Öku­me­ne in der Kunst – Öku­me­ne ei­ne Kunst

Hu­bert Gaupp zeigt Farb­holz­schnit­te und Il­lus­tra­tio­nen zum Kon­stan­zer Kon­zil und zum Re­for­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Immenstaad/oberteuringen - Von Hel­mut Voith

- Um die Er­öff­nung von Hu­bert Gaupps Aus­stel­lung „Öku­me­ne in der Kunst“mit­zu­er­le­ben, sind zahl­rei­che Kunst­lieb­ha­ber am Sams­tag­abend in den Kul­tur­schup­pen am Gleis 1 ge­kom­men. Ein­zig die Hit­ze in der Hal­le macht den Be­su­chern bei die­sem Er­eig­nis zu schaf­fen, es dau­ert, bis man sich ak­kli­ma­ti­siert hat.

Auf ei­nem Tisch mit­ten im Raum wer­den noch schnell ei­ni­ge Holz­kreu­ze auf die ent­ste­hen­de Plas­tik ge­klebt, ei­ne von Hu­bert Gaupp in­iti­ier­te Ak­ti­on. Aus klei­nen Wür­feln konn­te schon zu Hau­se ein grie­chi­sches Kreuz zu­sam­men­ge­klebt wer­den, das nun mit vie­len an­de­ren zur wach­sen­den Plas­tik wird. Das Be­son­de­re da­bei: Es wird ein Ge­mein­schafts­werk; Kunst, die nicht nur be­trach­tet wird, son­dern in die man sich ak­tiv ein­brin­gen kann, eben­so wie in der Öku­me­ne.

Tat­sa­che und Kom­men­tar

Die Aus­stel­lung mit dem Ti­tel „Öku­me­ne in der Kunst“be­steht aus zwei Tei­len – Bil­der zum Kon­stan­zer Kon­zil und zum Re­for­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um wer­den durch die Kreuz­plas­tik mit­ein­an­der ver­bun­den. Da sind zum ei­nen 22 Farb­holz­schnit­te, in Pap­pel­holz ge­schnit­te­ne Uni­ka­te zum The­ma „600 Jah­re Kon­zil zu Kon­stanz“.

„Ei­gent­lich ist sehr we­nig pas­siert auf dem Kon­zil“, sagt da­zu Hu­bert Gaupp. Er hat wich­ti­ge Aspek­te her­aus­ge­grif­fen und auf zwei Ebe­nen dar­ge­stellt: je­weils die Tat­sa­che und da­zu ei­nen Kom­men­tar zum Hin­ter­grund. Und das na­tür­lich, wie bei ihm nicht an­ders zu er­war­ten, sehr geist­voll, sehr hin­ter­grün­dig. Das Kon­zils­the­ma be­leuch­tet am Er­öff­nungs­abend Alex­an­der Myh­sok in ei­nem Vor­trag, wie man ihn nur viel zu sel­ten er­le­ben darf. In prä­gnan­ter Kür­ze und im­mer auch für Nicht­fach­leu­te ver­ständ­lich se­ziert Gaupps ehe­ma­li­ger Schul­ka­me­rad das Kon­zil.

Fa­zit: Es ging dort we­ni­ger um Re­for­men als um Macht. Lu­ther muss­te zwangs­läu­fig kom­men, und es gibt auch heute noch viel zu tun. Für Gaupp ist ein we­sent­li­cher Ge­dan­ke, dass die Frei­heit von Gott ge­schenkt sei – ei­ne gu­te Über­lei­tung zu dem von Pfar­re­rin Christiane Koh­ler-Weiß im Auf­trag der Evan­ge­li­schen Lan­des­kir­che in Würt­tem­berg er­ar­bei­te­ten Grund­satz­text zur Re­for­ma­ti­on. Die­sen hat Gaupp mit 18 spre­chen­den Fe­der­zeich­nun­gen il­lus­triert, et­wa die For­de­rung, „ein­an­der re­spekt­voll in den Blick neh­men, auch wenn der Rück­spie­gel den Blick nach vor­ne ver­deckt.“

Kla­re, ver­ständ­li­che Wor­te

Die Aus­stel­lung zeigt die Ori­gi­na­le zu die­ser Serie. Und wie­der ein Glücks­fall: Zum The­ma Re­for­ma­ti­on spricht Pe­ter St­ein­le, der neue evan­ge­li­sche Pfar­rer von Me­cken­beu­ren, klar und ver­ständ­lich auf den Punkt ge­bracht. An­ders als heute wa­ren die Men­schen zu Lu­thers Zeit von vie­len Ängs­ten be­herrscht, wie vor Fe­ge­feu­er und Höl­le, und kei­ner hät­te ge­wagt, die Kir­che zu ver­las­sen: Die­se Angst sei ih­nen ge­nom­men wor­den, die Be­frei­ung war voll­stän­dig, auch der Weg­gang von der Kir­che mög­lich. Doch die Kir­che ha­be auch heute noch viel zu sa­gen, sei im­mer in Be­we­gung: „Pa­cken wir’s an.“Mu­tig an­ge­packt hat auch Noah Ha­gen, der die Er­öff­nung mit Gi­tar­ren­spiel be­glei­tet hat.

Der Be­such der Aus­stel­lung ist zu emp­feh­len, auch wenn er die Er­öff­nung nicht er­set­zen kann. Öku­me­ne in der Kunst – Öku­me­ne ei­ne Kunst. Hu­bert Gaupp hat ei­nen Weg zur Ver­wirk­li­chung an­ge­legt. Dar­über hin­aus zeigt er in ei­ner Rei­he von Bild­käs­ten zeit­kri­ti­sche phi­lo­so­phi­sche Be­trach­tun­gen.

FO­TO: HEL­MUT VOITH

Hu­bert Gaupps Aus­stel­lung „Öku­me­ne in der Kunst“: Aus Kreu­zen ent­steht ei­ne Skulp­tur.

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