Krieg und Frie­den

Gip­fel­tref­fen zur Ukrai­ne-Kri­se im Pa­ri­ser Ely­sée-Pa­last

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Kris­ti­na Dunz, Gerd Roth und Wolf­gang Jung

BERLIN (dpa) - Ein dra­ma­ti­scher Ver­hand­lungs­ma­ra­thon wie im Fe­bru­ar in Minsk steht ih­nen nicht be­vor – aber ein Spa­zier­gang wird das Tref­fen an die­sem Frei­tag in Pa­ris nicht. Denn Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel und die Prä­si­den­ten von Russ­land, Frank­reich und der Ukrai­ne, Wla­di­mir Pu­tin, François Hol­lan­de und Pe­tro Po­ro­schen­ko, müs­sen drin­gend Fort­schrit­te in der Ukrai­nek­ri­se er­zie­len. In dem Kon­flikt gab es in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten Still­stand und auch Rück­schrit­te.

In der weiß­rus­si­schen Haupt­stadt Minsk wur­de da­mals nach 17-stün­di­gem Rin­gen um Krieg oder Frie­den ei­ne Waf­fen­ru­he ver­ein­bart, mit der die blu­ti­gen Kämp­fe in der Ost­ukrai­ne zwi­schen pro­rus­si­schen Se­pa­ra­tis­ten und pro­west­li­chen Re­gie­rungs­trup­pen be­en­det wer­den soll­ten. Oft wur­de seit­her da­ge­gen ver­sto­ßen. Auch der Waf­fen­ab­zug kam nicht in Gang. Und es gab Pro­vo­ka­tio­nen – nun aber gibt es Hoff­nung.

Das hat drei Grün­de: Seit rund drei Wo­chen wird die Feu­er­pau­se weit­ge­hend ein­ge­hal­ten. Und just am Mitt­woch ver­ein­bar­te die Ukrai­neKon­takt­grup­pe den Teil­ab­zug von Waf­fen. „Die­se so­li­de Pe­ri­ode der Ru­he ist schon er­staun­lich“, sag­te Alex­an­der Hug, Vi­ze­chef der OSZEBe­ob­ach­ter. Se­pa­ra­tis­ten­füh­rer De- nis Pu­schi­lin sprach gar vom mög­li­chen „Be­ginn des Kriegs­en­des“.

Zu­dem ha­ben sich Moskau und Kiew un­ter EU-Ver­mitt­lung auf ei­ne Ver­sor­gung der Ukrai­ne mit rus­si­schem Gas für den Win­ter ge­ei­nigt. Die Staats- und Re­gie­rungs­chefs fah­ren al­so nicht mit lee­ren Hän­den nach Pa­ris – aber mit schwe­rem Ge­päck. Auch das hat drei Grün­de.

Ers­tens sind in den Se­pa­ra­tis­ten­ge­bie­ten Do­nezk und Lu­hansk für Ok­to­ber und No­vem­ber Kom­mu­nal­wah­len ge­plant, die Kiew für ge­setz­wid­rig hält. Auch in Berlin heißt es, die Ab­stim­mun­gen wür­den nicht an­er­kannt, weil sie ge­gen das Ab­kom­men vom Fe­bru­ar ver­stie­ßen.

Zwei­tens ha­ben die Se­pa­ra­tis­ten ver­gan­ge­ne Wo­che trotz hu­ma­ni­tä­rer Not­la­ge in der Ost­ukrai­ne in­ter­na­tio­na­le Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen aus dem Un­ru­he­ge­biet aus­ge­wie­sen. Das Ver­bot be­trifft auch Mit­ar­bei­ter der Ver­ein­ten Na­tio­nen und der Or­ga­ni­sa­ti­on Ärz­te oh­ne Gren­zen.

Drit­tens wol­len Russ­land und die Ukrai­ne vom 25. Ok­to­ber an je­weils ih­ren Luf­t­raum für die Flug­li­ni­en des an­de­ren sper­ren. Kiew hat­te das zu­erst ver­kün­det, als Stra­fe für die rus­si­sche Un­ter­stüt­zung der Se­pa­ra­tis­ten im Kriegs­ge­biet Don­bass. Moskau zog dann nach.

Mer­kel und Hol­lan­de agie­ren in der Kri­se im Schul­ter­schluss. Sie wol­len sich von nie­man­dem ge­gen­ein­an­der aus­spie­len las­sen.

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