In­nig­keit und über­schäu­men­de Ko­mö­di­an­tik

Groß­ar­ti­ges Kon­zert mit rus­si­schen Künst­lern aus Nish­nij Now­go­rod

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - IMMENSTAAD - Von Chris­tel Voith

- Ei­gent­lich ist man skep­tisch, wenn wie­der ein­mal ein „Kon­zert der Son­der­klas­se“an­ge­kün­digt wird, doch nach dem Be­such am Di­ens­tag­abend im Bür­ger­saal in Immenstaad kann man be­geis­tert dem zu­stim­men, was Kon­rad Vee­ser vom Ka­tho­li­schen Bil­dungs­werk Immenstaad-Ha­gnau ver­spro­chen hat­te.

Von der ers­ten Arie aus Ver­dis Oper „Si­mon Boc­ca­ne­gra“an war das Kon­zert mit Bass­ba­ri­ton Ste­pan Egu­raev, sei­ner Frau, der So­pra­nis­tin An­na Egu­rae­va, und der Pia­nis­tin Lei­la Za­morska­ya ein be­son­de­res Er­leb­nis, vor al­lem dank der un­ge­heu­ren Prä­senz und Viel­sei­tig­keit des Sän­gers. Schon seit ei­ni­gen Jah­ren be­steht die Freund­schaft zwi­schen Immenstaad und der an der Wol­ga ge­le­ge­nen Mil­lio­nen­stadt Nish­nij Now­go­rod, zum fünf­ten Mal fand nun ein Kon­zert in der Rei­he „Im Zei­chen der Freund­schaft“statt.

So hat Sieg­fried Wil­helm, Über­set­zer und Dol­met­scher in Nish­nij Now­go­rod, 2014 von dort ei­nen Kn­a­ben­chor mit­ge­bracht, und schon im letz­ten Jahr den be­gna­de­ten Sän­ger Egu­raev, Do­zent am dor­ti­gen Glink­aKon­ser­va­to­ri­um und seit Ja­nu­ar 2017 So­list im Alex­an­drow-En­sem­ble. Man darf nur hof­fen, dass er da­mit der Büh­ne nicht ver­lo­ren geht, denn sel­ten sind groß­ar­ti­ger Ge­sang und schau­spie­le­ri­sches Ta­lent so eng ver­eint.

Kein fal­sches Pa­thos mischt sich hin­ein, wenn er in Ver­dis Opern­arie die Kla­ge ei­ner ver­wun­de­ten See­le her­über­bringt. De­mü­tig singt er die Aria „Di­gna­re o Do­mi­ne“aus Ge­org Fried­rich Hän­dels Det­tin­ger Te De­um und in ko­mö­di­an­ti­scher Spiel-

lust amü­siert er mit Lie­dern wie „Ro­sig rot wie ein Äp­fel­chen“oder „lallt“als be­trun­ke­ner Schwe­re­nö­ter vor schwan­ken­der Stra­ße das Lied „Ulit­sa“– im­mer mit herr­lich be­weg­li­chem Bass­ba­ri­ton, der auch mal in den tie­fen Kel­ler wan­dert.

Ein Ver­gnü­gen für sich war die Zu­ga­be mit Ros­si­nis Buf­fo-Du­ett zwei­er Kat­zen. Sind es üb­li­cher­wei­se zwei weib­li­che Kat­zen, die sich

an­gif­ten, so war er hier im Du­ett mit sei­ner Frau und frü­he­ren Meis­ter­schü­le­rin An­na ein gran­ti­ger Ka­ter, der ver­geb­lich die selbst­be­wuss­te stol­ze Kat­ze ver­trei­ben will und ihr schließ­lich doch er­liegt – ein herr­li­cher Spaß mit in al­len Far­ben schil­lern­den Ko­lo­ra­tu­ren.

Auch An­na Egu­rae­va durf­te beim Kon­zert ver­schie­dens­te Sei­ten zei­gen. War ih­re Stim­me für die zar­te,

schwind­süch­ti­ge Mi­mi aus Puc­ci­nis „Bo­hè­me“eher zu groß, zeig­te sie in ei­ner Arie von Mus­sorg­ski köst­lich Ko­ket­te­rie, spä­ter schö­ne Sch­licht­heit im Ave Ma­ria von Gi­ulio Cac­ci­ni, ehe sich das Paar zum in­ni­gen „Pie Je­su“aus And­rew Lloyd Web­bers Re­qui­em ver­ein­te. Noch ein­mal wa­ren sie als Du­ett im ro­man­ti­schen Lie­bes­lied von Mich­ail Glin­ka zu ge­nie­ßen. Be­glei­tet wur­de das Duo von der Pia­nis­tin Lei­la Za­morska­ya, die mit gro­ßer Sen­si­bi­li­tät die Stim­mun­gen un­ter­strich und auch mit So­li wie Bachs Si­ci­lia­na be­ein­druck­te.

Das Kon­zert wur­de am Mitt­woch in Ha­gnau wie­der­holt und ist noch am heu­ti­gen Don­ners­tag um 19.30 Uhr im Au­gus­ti­num Meersburg zu er­le­ben.

FO­TO: HEL­MUT VOITH

Ein köst­li­cher Spaß war Ros­si­nis Kat­zen- Du­ett mit den Sän­gern Ste­pan und An­na Egu­raev und der Pia­nis­tin Lei­la Za­morska­ya.

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