Zwei Mu­si­ker be­schwö­ren den Frie­den

So­pra­nis­tin Wiltrud Weber und Ak­kor­deo­nist Vol­ker Rau­sen­ber­ger spie­len zu­sam­men

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SIGMARINGEN - Von Ga­b­rie­le Lo­ges

SIG­MA­RIN­GEN – Un­ter dem Na­men „In your light, komm zu mir, ob du Mos­lem, Ju­de oder Christ bist“ha­ben die So­pra­nis­tin Wiltrud Weber und der Ak­kor­deo­nist Vol­ker Rau­sen­ber­ger im Hof­thea­ter ein be­son­de­res Kon­zert dar­ge­bo­ten. Der Ti­tel ist ein Zi­tat des per­si­schen Dich­ters Ru­mi, der im Mit­tel­al­ter leb­te. Die Zu­sam­men­ge­hö­rig­keit trotz al­ler Un­ter­schie­de wird in den Lie­dern um Lie­be und Leid the­ma­ti­siert. Das Kreis­kul­tur­fo­rum und die „Kul­tur im Hof­thea­ter“hat­ten im Rah­men des Kul­tur­schwer­punk­tes „Klein­kunst“zu die­ser in­ter­kul­tu­rel­len mu­si­ka­li­schen Be­geg­nung ein­ge­la­den.

Bei­de Künst­ler kom­men aus der Re­gi­on, bei­de füh­len sich in der Welt zu Hau­se, bei­de sind Welt­klas­se. Wiltrud Weber stammt aus Ra­vens- burg, sie stu­dier­te Kla­vier und klas­si­schen Ge­sang in Frei­burg. Sie singt in elf Spra­chen und fei­ert in­ter­na­tio­na­le Er­fol­ge. In New York hat die So­pra­nis­tin ih­re Lie­be zu jid­di­schen Lie­dern ent­deckt. Vol­ker Rau­sen­ber­ger kommt aus Hül­ben bei Bad Urach, ist in Frei­burg Do­zent für Ak­kor­de­on und lei­tet das Frei­bur­ger Ak­kor­de­on-Orches­ter. Dass sein In­stru­ment auch oh­ne Sing­stim­me Ge­schich­ten er­zäh­len kann, be­wies er mit drei So­li ein­drucks­voll. Aber auch als Hin­füh­rung und Un­ter­ma­lung der ge­sun­ge­nen Lie­der glänz­te das Ak­kor­de­on­spiel.

Weber singt auf Ara­mä­isch, Ara­bisch und He­brä­isch

Wiltrud Weber gab zu je­dem der Lie­der ei­ne Ein­füh­rung. Sie er­öff­ne­te das Pro­gramm mit ei­nem ara­bi­schen Volks­lied nach ei­nem Text von Kha- lil Gi­bran, das den un­ver­gäng­li­chen Ge­sang der Flö­te pries. Da­nach ver­wan­del­te sich die Sän­ge­rin für die Län­ge ei­nes se­phar­di­schen Volks­lie­des in ei­ne Frau, die sich im Mond­schein in ei­nen Wind­hauch von Mann ver­lieb­te, ihn am Mor­gen je­doch nicht zum Gat­ten neh­men will. Sor­ge und Hoff­nung ka­men in den nächs­ten bei­den Lie­dern zum Aus­druck: Das „Va­ter un­ser“auf Ara­mä­isch, der Spra­che von Chris­tus. Eben­so be­we­gend in­ter­pre­tier­te Weber „Ya Ma­ri­am“, das Ave Ma­ria auf Ara­bisch.

Rau­sen­ber­ger setz­te mit der „So­na­te vom rau­en Le­ben“des Ti­ro­ler Kom­po­nis­ten Wer­ner Pirch­ner die Zu­hö­rer auf ei­nen Berg. Im Text schaut ei­ne Bäue­rin nach ge­ta­ner Ar­beit von dort ins Tal und auf die Ber­ge. Von die­sem Ort führ­te das von Weber ver­ton­te Ge­dicht „In your light“des per­si­schen Dich­ters Ru­mi (1207-1273) ins Zen­trum des Abends: „Ich prüf­te mein Herz, er ist nir­gends sonst zu fin­den.“Nicht die un­ter­schied­li­chen Re­li­gio­nen, son­dern je­der ein­zel­ne Mensch trägt Lie­be in sich. Frie­de ist die Auf­ga­be der Men­schen, da­mals wie heu­te, und wie sie die mo­der­ne Frie­dens­hym­ne „Shir la Sha­lom“be­singt.

Tem­pe­ra­ment­voll und vol­ler Le­bens­freu­de run­de­ten jid­di­sche Lie­der und Klez­mermu­sik das Pro­gramm ab. So dar­ge­bracht wird die Hoff­nung ge­stärkt, dass Men­schen un­ter­schied­li­cher Kul­tur ein­an­der nä­her kom­men und sich ver­ste­hen. Die „Spra­che des Her­zens“ist in­ter­na­tio­nal und die Men­schen sind sich nä­her als sie glau­ben. Die Mu­sik und die Ge­schich­ten lie­fer­ten im Hof­thea­ter auf schöns­te Art und Wei­se die Ar­gu­men­te da­für.

FO­TO: GA­B­RIE­LE LO­GES

Ak­kor­deo­nist Vol­ker Rau­sen­ber­ger be­glei­tet So­pra­nis­tin Wiltrud Weber, die die To­le­ranz zwi­schen den Re­li­gio­nen be­singt.

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