„Wir wol­len im Sü­den Deutsch­lands wach­sen“

Die iri­sche Bil­lig­flug­li­nie Rya­nair plant, den Markt­an­teil von fünf Pro­zent zu ver­vier­fa­chen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT -

MÜNCHEN - Die iri­sche Bil­lig­flug­li­nie Rya­nair hat sich für Deutsch­land viel vor­ge­nom­men. Der Markt­an­teil von fünf Pro­zent soll sich in den nächs­ten Jah­ren ver­vier­fa­chen, hat­te Rya­nair-Chef Michael O'Lea­ry an­ge­kün­digt. Im In­ter­view mit Ralf Mül­ler er­läu­tert Rya­nair-Mar­ke­ting­Chef Ken­ny Ja­cobs, wie das funk­tio­nie­ren soll und was das für die bis­her ge­nutz­ten, vor­wie­gend klei­ne­ren deut­schen Flug­hä­fen be­deu­tet. Herr Ja­cobs, in Eu­ro­pa be­trägt der Markt­an­teil von Rya­nair et­wa 20 Pro­zent, in Deutsch­land nur fünf. Sie wol­len das jetzt än­dern. Wie? Wir wol­len in Deutsch­land si­gni­fi­kant wach­sen. 2015 ha­ben wir hier et­wa zehn Mil­lio­nen Kun­den, nächs­tes Jahr wer­den es rund zwölf Mil­lio­nen sein. In den nächs­ten fünf Jah­ren wol­len wir auf 40 Mil­lio­nen Flug­gäs­te in Deutsch­land kom­men. Wir wach­sen sehr stark in Köln/Bonn und Berlin, ha­ben Ham­burg und Stutt­gart als Ziel­flug­hä­fen hin­zu­ge­fügt. Jetzt wol­len wir auch im Sü­den Deutsch­lands wach­sen. München ist ei­ner der teu­ers­ten Flug­hä­fen ... Wir wis­sen das und möch­ten es für uns güns­ti­ger ma­chen. War­um soll­te München Ih­nen Zu­ge­ständ­nis­se ma­chen? Wir wer­den nach München ei­ne Men­ge Ver­kehr, ei­ne Men­ge Flug­gäs­te und vie­le neue Mög­lich­kei­ten brin­gen. Low-Cost-Air­lines ha­ben in Eu­ro­pa ei­nen An­teil von 35 Pro­zent am Ge­samt­markt. Wir ge­hen da­von aus, dass sich die­ser An­teil eu­ro­pa­weit in den nächs­ten fünf Jah­ren auf über 50 Pro­zent er­höht. In Deutsch­land ha­ben Bil­lig­flug­li­ni­en den kleins­ten Markt­an­teil: Rya­nair hat fünf, Ea­syjet vier Pro­zent. In den nächs­ten Jah­ren rech­ne ich da­mit, dass mehr Low-Cost-Flug­ver­kehr nach Deutsch­land kom­men wird. Das wird auch die Si­tua­ti­on für die deut­schen Flug­hä­fen ver­än­dern. Wie stark sind Sie an München in­ter­es­siert? Wir wür­den sehr ger­ne nach München kom­men und dort auch ei­ne Ba­sis un­ter­hal­ten, we­nigs­tens ei­ne Des­ti­na­ti­on. Wenn wir in den nächs- ten fünf Jah­ren in Deutsch­land 40 Mil­lio­nen Kun­den be­kom­men wol­len, dann müs­sen wir min­des­tens fünf Mil­lio­nen in München ha­ben. Nächs­tes Jahr wer­den wir schon 2,5 Mil­lio­nen Kun­den in Köln und 3,5 in Berlin zäh­len. Es ist al­so of­fen­sicht­lich, dass wir in München wach­sen müs­sen. Ja, es ist teu­er in München. Wir flie­gen aber schon zu ei­ner Men­ge gro­ßer Air­ports wie Ams­ter­dam und Lis­s­a­bon, die eben­falls als teu­er Die von Rya­nair an­ge­streb­te Prä­senz in München und das Wachs­tum in Stutt­gart sol­len nicht zu­las­ten des Flug­ha­fens Mem­min­gen ge­hen. Das ver­si­cher­te der Rya­nair- Mar­ke­ting- Chef Ken­ny Ja­cobs im Ge­spräch mit un­se­rer Zei­tung. Der Som­mer­flug­plan 2016 von Rya­nair für Mem­min­gen sieht wie bis­her 13 Ver­bin­dun­gen vor. Für 2016 rech­net Rya­nair mit 600 000 Pas­sa­gie­ren von und nach Mem­min­gen. Mit 38 wö­chent­li­chen Flü­gen sol­len Zie­le in

gel­ten. Müs­sen die klei­nen Flug­hä­fen, die Sie der­zeit nut­zen, wie et­wa Mem­min­ger­berg, Hahn, Wee­ze, Bre­men oder Müns­ter-Osnabrück be­fürch­ten, Rya­nair zu ver­lie­ren? Die­se Be­fürch­tun­gen müs­sen sie nicht ha­ben. Wir wer­den nur mit die­sen Air­ports al­lein nicht auf 40 Mil­lio­nen Kun­den kom­men kön­nen. Wir müs­sen al­so so­wohl an die­sen Spa­ni­en, Ita­li­en, Groß­bri­tan­ni­en, Por­tu­gal und Ir­land an­ge­steu­ert wer­den. Rya­nair ist die wich­tigs­te Flug­ge­sell­schaft in Mem­min­gen. Für 2015 rech­net die Flug­ha­fen­ge­sell­schaft mit 860 000 Pas­sa­gie­ren. Rya­nair will den Markt­an­teil in Deutsch­land in den nächs­ten fünf Jah­ren ver­vier­fa­chen. Da­für be­nö­ti­ge man Slots auf Flug­hä­fen wie München und Frankfurt, aber auch Wachs­tum bei klei­ne­ren Air­ports, sag­te Ja­cobs. Mem­min­gen sei als Ur­laubs­flug­ha­fen wich­tig. ( rm) klei­ne­ren wie an den gro­ßen Flug­hä­fen wach­sen. Lau­tet das Ziel von Rya­nair, in nä­he­rer Zu­kunft al­le gro­ßen deut­schen Bal­lungs­räu­me zu ver­bin­den – so wie Luft­han­sa und Air Berlin? Das ist un­se­re Ab­sicht. Wir wer­den se­hen, wie sich un­se­re ers­te in­ner­deut­sche Ver­bin­dung von Köln/ Bonn nach Berlin-Schö­ne­feld ent­wi- In Sa­chen All­gäu- Air­port ha­ben jetzt die Bür­ger das Wort: Die Mem­min­ger dür­fen am 22. No­vem­ber dar­über ab­stim­men, ob sich die Stadt am Kauf und der Ver­mark­tung von Flä­chen auf dem Flug­ha­fen­ge­län­de be­tei­ligt. Das hat der Stadt­rat am Don­ners­tag be­schlos­sen. Zum ei­nen ha­ben die Rä­te ein­stim­mig ein ent­spre­chen­des Bür­ger­be­geh­ren zu­ge­las­sen. Zum an­de­ren vo­tier­te das Gre­mi­um – ge­gen die Stim­men von Grü­nen und ÖDP – da­für, dem ckelt. Wenn das funk­tio­niert, wer­den wir nach an­de­ren in­ner­deut­schen Ver­bin­dun­gen su­chen. Wel­che Er­fah­run­gen ha­ben Sie bis­her mit Ih­rer ers­ten in­ner­deut­schen Li­nie ge­macht? Die Ver­bin­dung ist sehr po­pu­lär und wett­be­werbs­in­ten­siv. Wir ver­bin­den Köln/Bonn mit Berlin fünf Mal am Tag. Vie­le un­se­rer Kun­den zah­len dort 9,99 oder gar nur 7,49 Eu­ro Bür­ger­be­geh­ren ein Rats­be­geh­ren ent­ge­gen­zu­stel­len. Mit die­sem möch­te die Stadt­rats­mehr­heit zei­gen, dass sie für den Kauf der Grund­stü­cke ein­tritt. Letzt­lich geht es bei­de Ma­le um die glei­che Fra­ge: Soll sich die Stadt mit 2,15 Mil­lio­nen Eu­ro an ei­ner Be­sitz­ge­sell­schaft be­tei­li­gen, die 28 Hekt­ar au­ßer­halb des Flug­be­triebs ver­mark­ten möch­te? An der Ge­sell­schaft sol­len sich die kreis­frei­en Städ­te und Krei­se im All­gäu mit 8,2 Mil­lio­nen Eu­ro be­tei­li­gen. ( vog)

FO­TO: OH

Op­ti­mis­ti­sche Plä­ne für München: Rya­nair-Mar­ke­ting-Chef Ken­ny Ja­cobs.

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