„Ein Ro­man ist was an­de­res als ein Film“

Hei­no Ferch spricht über die neue Lenz-Ver­fil­mung „Ver­lust“

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MEDIEN/ FERNSEHEN FREITAG -

HAM­BURG (dpa) - Als Fern­seh­film der Wo­che zeigt das ZDF am 5. Ok­to­ber (20.15 Uhr) die neue Sieg­frie­dLenz-Ver­fil­mung „Der Ver­lust“. Hei­no Ferch spielt die Haupt­rol­le ei­nes Ha­fen­füh­rers auf ei­ner Bar­kas­se, der ei­nen Schlag­an­fall er­lei­det. Da­durch fliegt auch sein Dop­pel­le­ben auf. Im In­ter­view mit Mat­thi­as Ho­enig spricht er über sei­ne Rol­le und die Pro­ble­ma­tik von Li­te­ra­tur­ver­fil­mun­gen. Man­che nen­nen Sie we­gen ih­rer Action-Rol­len und kör­per­li­chen Prä­senz den deut­schen Bru­ce Wil­lis. In „Der Ver­lust“spie­len Sie ei­nen Mann der ei­nen Schlag­an­fall er­lei­det, nicht mehr spre­chen und rich­tig ge­hen kann – war das schwer für Sie, das zu spie­len? Es war ei­ne Her­aus­for­de­rung, die mich ge­reizt hat. Ich ha­be ver­sucht, mei­ne Mi­mik so an­zu­le­gen, dass man nicht zu viel in mein Ge­sicht hin­ein­in­ter­pre­tiert, son­dern mich eher als Be­ob­ach­ter des Ge­sche­hens wahr­nimmt. Da­durch die­ne ich qua­si als Pe­riskop für den Zu­schau­er, der die Ge­schich­te um das Dop­pel­le­ben die­ses Man­nes Stück für Stück er­fährt. Dreh­buch­au­tor und Re­gis­seur Tho­mas Berger, der be­reits die Sieg­fried-Lenz-Ver­fil­mung „Die Flut ist pünkt­lich“mach­te, hat des­sen Ro­man „Der Ver­lust“stark ver­än­dert. Dien­te das Buch nur als St­ein­bruch? Ein Ro­man ist was an­de­res als ein Film. Fil­mi­sches Er­zäh­len hat ei­ne an­de­re Dy­na­mik als Li­te­ra­tur. Sieg­fried Lenz hat­te gro­ßes Ver­ständ­nis, dass sei­ne Bü­cher sich nicht 1:1 ver­fil­men las­sen. Das Buch ist ein gro­ßer Im­puls ge­we­sen, die­se Ge­schich­te über das Dop­pel­le­ben ei­nes Man­nes mit zwei Part­ne­rin­nen und den plötz­li­chen Ver­lust der Spra­che zu ma­chen. Hin­zu­ge­kom­men ist au­ßer­dem, dass al­le Fi­gu­ren mit Ver­lust in ver­schie­de­nen For­men zu tun ha­ben. Der Film ist ei­ne Pa­ra­bel zum The­ma Ver­lust ge­wor­den. Über­for­dert Tho­mas Berger mit sei­ner kam­mer­spiel­ar­ti­gen Film­spra­che und dem The­ma Ver­lust vie­le Zu­schau­er? Über­haupt nicht, im Ge­gen­teil! Der Film lädt den Zu­schau­er ein, zu ver- wei­len und nicht nur durch ei­nen Stoff zu het­zen. Berger geht als Dreh­buch­au­tor und Re­gis­seur sehr sorg­fäl­tig mit Ge­schich­ten und Fi­gu­ren um, er schafft ei­ne Kom­po­si­ti­on aus Licht und Land­schaft für ein Kam­mer­spiel. Ich mag das sehr gern. Was sind Ih­re nächs­ten Pro­jek­te? Mit Tho­mas Berger, den ich jetzt auch per­sön­lich so rich­tig ken­nen­und schät­zen ge­lernt ha­be, be­gin­nen En­de Ok­to­ber die Dreh­ar­bei­ten für ei­nen neu­en Film. Es ist ein zeit­ge­nös­si­scher Stoff über ei­ne Fi­gur im Hoch­stap­ler­mi­lieu. Wir pla­nen gleich meh­re­re Fil­me. Vor­la­ge sind meh­re­re Bü­cher ei­nes le­ben­den Schwei­zer Au­tors. Da fällt ei­nem Mar­tin Su­ter ein und sei­ne Ro­man-Se­rie über den Le­be­mann All­men, der ver­schwun­de­ne Kunst­schät­ze auf­spürt? Sor­ry, zum jet­zi­gen Zeit­punkt darf ich noch nichts ver­ra­ten.

FO­TO: TO­BI­AS HA­SE

Hei­no Ferch (52) ge­hört zu den ge­frag­tes­ten deut­schen Schau­spie­lern. Der Ka­pi­täns­sohn aus Bre­mer­ha­ven be­gann sei­ne Kar­rie­re im Thea­ter. Zu sei­nen Ki­no­fil­men ge­hö­ren „Der Un­ter­gang“, „Der Baa­der Mein­hof Kom­plex“und „ Vom Su­chen und Fin­den der Lie­be“. Im Fern­se­hen er­reich­te Ferch ein Mil­lio­nen­pu­bli­kum in den Fil­men „ Die Luft­brü­cke“und „ Die Mau­er – Berlin ' 61“oder mit Kri­mis.

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