Angst vor Ge­walt über­schat­tet Wah­len in Ke­nia

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Meinung & Dialog -

Als Amts­in­ha­ber tritt Uhu­ru Ke­nyat­ta, äl­tes­ter Sohn des Staats­grün­ders Jo­mo Ke­nyat­ta, zur Wie­der­wahl an. Ke­nyat­ta ju­ni­or gilt als ei­ner der An­stif­ter der Ge­walt­or­gie von 2007. Er war des­we­gen vom In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hof an­ge­klagt wor­den. In dem Ver­fah­ren wur­den Zeu­gen so mas­siv un­ter Druck ge­setzt, dass die An­kla­ge schließ­lich aus Man­gel an Be­wei­sen fal­len ge­las­sen wer­den muss­te.

Wäh­ler ent­schei­den nach Eth­nie

Nichts ge­än­dert hat sich am grund­le­gen­den Übel der ke­nia­ni­schen De­mo­kra­tie: Vie­le Wäh­ler stim­men ent­lang eth­ni­scher Li­ni­en ab, weil sie sich nur von An­ge­hö­ri­gen der ei­ge­nen Volks­grup­pe Un­ter­stüt­zung er­hof­fen. Auch die bei­den Spit­zen­kan­di­da­ten ge­hö­ren un­ter­schied­li­chen Be­völ­ke­rungs­grup­pen an: Ke­nyat­ta ge­hört zum Volk der Ki­kuyu; Odin­ga ist An­ge­hö­ri­ger der Luo. Bei­de wer­fen sich ge­gen­sei­tig vor, die Wahl fäl­schen zu wol­len. Da­mit bau­en sie be­reits für den Fall ei­ner Nie­der­la­ge vor – nach der Wahl könn­ten sie dann ih­re An­hän­ger zum ge­walt­sa­men Pro­test auf­ru­fen. Schon jetzt nut­zen Po­li­ti­ker al­ler La­ger je­de Ge­le­gen­heit, um die Wäh­ler auf­zu­wie­geln – bis hin zu Mord­auf­ru­fen.

Dass das kei­ne lee­re Dro­hung ist, zeigt der Fall von Chris Msan­do. Der Com­pu­ter­ex­per­te hat­te für die Wahl­kom­mis­si­on ein Sys­tem zur elek­tro­ni­schen Über­tra­gung der Wah­l­er­geb­nis­se er­mit­telt. Er war ei­ner der we­ni­gen Men­schen mit Zu­griff auf al­le Da­ten. Das kos­te­te ihn das Le­ben: Seit dem letz­ten Ju­li­wo­chen­en­de wur­de er ver­misst, am Mon­tag dar­auf fand man sei­ne ver­stüm­mel­te Lei­che – Msan­do war ge­fol­tert wor­den. Die Tä­ter sind un­be­kannt.

Als Prä­si­dent kann Ke­nyat­ta auf ei­nen wirt­schaft­li­chen Auf­schwung ver­wei­sen, den das Land in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ver­zeich­net hat. Al­ler­dings gilt der Staat als ei­ner der kor­rup­tes­ten welt­weit. Wer die Macht hat, hat weit­ge­hend un­kon­trol­lier­ten Zu­griff auf die Staats­kas­se. Auch des­we­gen ist der Kampf um die Macht so hart. Noch mehr Zu­gän­ge zu staat­li­chem Geld hat die De­zen­tra­li­sie­rung in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ge­bracht. Seit­dem die Zen­tral­re­gie­rung mehr Be­fug­nis­se an die 47 Be­zir­ke über­tra­gen hat, so läs­tern Ke­nia­ner, hat sich auch die Kor­rup­ti­on ver47-facht.

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