„Tran­sit­zo­nen“für Flücht­lin­ge: Kri­tik an de Mai­ziè­res Plan

Mehr als 270 000 Asyl­be­wer­ber im Sep­tem­ber ein­ge­reist – Bun­des­in­nen­mi­nis­ter bringt Schnell­ver­fah­ren an der Gren­ze ins Ge­spräch

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND -

MÜNCHEN/BERLIN (dpa) - Im Sep­tem­ber sind nach An­ga­ben des baye­ri­schen In­nen­mi­nis­ters Joa­chim Herr­mann (CSU) mehr als 270 000 Flücht­lin­ge in Deutsch­land an­ge­kom­men – und da­mit mehr als im ge­sam­ten Jahr 2014. Man müs­se da­von aus­ge­hen, dass seit Mo­nats­be­ginn zwi­schen 270 000 und 280 000 Mi­gran­ten ein­ge­reist sei­en, sag­te Herr­mann am Mitt­woch in München. Es han­de­le sich da­bei aber noch nicht um die end­gül­ti­ge Zahl.

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) will nun grenz­na­he „Tran­sit­zo­nen“mit Schnell­ver­fah­ren für Asyl­be­wer­ber ein­rich­ten. Das Mi­nis­te­ri­um ar­bei­te be­reits an ei­nem Ge­setz­ent­wurf da­zu, sag­te ein Spre­cher der Deut­schen Pres­seA­gen­tur. Die Mei­nungs­bil­dung in der Bun­des­re­gie­rung sei aber noch nicht ab­ge­schlos­sen, er­klär­te de Mai­ziè­re in Berlin. Die CSU for­dert ei­nen sol­chen Schritt schon län­ger. Auch in der CDU un­ter­stüt­zen ei­ni­ge Po­li­ti­ker die­se Plä­ne. Da­ge­gen kri­ti­sie­ren Lin­ke und Grü­ne sol­che mög- li­chen „Tran­sit­zen­tren“als „Ab­schot­tung in Rein­form“.

Bei den „Tran­sit­zo­nen“geht es dar­um, vor der Ent­schei­dung über ei­ne Ein­rei­se be­reits an der Gren­ze in ei­nem Schnell­ver­fah­ren zu prü­fen, ob ein Flücht­ling An­spruch auf Asyl hat. Ist dies nicht der Fall, soll der Be­trof­fe­ne di­rekt ab­ge­wie­sen wer­den.

Ein sol­ches Ver­fah­ren ge­be es be­reits an Flug­hä­fen, sag­te de Mai­ziè­re. Dies auch an der Lan­des­gren­ze an­zu­wen­den, wä­re nach jet­zi­ger Rechts­la­ge zwar nicht mög­lich, räum­te er ein. Deutsch­land sei aber ver­pflich­tet, ei­ne EU-Asyl­ver­fah­rens­richt­li­nie um­zu­set­zen. Und dar­in ste­he aus­drück­lich ei­ne Er­mäch­ti­gung für die EU-Staa­ten, sol­che Ver­fah­ren an der Lan­des­gren­ze ein­zu­füh­ren.

Meh­re­re Uni­ons­in­nen­mi­nis­ter spra­chen sich da­für aus, den Zu­zug von Flücht­lin­gen ein­zu­däm­men und da­für Asyl­be­wer­ber not­falls be­reits an der Gren­ze ab­zu­wei­sen. Das schrieb Meck­len­burg-Vor­pom­merns In­nen­mi­nis­ter, Lo­renz Caf­fier (CDU), – auch im Na­men sei­ner Amts­kol­le­gen aus Bay­ern, Berlin, Hes­sen, dem Saar­land, Sach­sen und Sach­sen-An­halt – an de Mai­ziè­re. Die Res­sour­cen sei­en bald er­schöpft. Kri­tik an „in­hu­ma­nem“Ver­fah­ren Die Lin­ke-In­nen­po­li­ti­ke­rin Ul­la Jelp­ke mahn­te, ei­ne Prü­fung von Asyl­an­trä­gen an den Lan­des­gren­zen wür­de da­zu füh­ren, dass dort Tau­sen­de Men­schen in elen­den Zu­stän­den aus­har­ren müss­ten. Grü­nen-Che­fin Si­mo­ne Pe­ter nann­te sol­che Ver­fah­ren in­hu­man.

Bei der Re­gis­trie­rung von Flücht­lin­gen läuft ei­ni­ges schief. Der neue Lei­ter des Bun­des­amts für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (Banf), Frank-Jür­gen Wei­se, sag­te in Nürnberg, schät­zungs­wei­se sei­en 290 000 Flücht­lin­ge in Deutsch­land noch nicht re­gis­triert. Bis­her ge­be es kei­nen gu­ten Über­blick, wie vie­le Men­schen ins Land kä­men und wo sie sich auf­hiel­ten. Hier müs­se drin­gend mehr Klar­heit her.

Zur Be­wäl­ti­gung der Flücht­lings­kri­se soll das Per­so­nal beim Banf ver­dop­pelt wer­den. Wei­se will auch die Ar­beits­pro­zes­se mit an­de­ren Be­hör­den, Län­dern und Kom­mu­nen ver­bes­sern und bei der IT auf­rüs­ten.

Das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um prüft au­ßer­dem, die Aus­bil­dung von Bun­des­po­li­zis­ten von 30 auf 18 Mo­na­te zu ver­kür­zen. Ein Spre­cher be­stä­tig­te der dpa ei­nen ent­spre­chen­den Be­richt der „Bild“-Zei­tung.

FO­TO: DPA

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re will Flücht­lin­ge oh­ne Asyl­an­spruch schnel­ler ab­wei­sen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.