„In die­sen Zei­ten müs­sen wir zu­sam­men sin­gen“

Ali­ne Fra­zão nimmt das Pu­bli­kum mit in ih­re Hei­mat

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Kulturufer - Von Le­na Rei­ner

- Am Don­ners­tag­abend war die an­go­la­ni­sche Sin­ger-Song­wri­te­rin Ali­ne Fra­zão zum zwei­ten Mal im Klei­nen Zelt auf dem Kul­turu­fer zu Gast und be­zau­ber­te ihr Pu­bli­kum mit ih­rer Mu­sik, ih­rem La­chen und ih­rer Bot­schaft an die Welt: „We ha­ve to sing to­ge­ther in this era“, rich­tet sie sich ans Pu­bli­kum („In die­sen Zei­ten müs­sen wir zu­sam­men sin­gen.“) und er­gänzt: „Wir ha­ben Do­nald Trump und all die Ver­rück­ten.“

Deut­lich un­po­li­ti­scher, aber min­des­tens eben­so emo­tio­nal ging es den üb­ri­gen Abend zu. Dann et­wa, als Fra­zão zum La­mel­lo­phon, ei­nem klei­nen Dau­men­kla­vier, griff. „Das hat in Afri­ka vie­le Na­men“, ver­riet sie. „Kalim­ba“ist wohl der be­kann­tes­te un­ter ih­nen, wei­ter zähl­te sie „Mbi­ra“auf und ein na­sal ge­spro­che­nes „San­za“, so hei­ße das In­stru­ment in ih­rer Hei­mat An­go­la. Es blieb das ein­zi­ge Lied des Abends, das sie al­lei­ne zum Bes­ten gab – nur sie mit dem klei­nen un­ge­wöhn­li­chen In­stru­ment am Mi­kro­fon.

Das Pu­bli­kum lausch­te ge­bannt, es war mucks­mäus­chen­still bis auf die Mu­sik, die vom Gro­ßen Zelt her­über schall­te. Sie sang von Hei­mat, von dem Ge­fühl, nach Hau­se zu kom­men und da­von, wie­der dort­hin zu­rück­zu­keh­ren, wo man hin­ge­hö­re. Das Lied ha­be sie ge­schrie­ben, als sie in Por­tu­gal leb­te. In­zwi­schen woh­ne sie wie­der in Luan­da in ih­rer Hei­mat An­go­la, aber das Lied sei im­mer noch wich­tig und be­son­ders für sie. Mit dem ein­zi­gen nicht von ihr selbst kom­po­nier­ten und ge­schrie­be­nen Stück des Abends ent­führ­te sie dann das Pu­bli­kum noch wei­ter in ih­re Hei­mat An­go­la. Sie gab ei­nen „Sim­ba“zum Bes­ten, den sie als den „Ur­groß­va­ter des bra­si­lia­ni­schen Sam­ba“be­zeich­ne­te.

Dann be­dau­er­te die Sän­ge­rin, dass sie kei­ne deut­schen Lied­tex­te schrei­ben kön­ne, denn: „Ich bin Sin­ger-Song­wri­te­rin und die Tex­te sind ein wich­ti­ger Be­stand­teil mei­ner Mu­sik.“Dar­auf lach­te sie und füg­te hin­zu, dass sie kürz­lich fest­ge­stellt ha­be, dass sie deut­lich mehr Deutsch be­herr­sche als Ita­lie­nisch. Im­mer wie­der streu­te sie wäh­rend des Abends kur­ze An­sa­gen in deut­scher Spra­che ein und be­kam be­son­ders viel spon­ta­nen Ap­plaus da­für, dass sie „Friedrichshafen“kor­rekt aus­spre­chen konn­te. Ein wei­te­res Lied wid­me­te sie je­man­dem, der nicht mehr da sei. Ei­ne trau­ri­ge Me­lo­die er­klang, die durch die Spiel­freu­de der Band je­doch nicht schwer­mü­tig wirk­te. Über­haupt über­zeug­te Fra­zão mit emo­tio­na­len Wer­ken und ei­ner an­ge­nehm schlich­ten, au­then­ti­schen Per­for­mance. Auch wenn die meis­ten we­der Por­tu­gie­sisch noch Spa­nisch be­herrsch­ten – was die Mu­si­ke­rin zu Be­ginn des Kon­zerts ab­frag­te – wa­ren die Bot­schaf­ten ih­rer Lie­der all­ge­mein ver­ständ­lich. Ihr Ge­sicht ver­kör­per­te je­de Emo­ti­on und ih­re Hän­de und Fin­ger­spit­zen er­gänz­ten sie. Manch ein Rhyth­mus ging bis in die Fuß­spit­zen und das Pu­bli­kum wipp­te im Takt mit.

So ging ei­nes der klei­nen, fei­nen Wohn­zim­mer­kon­zer­te im Zir­kus­zelt mit viel Bei­fall zu En­de.

FO­TO: LE­NA REI­NER

Ali­ne Fra­zão über­rascht ihr Pu­bli­kum mit deut­schen An­sa­gen und steckt mit gu­ter Lau­ne an.

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