Ge­nos­sen er­war­ten neue Ära

Mehr Grün­dun­gen – Kret­sch­mann lobt Mo­dell

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Klaus Wie­sche­mey­er

STUTT­GART - Win­fried Kret­sch­mann gab sich op­ti­mis­tisch: „Die bes­ten Jah­re für die Ge­nos­sen­schaf­ten lie­gen noch vor uns“, sag­te der ba­den-würt­tem­ber­gi­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent am Mitt­woch­abend beim Zu­kunfts­fo­rum des Lan­des-Ge­nos­sen­schafts­ver­ban­des (BWGV) in Stutt­gart. Gera­de an­ge­sichts des di­gi­ta­len Wan­dels der Wirt­schaft ha­be das Mo­dell der ge­mein­sa­men Be­tei­li­gung Vor­tei­le – und das Crowd­fun­ding ge­nann­te Ein­wer­ben von Geld für un­ter­neh­me­ri­sche Ide­en via In­ter­net sei doch nichts an­de­res als die di­gi­ta­le An­wen­dung von Ge­nos­sen­schafts­mo­del­len, so Kret­sch­mann. „Das De­sas­ter bei VW führt uns vor Au­gen, wel­che Rol­le Ver­trau­en in der Wirt­schaft spielt“, sag­te er. Und genau mit die­sem könn­ten die Ge­nos­sen­schaf­ten punk­ten. Neu­es Zeit­al­ter steht be­vor BWGV-Prä­si­dent Ro­man Gla­ser sieht das na­tur­ge­mäß ge­nau­so: „Ge­nos­sen­schaf­ten sind per­fekt zur Lö­sung sehr vie­ler Zu­kunfts­her­aus­for­de­run­gen ge­eig­net“, sag­te er und ver­wies auf die zahl­rei­chen Neu­grün­dun­gen, vor al­lem im Be­reich der Bür­ge­r­ener­gie. „Den Ge­nos­sen­schaf­ten steht ein neu­es Zeit­al­ter be­vor“, sag­te Gla­ser. Ak­tu­ell ge­be es im Land 830 Un­ter­neh­men in der Ge­sell­schafts­form ein­ge­tra­ge­ne Ge­nos- sen­schaft (eG), Ten­denz stei­gend. Und mit et­wa 3,85 Ein­zel­mit­glie­dern sei je­der drit­te Ba­den-Würt­tem­ber­ger min­des­tens bei ei­ner eG Ge­nos­se. Kla­gen über star­ke Re­gu­lie­rung Gla­ser be­klag­te gleich­wohl die „ak­tu­el­le Re­gu­lie­rungs­wut“der Po­li­tik, die ei­gen­ver­ant­wort­li­chem wirt­schaft­li­chen Han­deln die Luft ab­schnü­re. Die letz­ten po­li­ti­schen Re­for­men, die neue Ar­beits­plät­ze in Deutsch­land ge­schaf­fen hät­ten, lä­gen be­reits mehr als zehn Jah­re zu­rück, kri­ti­sier­te Gla­ser. Er be­ob­ach­te mit Sor­ge, dass in der Be­völ­ke­rung die Sym­pa­thie für staat­li­che Ein­grif­fe sehr groß sei.

Gla­ser spiel­te da­mit vor al­lem auf die nach der Fi­nanz­kri­se ver­stärk­ten Re­gu­lie­run­gen im Ban­ken­sek­tor an. Spar­kas­sen und Ge­nos­sen­schafts­ban­ken be­kla­gen sich, dass sie bei der eu­ro­päi­schen Re­gu­lie­rung mit Groß­ban­ken über ei­nen Kamm ge­scho­ren wer­den. Kret­sch­mann gab den Ge­nos­sen Rü­cken­de­ckung: „Sie ha­ben sich in der Kri­se be­währt und sind mit in­ter­na­tio­nal agie­ren­den Groß­ban­ken nicht ver­gleich­bar“, sag­te er über die Volks- und Raiff­ei­sen­ban­ken. Da­mit sieht der Grü­nen­po­li­ti­ker auch kei­nen Grund, die Re­geln für Ge­nos­sen­schafts­in­sti­tu­te zu ver­schär­fen: „Pro­ble­me müs­sen da ge­löst wer­den, wo sie sind. Und nicht da, wo sie nicht sind.“

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