„Die Pau­se hat uns un­heim­lich gut­ge­tan“

Sie sind wie­der da – Micha­el Her­big, Chris­ti­an Tramitz und Rick Ka­va­ni­an in der wie­der­be­leb­ten „Bullyparade“

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - MENSCHEN -

Pünkt­lich zum 20. Ge­burts­tag der „Bullyparade“lädt das wie­der­ver­ein­te Trio zu ei­ner lein­wand­fül­len­den Sket­chPa­ra­de mit al­ten und neu­en Fi­gu­ren ein, die am 17. Au­gust in die Ki­nos kommt. An­dré We­sche hat die Her­ren Her­big (49), Ka­va­ni­an (46) und Tramitz (62) in Berlin zum Ge­spräch ge­trof­fen.

Herr Her­big, Herr Tramitz, Herr Ka­va­ni­an, Sie ha­ben mit zwei Fil­men deut­sche Ki­no­ge­schich­te ge­schrie­ben. Ein süch­tig ma­chen­des Ge­fühl, das man gern noch ein­mal er­le­ben möch­te?

Rick Ka­va­ni­an: Wir ha­ben den Film nicht ge­macht, um an die Zah­len von da­mals her­an­zu­rei­chen, son­dern weil es schön ist, nach so lan­ger Zeit zu je­ner Sa­che zu­rück­zu­keh­ren, mit der wir an­ge­fan­gen ha­ben. Es war ja gar nicht klar, wo die Rei­se hin­ge­hen wür­de. Nach all den Jah­ren, in de­nen wir ge­trenn­te We­ge ge­gan­gen sind, hat es im­mer noch so viel Spaß ge­macht. Das ist et­was ganz Be­son­de­res. Wir hat­ten un­ter­ein­an­der das Ge­fühl, das wir die­sel­be Tem­pe­ra­tur er­rei­chen kön­nen wie frü­her – na­tür­lich mit neu­en Ge­schich­ten und ei­ner Wei­ter­ent­wick­lung des Hu­mors. Die­se Zah­len von da­mals zu er­rei­chen, ist vi­el­leicht nicht un­mög­lich, aber sehr schwer.

Micha­el Her­big: „Süch­tig“ist nicht das rich­ti­ge Wort, wir sind ja kei­ne Jun­kies. Wenn man wirk­lich süch­tig wä­re, hät­te man oh­ne Skru­pel so­fort ei­nen zwei­ten Teil von bei­den Fil­men ge­macht. Die­se Pau­se hat uns un­heim­lich gut ge­tan. Je­der von uns hat sie op­ti­mal ge­nutzt. Es war der neu­en Zu­sam­men­ar­beit sehr för­der­lich, dass man wie­der mit so ei­ner Fri­sche her­an­ge­hen konn­te.

Hat es trotz­dem ein oder zwei Tage ge­dau­ert, bis man wie­der auf dem ge­mein­sa­men Nen­ner war?

Tramitz: Ja, die­se Zeit hat es wirk­lich ge­braucht. Wir ha­ben uns erst­mal so­zu­sa­gen „au­ßer Kon­kur­renz“ge­trof­fen, um zu schau­en, ob es über­haupt noch geht.

Her­big: Ge­heim, da­mit ja kein Ge­rücht ent­steht.

Tramitz: Wir hat­ten auch ge­trenn­te Zim­mer. Es war nicht so, dass wir uns hin­ge­setzt ha­ben und die al­ten Zei­ten wa­ren so­fort wie­der da, mit ei­nem Gag, der den an­de­ren jagt. Wir hat­ten zu­erst über­haupt kei­ne Ah­nung, was wir jetzt schrei­ben sol­len. Es gab den Grund­ge­dan­ken ei­nes Strau­ßes bun­ter Ide­en.

Wie wür­den Sie Ihr Ver­hält­nis un­ter­ein­an­der be­schrei­ben?

Tramitz.: Der Ab­stand, von dem Bul­ly ge­spro­chen hat, hat uns al­len wahn­sin­nig gut­ge­tan. Wir ha­ben für sechs Staf­feln „Bullyparade“lan­ge sehr eng zu­sam­men­ge­ar­bei­tet. Und dann kam noch das Ra­dio da­zu. Wir ha­ben wirk­lich je­den Tag auf­ein­an­der ge­hockt, ge­schrie­ben und ge­spielt. Da langt es ei­nem dann ir­gend­wie.

Her­big: Ja, in der Zeit ha­ben wir uns häu­fi­ger ge­se­hen als un­se­re Frau­en. Tramitz: Trotz­dem kann man sa­gen, dass wir be­freun­det sind. Da­zu müs­sen wir uns nicht täg­lich an­ru­fen.

Bul­ly, Sie wa­ren im Film­ge­schäft im­mer für Ih­ren Per­fek­tio­nis­mus be­rühmt-be­rüch­tigt. Kön­nen Sie es mitt­ler­wei­le lo­cke­rer an­ge­hen las­sen?

Her­big: Ich weiß in­zwi­schen, dass man die­sen ei­nen Su­per­film, den man gern ma­chen möch­te, ein­fach nicht hin­kriegt. Wenn man das ak­zep­tiert und 80 oder 90 Pro­zent von dem er­reicht, was man sich vor­ge­nom­men hat, kann man zu­frie­den sein. Ich bin zu­frie­den, wenn man die Idee wie­der­er­kennt. Da­mit kann ich le­ben. Wenn ich mir nach sech­zehn Jah­ren den „Schuh des Ma­ni­tu“an­schaue, dann fal­len mir die Din­ge, die mich da­mals ge­stört ha­ben, gar nicht mehr groß auf. Ich se­he sie noch. Aber ich fra­ge mich, war­um ich mich da­mals so ge­är­gert ha­be. Tramitz: Ich has­se das. Bei mir ist es beim Spie­len schon im­mer so, dass ich es hin­ter­her se­he und den­ke: „Wie kann man so et­was so blöd spie­len?“. Des­halb schaue ich mir auch wirk­lich un­gern Fil­me an, in de­nen ich mit­spie­le. Es gibt ei­ne Sze­ne im „Schuh des Ma­ni­tu“– ich sa­ge nicht, wel­che – bei der ich mich selbst heu­te noch är­ge­re.

Be­geg­nen Sie sich heu­te mehr auf Au­gen­hö­he, wäh­rend Bul­ly frü­her eher der Boss war?

Her­big: Es war ein­fach die Auf­ga­ben­ver­tei­lung. Und es war ein glück­li­cher Zu­fall, dass sich ei­ner von uns drei­en auch mit den tech­ni­schen Din­gen be­fas­sen woll­te. Ich woll­te Fil­me ma­chen. Und die ha­ben mich halt ge­las­sen. Das Ver­trau­en ist mit der Zeit ge­wach­sen. Gera­de in der Fern­seh­show konn­te man viel aus­pro­bie­ren. Und man konn­te auch Feh­ler ma­chen. Für mich war es im wei­tes­ten Sin­ne die Film­hoch­schu­le. Es macht mir die Sa­che na­tür­lich auch ein­fa­cher, dass die bei­den sa­gen: „Der weiß schon, was er macht.“. Das er­spart vie­le Dis­kus­sio­nen. Film ist per se kei­ne de­mo­kra­ti­sche Ver­an­stal­tung. Das hat nichts mit Boss oder Platz­hirsch zu tun. Ei­ner muss halt sa­gen, wo die Ka­me­ra hin­kommt und wo sich je­mand hin­stel­len soll. Tramitz: Aber Bul­ly hat schon auch ei­ne Fo­to­gra­fen-Aus­bil­dung, wäh­rend ich bei „Pau­la­ner“und bei „Wen­dy’s“am Grill ge­ar­bei­tet ha­be.

Wo ha­ben Sie sich die Gren­zen des gu­ten Ge­schmacks ge­setzt?

Her­big: Die be­rühm­te „Gür­tel­li­nie“de­fi­niert je­der an­ders, die ei­nen ha­ben sie am Knö­chel und die an­de­ren am Hals. Da­mals wur­de auch ver­schie­dent­lich be­haup­tet, „(T)Raum­schiff Sur­pri­se“wä­re un­ter der Gür­tel­li­nie. Ich fin­de die­sen Film nach wie vor wahn­sin­nig harm­los. Wie soll man da­mit um­ge­hen? Man kann nur das ma­chen, was man selbst auch noch ver­tre­ten kann. Wenn wir Men­schen auf den Arm ge­nom­men ha­ben, ha­ben wir im­mer dar­auf ge­ach­tet, dass es auf ei­ne char­man­te Art pas­siert.

Tramitz: Kei­ner von uns ist ein gro­ßer Zo­ten-Freund. Wir ha­ben es hin und wie­der mal ge­macht, aber nicht so häu­fig. Ich selbst kann dar­über nicht la­chen, es ist mir nicht nah. Wenn es al­ler­dings ganz hart wird und je­de Scham­gren­ze fällt, kann das wie­der­um sei­nen Reiz ha­ben. Her­big: Auch das, was man un­ter „Fä­kal­hu­mor“ver­steht, ha­ben wir nie ge­macht. Vi­el­leicht kit­zeln wir mal die Gren­ze ei­nes Ta­bus ein biss­chen an. Der „Fri­sche Spar­gel­tee“aus „(T)Raum­schiff Sur­pri­se“mar­kiert un­se­re Schmerz­gren­ze. Und dann ist auch gut.

Herr Her­big, im nächs­ten Jahr fei­ern Sie Ih­ren 50. Ge­burts­tag. Spü­ren Sie schon An­zei­chen ei­ner Mid­life-Kri­se?

Her­big: Über­haupt nicht! Ich ha­be jetzt ei­ne Frau in den Wech­sel­jah­ren ge­spielt und mich sehr gut da­bei ge­fühlt. Ich konn­te das aus­le­ben. Die 40 fand ich krass. Da wech­selst du so­zu­sa­gen die Seite, du bist nicht mehr län­ger der „Jung­un­ter­neh­mer“. Dar­an hat­te ich schon so zwei oder drei Jah­re zu knab­bern. Jetzt freue ich mich ganz ehr­lich auf die 50. Denn jetzt ist es auch schon egal.

Zwickt es heu­te eher bei phy­sisch an­spruchs­vol­len Sze­nen?

Her­big: Noch nicht. Ich war er­staunt, was wir al­les noch selbst hin­ge­kriegt ha­ben. Tan­zen, rei­ten, ste­hen, sit­zen – al­les ging noch.

FO­TO: MAR­CO NA­GEL

Zu­rück im Wil­den Wes­ten: Rick Ka­va­ni­an, Micha­el Her­big und Chris­ti­an Tramitz (von links).

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