Flak­hel­fer-Pro­jekt geht vor­erst zu En­de

Schü­ler ler­nen die Ge­schich­te der Schü­ler­sol­da­ten im Zwei­ten Welt­krieg ken­nen

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - FRIEDRICHSHAFEN - FO­TO: PR

(sz) - „Sie wis­sen heu­te mehr über sie als nur ih­re Na­men.“Die Ge­schichts­leh­re­rin Ma­ria An­na Mohr hat den Ab­schluss des Flak­hel­fer-Pro­jek­tes in der Klas­se 9d des Graf-Zep­pe­lin-Gym­na­si­ums (GZG) auf den Punkt ge­bracht. Die Schü­ler hat­ten sich im zu En­de ge­gan­ge­nen zwei­ten Schul­halb­jahr zu­sam­men mit Hart­mut Semm­ler, Mit­ar­bei­ter im Stadt­ar­chiv, und Klas­sen­leh­rer Phil­ipp Götz mit dem The­ma Schü­ler­sol­da­ten be­schäf­tigt, die im Zwei­ten Welt­krieg mit 15 oder 16 Jah­ren aus der Schu­le in die Flak­stel­lun­gen ge­schickt wur­den.

Ab­schlie­ßend prä­sen­tier­ten die Schü­ler in der Au­la des GZG vor ei­ni­gen der Zeit­zeu­gen, die sie be­fragt hat­ten, ih­re Er­geb­nis­se: Von Zeit­zeu­gen­be­fra­gun­gen, Ex­kur­sio­nen an Or­te des Luft­krie­ges in und um Fried­richs­ha­fen bis hin zur Lek­tü­re von Er­in­ne­run­gen und Brie­fen. Das Pro­jekt ha­be Ein­sich­ten ver­mit­telt, die ein nor­ma­ler Ge­schichts­un­ter­richt nicht hät­te lie­fern kön­nen, hieß es.

„Es war be­ein­dru­ckend“, schil­dert ei­ne Schü­le­rin ih­re Be­geg­nung mit ei­nem der eins­ti­gen Flak­hel­fer,

„wie er mit den po­si­ti­ven Ge­füh­len die ne­ga­ti­ven Er­fah­run­gen des Krie­ges über­deckt hat.“Mu­tig emp­fin­det Ma­ria An­na Mohr ih­re Schü­ler, die sich ge­traut ha­ben, den eins­ti­gen Flak­hel­fern auch un­an­ge­neh­me Fra­gen zu stel­len. Her­aus­ge­ris­sen aus dem Schul­all­tag von ei­nem Re­gime, das auf den geis­ti­gen Still­stand setz-

te. „Es gab en­ga­gier­te mu­ti­ge Leh­rer, die raus sind in die Ge­schütz­stel­lun­gen und dort un­ter un­mög­li­chen Be­din­gun­gen die Jun­gen un­ter­rich­tet ha­ben,“wis­sen die Ju­gend­li­chen heu­te auch von ih­ren Zeit­zeu­gen.

Drei Schü­le­rin­nen ha­ben in ei­nem kur­zen Film Wo­chen­schau­aus­schnit­te ge­gen heu­ti­ge Schul­sze­nen

ge­setzt. Dort der Krieg, die Zer­stö­rung, das Auf­ge­wühlt­sein, hier die Ru­he, der Frie­den, zum Bei­spiel der un­be­las­te­te Sport­un­ter­richt.

Ein­ge­flos­sen sind die­se Er­kennt­nis­se auch in den Kunst­un­ter­richt von Pe­dro Kris­ko. Aus­ge­hend von der Fra­ge, was ist und kann po­li­ti­sche Kunst, ha­ben die Schü­ler Ar­bei­ten ent­wi­ckelt, die das The­ma Krieg und Ge­walt auf­grei­fen. Zum Bei­spiel die auf den ers­ten Blick harm­los wir­ken­de Mo­dell­ei­sen­bahn – wenn sich da nicht der der­be St­a­chel­draht durch die Land­schaft win­den wür­de. Oder je­nes Ter­ra­ri­um, das auf den zwei­ten Blick ei­ne ver­wüs­te­te Kriegs­sze­ne­rie dar­stellt. Ein Mahn­mal soll in Zu­kunft vor dem Alt­bau des GZG die Na­men der sie­ben ge­fal­le­nen GrafZep­pe­lin-Ober­schü­ler eh­ren. Ei­ne Ex­kur­si­on hat­te die Grup­pe nach Kluft­ern ge­führt, wo am 24. April 1944 ein ame­ri­ka­ni­scher Bom­ber ge­trof­fen wur­de und ab­stürz­te. Be­rüh­rend die Be­mer­kung von Phil­ipp Götz, dass in der Nach­fol­ge die­ses Un­glücks bis heu­te ein Post­kar­ten­wech­sel zwi­schen Deutsch­land und den USA le­ben­dig ge­hal­ten wird, in dem die ame­ri­ka­ni­sche Schrei­be­rin im­mer wie­der den Frie­den „fo­re­ver“be­schwört.

Das Pro­jekt soll im nächs­ten Schul­jahr wei­ter­ge­hen. Un­ter an­de­rem könn­te sich dann die Fra­ge stel­len, wie die auf­wen­di­ge Ar­beit der Schü­ler in die Aus­stel­lung des Schul­mu­se­ums fin­den kann.

Mit klei­nen Ge­schen­ken dan­ken die Schü­ler den Zeit­zeu­gen für ih­re Of­fen­heit und Mit­ar­beit.

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