Bun­des­re­gie­rung setzt in Flücht­lings­kri­se auf Här­te

Asyl­rechts­re­form im Par­la­ment – In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re ver­tei­digt „har­te Ent­schei­dun­gen“

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Ras­mus Buch­stei­ner und Agen­tu­ren

BERLIN - „Wir wer­den Mut, Ge­duld und Aus­dau­er brau­chen“, wirbt Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) um Ent­schlos­sen­heit in schwie­ri­gen Zei­ten. Schnell­ver­fah­ren für Asyl­be­wer­ber, zü­gi­ge Ab­schie­bun­gen, we­ni­ger Bar­geld für Flücht­lin­ge, da­für groß­zü­gi­ge Bun­des­hil­fen für Län­der und Kom­mu­nen – of­fen­siv ver­tei­digt der Bun­des­in­nen­mi­nis­ter am Don­ners­tag in Bun­des­tag das schwarz-ro­te Asyl­pa­ket. De Mai­ziè­re dürf­te ah­nen, dass die Plä­ne al­lein noch kei­ne Lö­sung der Kri­se ga­ran­tie­ren. Es geht jetzt um „drin­gend ge­bo­te­ne, aber auch har­te Ent­schei­dun­gen“, um ei­ne er­folg­rei­che Flücht­lings­po­li­tik um­set­zen zu kön­nen.

Der Mi­nis­ter be­müht sich um kla­re Bot­schaf­ten. „Flucht und An­kunft in Deutsch­land be­deu­ten noch nicht ei­ne freie Wahl des Wohn­orts“, er­mahnt de Mai­ziè­re die Flücht­lin­ge, nimmt sie in die Pflicht. Man­che Un­ter­kunft sei zwar nicht an­ge­nehm und über­füllt: „Aber bit­te kei­ne zu ho­hen An­sprü­che. Al­le ge­ben sich ver­dammt viel Mü­he. Es geht im Mo­ment nicht an­ders.“ Emo­tio­na­le De­bat­te Es ist der Tag, an dem die par­la­men­ta­ri­sche Ar­beit an den Asyl­plä­nen der Bun­des­re­gie­rung be­ginnt. Erst­mals wer­den die Ver­ein­ba­run­gen von Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) und der Mi­nis­ter­prä­si­den­ten aus­führ­lich im Bun­des­tag de­bat­tiert. Schon am 1. No­vem­ber soll das Ge­setz in Kraft tre­ten. Es ent­wi­ckelt sich ei­ne emo­tio­na­le De­bat­te.

Mer­kel, die mit Ge­gen­wind aus den ei­ge­nen Rei­hen zu kämp­fen hat, ver­folgt schwei­gend den Schlag­ab­tausch, über­lässt das Feld ih­rem In­nen­mi­nis­ter. Le­ga­le Zu­wan­de­rungs­mög­lich­kei­ten aus den Bal­kan-Län­dern, da­für Ko­so­vo, Al­ba­ni­en und Mon­te­ne­gro als si­che­re Her­kunfts­staa­ten und da­mit die Aus­sicht auf schnel­le­re Asyl­ver­fah­ren - „ein fai­rer Kom­pro­miss“sei das Gan­ze, so de Mai­ziè­re. Här­te ge­gen je­ne, die nicht blei­ben kön­nen, Will­kom­mens­kul­tur und För­de­rung für al­le, die gu­te Aus­sich­ten auf Asyl ha­ben – so die Dop­pel­stra­te­gie des In­nen­mi­nis­ters.

Wäh­rend das Par­la­ment über das Asyl­pa­ket noch in ers­ter Le­sung be­rät, fal­len bei ei­nem an­de­ren The­ma Ent­schei­dun­gen: Der Bun­des­tag be­schließt die Aus­wei­tung des Schleu­ser­ein­sat­zes im Mit­tel­meer. Das auf ein Jahr an­ge­leg­te Par­la­ments­man­dat sieht die Ent­sen­dung von „bis zu 950 Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten“der Bun­des­wehr vor. Sie dür­fen bei Be­darf Schif­fe von Men­schen­schmugg­lern stop­pen und zer­stö­ren. 450 von 568 Ab­ge­ord­ne­ten stim­men da­für, Lin­ke und Grü­ne leh­nen dies als „Sym­bol­po­li­tik“strikt ab.

Die ge­walt­tä­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen in Flücht­lings­un­ter­künf­ten, die Angst vor Ra­di­ka­len und die War­nun­gen, die Gren­ze der Be­last­bar­keit kön­ne über­schrit­ten wer­den – kaum ein Aspekt der Flücht­lings­kri­se wird in der Asyl-De­bat­te im Par­la­ment aus­ge­las­sen. Mit bis­si­ger Iro­nie re­agiert Grü­nen-Frak­ti­ons­che­fin Ka­trin Gö­ring-Eckardt auf den Plan der Gro­ßen Ko­ali­ti­on, dass Flücht­lin­ge län­ger in Erst­auf­nah­me­ein­rich­tun­gen blei­ben sol­len. „Ich ha­be mir mal vor­ge­stellt, wie das wä­re, wenn wir al­le in ei­ner Mes­se­hal­le un­ter­ge­bracht wä­ren, ge­mein­sam auf Feld­bet­ten, Herr Kau­der ne­ben Frau Wa­genk­necht, und dann wür­de auch noch je­mand sa­gen: Die Grü- nen, die sind die kleins­te Frak­ti­on, die müs­sen zu­erst an die Es­sens­aus­ga­be“, so die Grü­nen-Frak­ti­ons­che­fin. „Ich neh­me an, es wür­de al­les to­tal fried­lich und oh­ne Schreie­rei­en ab­ge­hen.“

Wäh­rend die Grü­nen der Uni­on – ins­be­son­de­re CSU-Chef Horst See­ho­fer – Po­pu­lis­mus vor­wer­fen, geht es hoch her im Plenum des Bun­des­ta­ges. CDU-Vi­ze Tho­mas Strobl setzt auf schar­fe Wor­te ge­gen­über Flücht­lin­gen vom West­bal­kan: „Ver­kauft nicht eu­er Haus und eu­er Au­to, um den Schlep­per und den Schleu­ser be­zah­len zu kön­nen“, sagt er und fügt hin­zu: „Wir wer­den euch schnell wie­der zu­rück­schi­cken, und ihr wer­det schnell wie­der da sein, wo ihr her­ge­kom­men seid, nur ihr wer­det noch är­mer sein.“

FO­TO: DPA

Ei­ne Ver­schär­fung des Asyl­ge­set­zes fest im Blick: Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU).

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