Auch Flücht­lin­ge sind in der Pflicht

Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann will In­te­gra­ti­on for­dern und för­dern

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIR IM SÜDEN - Von Ka­ra Ball­arin

STUTT­GART - An­ge­sichts wei­ter stei­gen­der Flücht­lings­zah­len ge­ra­te auch der Süd­wes­ten un­ter Druck, sag­te Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann (Grü­ne) am Don­ners­tag im Land­tag. Al­lein am Mitt­woch sei­en mehr als 2000 Men­schen nach Ba­den-Würt­tem­berg ge­kom­men. Zur Be­wäl­ti­gung die­ses „Kraft­akts“sei­en auch die Flücht­lin­ge in der Pflicht. „In­te­gra­ti­on for­dern und In­te­gra­ti­on för­dern, das ist un­se­re Leit­li­nie, auf ei­ne For­mel ge­bracht“. Die Op­po­si­ti­on warf der Re­gie­rung – und dem Mi­nis­ter­prä­si­den­ten per­sön­lich – vor, nicht ge­nug an die Be­dürf­nis­se der Bür­ger im Land zu den­ken.

In sei­ner Re­gie­rungs­er­klä­rung for­der­te Kret­sch­mann von den EUStaa­ten mehr So­li­da­ri­tät. Oh­ne die­se wer­de Deutsch­land ei­nes Ta­ges nicht mehr ge­for­dert, son­dern über­for­dert sein. Die Po­li­tik sei­ner Re­gie­rung be­zeich­ne­te er als „prag­ma­ti­schen Hu­ma­nis­mus“. Die 2013 be­schlos­se­nen 7,5 Qua­drat­me­ter Platz pro Flücht­ling sei­en kas­siert, die bis­he­ri­ge Re­gel von 4,5 Qua­drat­me­tern blie­ben gül­tig. Zu­dem wür­den ab so­fort je­de Wo­che bis zu 4500 Flücht­lin­ge an die Krei­se wei­ter­ver­teilt – 1000 mehr als bis­her.

Die In­te­gra­ti­on de­rer, die blei­ben dür­fen, sei größ­te Her­aus­for­de­rung und Chan­ce zu­gleich. Mit Ver­weis auf den Grün­der der Elek­tro­nik­fir­ma „App­le“, Ste­ve Jobs, des­sen Va­ter Sy­rer war, sag­te Kret­sch­mann: „Viel­leicht ist un­ter den Flücht­lin­gen ei­ner, der nicht im Si­li­con Val­ley, son­dern in ei­nem Schwarz­wald­tal ei­ne Er­folgs­fir­ma grün­det.“Kin­der müss­ten schnell in der Schu­le, Er­wach­se­ne auf dem Ar­beits­markt in­te­griert wer­den. Ob dies ge­lingt ent­schei­de, ob Zu­wan­de­rung auf Dau­er Er­folg oder Be­las­tung wer­de. Die Flücht­lin­ge müss­ten deut­sche Wer­te, die im Grund­ge­setz ver­an­kert sind, re­spek­tie­ren – et­wa Re­li­gi­ons­frei­heit und die Gleich­be­rech­ti­gung von Mann und Frau. „Da gibt es kei­ne Ra­bat­te“, so Kret­sch­mann. Woh­nungs­bau­gip­fel im Ok­to­ber Es müss­ten drin­gend Woh­nun­gen ge­baut wer­den. Hier­zu kün­dig­te Kret­sch­mann ei­nen Woh­nungs­bau­gip­fel un­ter der Lei­tung von Fi­nan­zund Wirt­schafts­mi­nis­ter Nils Schmid (SPD) am 14. Ok­to­ber an. Eben­so wie die Spre­cher der vier Frak­tio­nen im Land­tag, wünsch­te sich auch Kret­sch­mann kräf­ti­ge pri­va­te In­ves­ti­tio­nen. Ein An­reiz sol­len Steu­er­er­leich­te­run­gen sein, die zwi- schen Bund und Län­dern noch ge­re­gelt wer­den müs­sen.

Kret­sch­mann kün­dig­te an, die strik­ten Re­geln zur Ein­däm­mung des Flä­chen­fra­ßes im Land zu lo­ckern. Claus Schmie­del (SPD) ging ei­nen Schritt wei­ter und sti­chel­te in Rich­tung sei­nes grü­nen Ko­ali­ti­ons­part­ners: „Nicht je­der Lauf­kä­fer darf die Pro­zes­se brem­sen“. Sei­en un­ter der schwarz-gel­ben Vor­gän­ger­re­gie­rung zu­letzt jähr­lich 25 000 Woh­nun­gen ge­baut wor­den, sei­en es der­zeit 35 000, „und wir wol­len bald auf 45 000 kom­men“, so Schmie­del.

Auch er mahn­te, dass Über­for­de­rung dro­he, falls die Flücht­lings­zah­len wei­ter stie­gen. Sein „Weck­ruf“ Rich­tung Bund und EU: mehr Geld für Flücht­lings­camps in der Tür­kei, im Li­ba­non und in Li­by­en. „Dann be­steht die Chan­ce, dass die Dy­na­mik des Zu­wach­ses ge­bro­chen wird.“

FDP-Frak­ti­ons­chef Hans-Ul­rich Rül­ke mahn­te da­zu, Men­schen oh­ne Blei­be­recht schnel­ler ab­zu­schie­ben. Ent­schei­dend sei­en Si­gna­le, um nicht noch mehr Men­schen an­zu­lo­cken – dar­un­ter die Ein­füh­rung ei­ner Ge­sund­heits­kar­te nur für die­je­ni­gen mit Per­spek­ti­ve auf Blei­be­recht und Sach­leis­tun­gen statt Ta­schen­geld. Wolf for­dert Re­spekt vor Ei­gen­tum Auf Kret­sch­manns Wunsch nach mehr frak­ti­ons­über­grei­fen­der Zu-

FO­TO: DPA

Als „prag­ma­ti­schen Hu­ma­nis­mus“be­schreibt Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann ( Grü­ne) die Asyl­po­li­tik sei­ner Re­gie­rung.

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