Ein et­was un­ge­dul­di­ger Au­to­fah­rer

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - MARKDORF - Von Mar­vin We­ber

Ei­gent­lich mag ich das Au­to­fah­ren. Ich ge­hö­re auch zu den mehr als 18 Mil­lio­nen Men­schen, die täg­lich meh­re­re Ki­lo­me­ter zwi­schen Ar­beits­platz und Zu­hau­se hin- und her­pen­deln. Und meis­tens ge­nie­ße ich die­se Stre­cke. Manch­mal brennt bei mir auf den rund 20 Ki­lo­me­tern je­doch die Si­che­rung durch, da ich ein, nen­nen wir es mal, un­ge­dul­di­ger Au­to­fah­rer bin. Bö­se Zun­gen ha­ben mich auch schon als Dräng­ler be­zeich­net.

Auf dem Heim­weg ei­nes Abends in die­ser Wo­che mach­te sich mei­ne Un­ge­duld wie­der ein­mal deut­lich be­merk­bar. Auf hal­ber Stre­cke bil­de­te sich ein Stau, der auch nicht so schnell wie­der ver­schwand. Ein Au­to­fah­rer vor mir bog links ab in Rich­tung ei­nes Wohn­ge­bie­tes. Ich dach­te mir: „Gu­te Idee, der wird sich si­cher­lich aus­ken­nen. Dem fol­ge ich jetzt und kann den Stau um­fah­ren.“Je­doch war der Ein­hei­mi­sche et­was zu schnell un­ter­wegs, so­dass ich ihn be­reits nach ei­ni­gen Me­tern aus den Au­gen ver­lo­ren hat­te. Ich fuhr erst ein­mal wei­ter. Im­mer der Na­se und dem Ge­fühl nach. Mal links, mal rechts. Ir­gend­wann stand ich mit­ten im Nir­gend­wo, hat­te kom­plett die Ori­en­tie­rung ver­lo­ren. Mit dem Na­vi fand ich wie­der auf den rich­ti­gen Weg.

Mit mei­nem Um­weg ha­be ich mir be­stimmt ei­ne Ex­tra­fahr­zeit von rund ei­ner Vier­tel­stun­de ein­ge­han­delt. Wä­re ich ein­fach im Stau ste­hen ge­blie­ben, wä­re es schnel­ler vor­an ge­gan­gen. Zu gu­ter Letzt noch das: Was ist auf Land­stra­ßen be­son­ders ner­vig? Rich­tig, schlei­chen­de Trak­to­ren, die man nicht über­ho­len kann. Und ge­nau die­sen hat­te ich auf den letz­ten Me­tern auch noch vor mir. Für mich ein Zei­chen, beim nächs­ten Mal ein­fach die Ru­he zu be­wah­ren und brav im Stau ste­hen zu blei­ben.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.