Zwi­schen Ge­hen und An­kom­men: Blaue Blu­me ist ent­wur­zelt

Das Wohn- und Kul­tur­pro­jekt kann nur schritt­wei­se um­zie­hen

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - FRIEDRICHSHAFEN - Von Le­na Rei­ner

- Am Mitt­woch hat der vor­erst auf­wen­digs­te Um­zugs­tag des Wohn- und Kul­tur­pro­jekts „Blaue Blu­me“statt­ge­fun­den. Mit Trak­to­ren, Mu­sik und gu­ter Lau­ne wur­den Ge­bäu­de­tei­le, Ein­rich­tung und Ge­schirr von der Ap­fel­wie­se an der Wind­ha­ger Stra­ße zum Platz am al­ten Heiz­haus im Fal­len­brun­nen um­ge­zo­gen. Die aus­ge­bau­ten Bau­wä­gen, die als Woh­nun­gen die­nen, ver­blie­ben vor­erst auf der Ap­fel­wie­se.

Für die sie­ben Be­woh­ner der Blau­en Blu­me hat da­mit ei­ne un­ge­wis­se Zeit be­gon­nen: Be­vor die Er­schlie­ßung des Ge­län­des nicht end­gül­tig mit der Stadt­ver­wal­tung ge­klärt ist, darf hier zwar ge­baut, aber nicht ge­lebt wer­den (wir be­rich­te­te­ten). Nach ei­nem Ge­spräch mit Ver­tre­tern der Stadt, des Stadt­werks so­wie Tief­bau­pro­fis am Mon­tag sei­en sie gu­ten Mu­tes, aber die Er­schlie­ßung wer­de si­cher­lich noch ei­ni­ge Wo­chen in An­spruch neh­men, er­klär­te Fer­di­nand Nehm. Das hat die Blaue Blu­me nun vor­erst ent­wur­zelt.

„Der neue Platz fühlt es sich noch nicht nach Zu­hau­se an, weil das Wohn­pro­jekt noch nicht hier ist“, mein­te Char­ly Michae­lis. Der ehe-

ma­li­ge Stand­ort ver­mitt­le al­ler­dings auch ein selt­sa­mes Ge­fühl: „Man sieht ihm an, dass er nicht mehr be­lebt ist und kei­ne Zu­kunft mehr in ihm steckt.“Loui­sa Dein­hart, die eben­falls zu den Be­woh­nern zählt, er­gänz­te, dass es zwar die Plä­ne ge­be, aber „so rich­tig vor­stel­len, wie das wird“, das kön­ne sich noch nie­mand von ih­nen. „Es gibt vie­le Fra­gen, die sich erst wäh­rend des Woh­nens hier be­ant­wor­ten wer­den. Et­wa: Wo sind tags­über die bes­ten Schat­ten­plät­ze?“

Ins­ge­samt er­ken­ne sie in dem neu­en Stand­ort vor al­len neue Chan­cen. Zum ei­nen sei man nach ei­nem Um­zug im­mer in Ba­s­tel­lau­ne, so dass man auch neue Din­ge bau­en kön­ne, die man sich ei­gent­lich schon län­ger ge­wünscht ha­be. „Ich möch­te ei­ne Hol­ly­wood­schau­kel“, ver­riet sie.

Zum an­de­ren ge­be es hier neue Nach­barn, aber kei­ne ech­te Wohn­ge­gend ne­ben­an, das sei ei­ne völ­lig an­de­re Si­tua­ti­on als bis­lang. Sie sei da­her neu­gie­rig, wie das Zu­sam­men­le­ben mit den Stu­den­ten sich ent­wi­ckeln wer­de. „Ich bin ge­spannt, ob die mal ih­re „Bub­b­le“ver­las­sen und in un­se­re „Bub­b­le“kom­men, die ein­fach we­ni­ger stu­den­tisch und mehr Fried­richs­ha­fen ist.“

Ab­schieds­schmerz und Vor­freu­de

Über­haupt möch­te die Blaue Blu­me wei­ter­hin ein Ort sein, an dem sich Men­schen al­ler Art – alt­ein­ge­ses­sen, neu zu­ge­zo­gen oder auch nur zu Be­such – be­geg­nen kön­nen und das städ­ti­sche Le­ben mit­ge­stal­ten. Auch Nehm schwank­te zwi­schen Ab­schieds­schmerz und Vor­freu­de: „Des­we­gen sind wir so glück­lich,

dass wir den Um­zug mit ei­nem Fes­ti­val rah­men kön­nen. Da be­kommt bei­des Raum: der ge­büh­ren­de Ab­schied und das Ken­nen­ler­nen des neu­en Plat­zes.“Auf die­se Art und Wei­se sei­en bei­de Ge­füh­le per­ma­nent da, hät­ten aber auch den ent­spre­chen­den Ort.

Sehr dank­bar sei er auch über den tol­len Ein­satz der rund 30 Hel­fer von Nah und Fern, so­gar in­ter­na­tio­na­le Gäs­te hät­ten sich ih­nen an­ge­schlos­sen. In­dra Küs­ter freu­te sich der­weil vor al­lem über den end­lich er­reich­ten Sta­tus der Le­ga­li­tät. „Da­durch wer­den Res­sour­cen frei und Zeit, die wir für Ver­an­stal­tun­gen nut­zen kön­nen oder um die Stadt mit­zu­ge­stal­ten.“Für sie be­gin­ne mit dem Um­zug ei­ne neue Ära der neu­en Blu­me, auf die sie sehr ge­spannt sei. „Ich freue mich auf das, was da kommt!“

FO­TO: LE­NA REI­NER

Mit zahl­rei­chen Hel­fern zieht die Blaue Blu­me von der Ap­fel­wie­se an der Wind­ha­ger Stra­ße in den Fal­len­brun­nen um.

FO­TO: LE­NA REI­NER

Der Was­ser­turm wird ge­mein­sam ab­ge­baut.

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