Teu­rer Se­kun­den­schlaf

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - ERSTE SEITE -

Wer je­mals in der Schweiz zu schnell ge­fah­ren ist, der weiß: Die dor­ti­gen Sank­tio­nen sind dras­tisch. Für vor­der­grün­dig klei­ne Ver­ge­hen sieht der so­ge­nann­te „Bus­sen­ka­ta­log“fürch­ter­li­che Stra­fen vor. Wie­der­ho­lungs­tä­tern droht nicht nur der Ent­zug des Füh­rer­scheins, son­dern auch der Frei­heit: Knast. Die Buß­gel­der kön­nen an­sons­ten die Hö­he ei­nes mitt­le­ren Jah­res­ein­kom­mens er­rei­chen.

So ge­se­hen glimpf­lich da­von­ge­kom­men ist ein jun­ger Mi­li­tär­mu­si­kant aus dem schö­nen Städt­chen Aarau. 500 Fran­ken Buß­geld soll­te Schlag­zeu­ger Chris­ti­an C. zah­len, weil er beim Zap­fen­streich ge­pennt hat. Beim Auf­tritt im Kan­ton Grau­bün­den hat er die Tschi­nel­len, so nennt der Schwei­zer das Be­cken, zu spät be­dient. Ge­rüch­te be­sa­gen, dass er sein So­lo um ei­ne Se­kun­de ver­passt hat. Um­ge­hend leg­te der Mann Ein­spruch ge­gen die Stra­fe ein – und be­kam ein biss­chen recht. Tschi­nel­len­schnar­cher C. wird für sei­nen Se­kun­den­schlaf nun mit nur noch 150 Fran­ken sank­tio­niert.

Die Af­fä­re zieht in der Schweiz wei­te Krei­se. So­gar Top­ju­ris­ten aus der Me­tro­po­le Zü­rich mel­de­ten sich zu Wort. Va­len­tin Land­mann, qua­si der Eid­ge­nos­sen-Bos­si, er­klär­te et­wa in der „Lu­zer­ner Zei­tung“: „Ei­ne Par­ti­tur ist noch kei­ne Di­enst­vor­schrift.“Er bot dem Stu­den­ten an, ihm „zu ei­nem güns­ti­gen Ta­rif“bei­zu­ste­hen. Um­sonst macht na­tür­lich auch der hilfs­be­rei­te Herr Land­mann nichts. Die Rech­nung mag man sich lie­ber nicht vor­stel­len.

C. soll­te bes­ser zah­len. Am En­de sind 150 Stutz eh recht güns­tig. Da­für gibt es am Zürcher Lim­mat­quai bes­ten­falls drei, vier Ku­geln Eis. (jos)

un­term­strich@schwa­ebi­sche.de

FO­TO: DPA

Miss­tö­ne ge­hö­ren bei den Eid­ge­nos­sen of­fen­bar da­zu.

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