Bi­ber setzt Plan­ta­gen un­ter Was­ser

Ried­hei­mer Land­wir­te sind über den Bau­meis­ter ver­är­gert – Land­rats­amt sucht Lö­sung

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - ERSTE SEITE - Von Ju­lia Frey­da

Land­wir­te sind über Bau­meis­ter ver­är­gert – Land­rats­amt sucht Lö­sung.

MARKDORF - Sechs Land­wir­te und ein Bi­ber­bau: Im Teil­ort Ried­heim er­schwert die Bau­kunst des Na­ge­tiers Obst­bau­ern zu­neh­mend die Ar­beit. Sie be­fürch­ten we­gen der Stau­näs­se Schä­den auf ih­ren An­bau­flä­chen und for­dern vom Land­rats­amt ei­ne Lö­sung.

Seit dem Früh­jahr be­ob­ach­ten die Land­wir­te, dass das Was­ser in den Grä­ben an den Obst­plan­ta­gen nicht mehr ab­läuft. Auf rund drei Ki­lo­me­tern Län­ge steht das Was­ser, nach in­ten­si­ven Re­gen­fäl­len tritt es auch übers Ufer und setzt die Obst­plan­ta­gen un­ter Was­ser. Dem Pro­blem sind die Ried­hei­mer rasch auf die Spur ge­kom­men. An der Brun­ni­saach hat ein Bi­ber sich ein­ge­rich­tet, meh­re­re Däm­me ge­baut. Da­durch staut sich dau­er­haft das Was­ser und be­rei­tet den Land­wir­ten er­heb­li­che Sor­gen.

Stän­di­ge Feuch­tig­keit scha­det den Pflan­zen

„Wir ha­ben hier Ton­bo­den, der saugt sich voll und wir kön­nen nicht mehr dar­auf ar­bei­ten. Au­ßer­dem er­sti­cken die Pflan­zen durch die stän­di­ge Feuch­tig­keit“, be­rich­tet An­ton Bri­el­may­er. Der Obst­bau­er be­fürch­tet, dass schon jetzt rund 15 Pro­zent sei­ner Pflan­zen auf ei­ner be­trof­fe­nen Flä­che ab­ge­stor­ben sind. Auf dem rund ei­nen Hekt­ar gro­ßen Are­al ste­hen 3500 Bäu­me, um­ge­rech­net ent­spre­chen 15 Pro­zent ei­nem Scha­den von mehr als 3600 Eu­ro. „Da ist der Zeit­wert aber noch gar nicht ein­ge­rech­net“, sagt Bri­el­may­er. Die Flä­che ha­be er vor rund zwei Jah­ren neu an­ge­legt. Im ers­ten Jahr wuch­sen die Pflan­zen noch gut. „In die­sem Jahr hät­ten sie 40 Zen­ti­me­ter wach­sen müs­sen. Auf­grund der stän­di­gen Feuch­tig­keit war es aber nur die Hälf­te“, sagt Bri­el­may­er. Auf den Kos­ten blei­be er sit­zen, das sei nicht ge­recht. Das sieht auch Kol­le­ge Ed­win Geh­wei­ler so. „Wir Land­wir­te kön­nen nicht im­mer die Leid­tra­gen­den des Um­welt- und Na­tur­schut­zes sein“, sagt Geh­wei­ler.

Der Bi­ber ist in Deutsch­land be­son­ders streng ge­schützt. Dies ist so­wohl im Bun­des­na­tur­schutz­ge­setz als auch in der über­ge­ord­ne­ten eu­ro­päi­schen Flo­ra-Fau­na-Ha­bi­ta­tRicht­li­nie fest­ge­schrie­ben. Ver­bo­ten ist da­mit ein Stö­ren, Ver­fol­gen, Fan­gen, Ver­let­zen und Tö­ten von Bi­bern. Auch sei­ne Bau­ten dür­fen nicht be­schä­digt oder zer­stört wer­den. Da­durch sind den Land­wir­ten die Hän­de ge­bun­den. Mit ih­rer Sor­ge wand­ten sich die Ried­hei­mer da­her ans Land­rats­amt. Dort ver­sucht ein Bi­ber­be­auf­trag­ter ei­nen Kom­pro­miss aus­zu­ar­bei­ten. Mög­li­cher­wei­se könn­te der Gra­ben um­ge­lei­tet wer­den. „Tech­nisch ist das aber nicht ganz ein­fach und auch ei­ne an­gren­zen­de ehe­ma­li­ge De­po­nie muss be­rück­sich­tigt wer­den. Das be­nö­tigt al­les noch et­was Zeit“, sagt Ro­bert Schwarz, Spre­cher des Land­rats­am­tes Bo­den­see­kreis, auf An­fra­ge der „Schwä­bi­schen Zei­tung“. Für die Ried­hei­mer Obst­bau­ern steht zu­min­dest fest: „Wir las­sen nicht lo­cker, denn sonst brei­tet sich das Pro­blem noch wei­ter aus und wir müs­sen mit ei­nem To­tal­aus­fall rech­nen“, sagt Land­wirt Chris­ti­an Keß­ler.

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Das Was­ser steht im Gra­ben. Das be­rei­tet den Land­wir­ten Ed­win Geh­wei­ler (von links), An­ton Bri­el­may­er, Chris­ti­an und Adel­bert Keß­ler er­heb­li­che Sor­gen.

Eif­ri­ger Na­ger: An der Brun­ni­saach fällt der Bi­ber Bäu­me und staut das Was­ser.

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