Am En­de stimmt er „Stran­ge Things Hap­pen Ever­y­day“an, den letz­ten Song des Abends. So­bald das Wort „Ever­y­day“sei­ne Lip­pen ver­las­sen hat, reißt er er­war­tungs­voll die Au­gen auf, hält das Mi­kro­fon über die Büh­nen­kan­te und lä­chelt. Das Pu­bli­kum ver­steht ihn und wie­der­holt: „Ever­y­day“. Wenn der Ti­ger ruft, fol­gen die Fans.

FO­TO: AN­DY HEIN­RICH

Tom Jo­nes ist seit sei­nem Hit „It´s not Unusu­al“kein biss­chen lei­ser ge­wor­den.

FO­TO: AN­DY HEIN­RICH

Ent­spann­te Stim­mung bei den Fans im Pu­bli­kum. Der Ti­ger kann auch mal lei­se.

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