Schät­ze ver­gan­ge­ner Zei­ten

Für Lieb­ha­ber und Samm­ler sind Old­ti­mer und Young­ti­mer viel mehr als nur Fahr­zeu­ge. Sie sind Aus­druck ei­nes Le­bens­ge­fühls.

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - VERANSTALTUNGEN - Von An­ne Meß­mer

Die Ge­schich­te des Au­to­mo­bils ist ge­prägt von In­no­va­tio­nen, tech­ni­schen Meis­ter­leis­tun­gen und De­sign. Dem ei­nen ge­fal­len die ak­tu­el­len Mo­del­le der Au­to­her­stel­ler: Wind­schnit­tig und mit Leicht­bau­ele­men­ten ma­chen die­se mit­un­ter ei­nen sehr fu­tu­ris­ti­schen Ein­druck. An­de­re wie­der­um ha­ben ihr Herz an al­te Schät­ze mit Hol­z­ele­men­ten und groß­zü­gi­ger Li­ni­en­füh­rung ver­lo­ren. Die Lieb­ha­ber von Old­ti­mern und Young­timern sind in der Welt der Au­to­mo­bil­lieb­ha­ber ei­ne be­son­de­re Grup­pe. Doch zu­nächst ei­ne klei­ne Be­griffs­klä­rung – denn bei den Wör­tern Old­ti­mer und Young­ti­mer han­delt es sich um Schein­an­gli­zis­men. Der Be­griff Young­ti­mer ist im Eng­li­schen un­be­kannt, dort wer­den die Au­tos als »modern clas­sic« be­zeich­net. Den Be­griff Old­ti­mer gibt es zwar, doch sind da­mit nicht his­to­ri­sche Fahr­zeu­ge be­zeich­net, son­dern äl­te­re Men­schen oder Ve­te­ra­nen. Die Fahr­zeu­ge wer­den meist als »Clas­sic Cars« oder »Vin­ta­ge Cars« be­zeich­net. Wann genau ein Fahr­zeug den Sta­tus ei­nes Old­ti­mers er­reicht hat, ist von Land zu Land un­ter­schied­lich. In Deutsch­land gilt da­bei die De­fi­ni­ti­on der Fahr­zeug-Zu­las­sungs­ver­ord­nung. Nach die­ser sind Old­ti­mer: »Fahr­zeu­ge, die vor min­des­tens 30 Jah­ren erst­mals in Ver­kehr ge­kom­men sind, wei­test­ge­hend dem Ori­gi­nal­zu­stand ent­spre­chen, in ei­nem gu­ten Er­hal­tungs­zu­stand sind und zur Pfle­ge des kraft­fahr­zeug­tech­ni­schen Kul­tur­gu­tes die­nen.« Maß­geb­lich ist da­bei al­so nicht das Bau­jahr, son­dern der Tag der Erst­zu­las­sung. Ob der Zu­stand des Fahr­zeu­ges reicht, um als Old­ti­mer ein­ge­ord­net zu wer­den – und so ein H-Kenn­zei­chen oder das Samm­ler-07-Wech­sel­kenn­zei­chen zu er­hal­ten – prüft ein sach­ver­stän­di­ger Gut­ach­ter. Zu den be­kann­tes­ten und be­lieb­tes­ten Old­ti­mern in Deutsch­land ge­hö­ren der BMW CS, der Al­fa Ro­meo Spi­der, der VW 181 (Kü­bel­wa­gen), der VW Kar­mann-Ghia, der VW Bus oder der Mer­ce­des Benz W123.

Auch noch im All­tags­ge­brauch

Für den Be­griff des Young­ti­mers gibt es kei­ne recht­li­che De­fi­ni­ti­on und auch kein ex­akt fest­ge­leg­tes Al­ter. In den meis­ten Fäl­len zäh­len Fahr­zeu­ge dann als Young­ti­mer, wenn der Tag ih­rer Erst­zu­las­sung min­des­tens 20 Jah­re zu­rück­liegt. Bei gu­ter War­tung sind die­se Fahr­zeu­ge durch­aus noch für den Ein­satz im All­tag zu ge­brau­chen. Ih­re Hal­ter scho­nen sie aber ger­ne und las­sen ih­nen ei­ne be­son­ders gu­te Pfle­ge zu­kom­men, da­mit ih­re Schät­ze auch noch den of­fi­zi­el­len Old­ti­mer-Sta­tus er­rei­chen. Be­son­ders bliebt in die­ser Ka­te­go­rie sind Sport­wa­gen und Ober­klas­se­fahr­zeu­ge aus den spä­ten 80er-Jah­ren, wie zum Bei­spiel der Sa­ab 900 tur­bo 16 S, der Mer­ce­des Benz W126 oder der BMW E30 M3. Die Aus­stat­tung mit ABS, Air­bag oder Ser­vo­len­kung, die gro­ßen Mo­to­ren so­wie die zur Ver­kaufs­zeit ho­hen An­schaf­fungs­kos­ten spie­len für Young­ti­mer-Lieb­ha­ber ei­ne gro­ße Rol­le. Klei­ne­re Mo­del­le aus der­sel­ben Zeit wer­den eher nicht als Young­ti­mer ge­pflegt. Manch­mal sind aber auch Mo­del­le in­ter­es­sant, die die 20 Jah­re noch nicht voll ha­ben. Et­wa, weil sie nur in ei­ner ge­rin­gen Stück­zahl ge­baut wur­den oder ei­ne hand­werk­li­che Be­son­der­heit ha­ben – wie die hand­ge­fer­tig­te Ka­ros­se­rie des Lan­cia Kap­pa Cou­pé. Manch­mal tau­chen im Zu­sam­men­hang mit Old­ti­mern die Be­grif­fe »Scheu­nen­fund« oder »Ga­ra­gen­fund« auf. Sol­che Fahr­zeu­ge stan­den dann über Jahr­zehn­te an ein und dem­sel­ben Ort. Oft han­delt es sich um Mo­del­le, die zur Zeit ih­rer Ein­la­ge­rung weit ver­brei­te­te All­tags­fahr­zeu­ge wa­ren. In man­chen Fäl­len wer­den sie nur durch Zu­fall ent­deckt, weil kein Mensch wuss­te, dass in der ab­ge­le­ge­nen Scheu­ne ein Fahr­zeug steht. Das pas­siert vor al­lem dann, wenn der ehe­ma­li­ge Ei­gen­tü­mer be­reits ver­stor­ben ist. Grün­de, dass ein Fahr­zeug in ei­ner Scheu­ne oder Ga­ra­ge lan­det, gibt es vie­le. In man­chen Fäl­len wur­de das Fahr­zeug ein­fach nicht mehr ge­braucht, der Hal­ter woll­te es aber auch nicht ver­kau­fen, es fehl­te Geld für not­wen­di­ge Re­pa­ra­tu­ren oder es hat­te schlicht nie­mand In­ter­es­se, sich um das Fahr­zeug zu küm­mern. Durch den jahr­zehn­te­lan­gen Wit­te­rungs­kon­takt und die feh­len­de Pfle­ge sind die Fahr­zeu­ge dann oft in ei­nem schlech­ten Zu­stand, kön­nen aber – so­fern sie fach­män­nisch re­stau­riert wer­den – beim Ver­kauf Prei­se er­zie­len, die weit über dem ur­sprüng­li­chen An­schaf­fungs­preis lie­gen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.