Im Netz des Ver­bre­chens

Europol warnt: Cy­ber-Kri­mi­nel­le ge­hen im­mer ag­gres­si­ver vor

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - PANORAMA - Von An­net­te Bir­schel

AMS­TER­DAM (dpa) - On­line-Kri­mi­na­li­tät wird im­mer ag­gres­si­ver und be­droh­li­cher, warnt die Po­li­zei­or­ga­ni­sa­ti­on Europol in ih­rem am Mitt­woch in Den Haag ver­öf­fent­lich­ten Be­richt zum or­ga­ni­sier­ten Ver­bre­chen. Un­ter­neh­men er­lit­ten da­durch Schä­den in Mil­li­ar­den­hö­he. Aber zu­neh­mend tref­fe es auch Pri­vat­leu­te. Die größ­ten Be­dro­hun­gen und was man da­ge­gen tun kann – ei­ne Über­sicht.

Was ist Cy­ber­cri­me?

Kri­mi­nel­le nut­zen das In­ter­net, um in gro­ßem Stil Da­ten zu steh­len und zu miss­brau­chen. Vie­le her­kömm­li­che Ver­bre­chen fin­den nun auch über das In­ter­net statt, wie Be­trug, Dieb­stahl, Be­dro­hung, Miss­brauch oder Er­pres­sung. Das In­ter­net hat auch längst sei­ne ei­ge­ne Un­ter­welt, das so­ge­nann­te Dar­knet (wört­lich über­setzt: dunk­les Netz). Ver­bre­cher nut­zen die­ses sehr gut ab­ge­schirm­te Netz für Geld­wä­sche, Dro­gen- und Waf­fen­han­del oder Kin­der­por­no­gra­fie. Da­bei hat sich die an­ony­me Di­gi­tal­wäh­rung Bit­co­in als Zah­lungs­mit­tel durch­ge­setzt.

Was sind die größ­ten Be­dro­hun­gen?

Mal­wa­re – Schad­soft­ware – ist die Haupt­be­dro­hung für Pri­vat­leu­te und Un­ter­neh­men. Com­pu­ter wer­den da­bei von bös­wil­li­gen Pro­gram­men in­fi­ziert oder auch kon­trol­liert. Kri­mi­nel­le steh­len da­mit et­wa Da­ten von Kon­ten oder Kre­dit­kar­ten. Aber sie kön­nen auch gan­ze Com­pu­ter blo­ckie­ren. Dann wer­den die Be­sit­zer er­presst: Erst wenn sie Geld be- zah­len, wird der Zu­gang wie­der frei­ge­ge­ben.

Wie groß ist die Ge­fahr des se­xu­el­len Miss­brauchs mit Hil­fe der On­line-Welt?

Tä­ter nut­zen das Dar­knet, um Vi­de­os oder Fo­tos zu ver­brei­ten. Zu­neh­mend fin­det Kin­des­miss­brauch auch im Live-Stream statt. Durch die gro­ße Reich­wei­te nimmt die Nach­fra­ge nach neu­em Ma­te­ri­al schnell zu und da­her auch die Ge­fahr wei­te­ren Miss­brauchs. Auch an sich un­schul­di­ge Fo­tos und Vi­de­os von Kin­dern oder Te­enagern kön­nen miss­braucht wer­den. Auch die Ge­fahr der Er­pres­sung steigt. Die Tä­ter sind im­mer schwie­ri­ger auf­zu­spü­ren, da sie di­gi­ta­le Me­tho­den zur Ver­schlüs­se­lung und An­ony­mi­sie­rung nut­zen.

Wie schäd­lich sind Ha­cker­an­grif­fe?

Die Zahl der An­grif­fe auf Da­ten­ban­ken von Un­ter­neh­men, Be­hör­den oder Ver­si­che­run­gen hat zu­ge­nom­men. Per­sön­li­che Da­ten sind ein kost­ba­rer Roh­stoff für Kri­mi­nel­le. Sie miss­brau­chen sie für Be­trug oder Er­pres­sun­gen. Zum Bei­spiel kön­nen sie ge­fälsch­te Rech­nun­gen an Kun­den ei­ner Ver­si­che­rung schi­cken – täu­schend echt.

Sind Ein­trä­ge auf Face­book ge­fähr­lich?

Auch das so­zia­le Hacking greift um sich. Es ist ei­ne re­la­tiv sim­ple Me­tho­de. On­line-Netz­wer­ke wer­den ge­zielt nach per­sön­li­chen In­for­ma­tio­nen oder Fo­tos durch­sucht, die dann miss­braucht wer­den.

Wer steckt hin­ter Ver­bre­chen im In­ter­net?

Das Kli­schee ei­nes ein­sa­men Ha­ckers ist falsch. Das ag­gres­si­ve und sys­te­ma­ti­sche Vor­ge­hen weist auf or­ga­ni­sier­te Ver­bre­cher­ban­den hin. Sie müs­sen kei­ne be­son­de­ren tech­ni­schen oder di­gi­ta­len Fä­hig­kei­ten ha­ben. Denn über das In­ter­net wer­den il­le­ga­le Ha­cker-Di­ens­te und schäd­li­che Soft­ware an­ge­bo­ten.

FO­TO: DPA

Auf ei­nem Work­shop zum The­ma Cy­ber­cri­me des hes­si­schen Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums zeigt ein Com­pu­ter­spe­zia­list die Ak­ti­vi­tät ei­nes so­ge­nann­ten Bot­net­zes, au­to­ma­ti­sier­te Com­pu­ter­pro­gram­me, die gern von In­ter­net- Kri­mi­nel­len ge­nutzt wer­den. Die Spe­zi­al­soft­ware stellt be­son­ders ho­he Ak­ti­vi­tä­ten rot dar.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.