Und wie­der ein Elf­me­ter

Glad­bach ge­rät nach dem er­neu­ten fa­ta­len Straf­stoß in letz­ter Mi­nu­te ge­gen Man­ches­ter Ci­ty ins Grü­beln

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SPORT -

MÖN­CHEN­GLAD­BACH (dpa/SID/sz) - Das Zit­tern be­ginnt im ei­ge­nen Straf­raum. Die Elf­me­ter-Seu­che bei Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach nimmt all­mäh­lich be­droh­li­che Aus­ma­ße an und kos­tet den Klub vor al­lem in der Cham­pi­ons Le­ague wich­ti­ge Punk­te. Neun Straf­stö­ße in zehn Pflicht­spie­len, da­von al­lein vier in zwei in­ter­na­tio­na­len Par­ti­en, zeu­gen von gro­ßer Un­si­cher­heit im de­fen­si­ven Zwei­kampf­ver­hal­ten. „Das kann ja gar nicht sein. Wenn man in je­dem Spiel ei­nen Elf­me­ter be­kommt, wird es schwer“, sag­te Na­tio­nal­spie­ler Patrick Herr­mann nach dem un­glück­li­chen 1:2 (0:0) ge­gen Man­ches­ter Ci­ty, be­sie­gelt durch ei­nen in der 90. Mi­nu­te ver­wan­del­ten Straf­stoß von Ser­gio Agüe­ro.

Drei in Se­vil­la, zwei in Bre­men, zwei ge­gen Augs­burg und je ei­ner ge­gen Stutt­gart und Man­ches­ter – sie­ben Straf­stö­ße führ­ten zu Ge­gen­tref­fern, ei­ner ging da­ne­ben, ei­ner an die Lat­te. Tor­hü­ter Yann Som­mer konn­te nicht ei­nen Schuss vom Punkt hal­ten. „Wir hat­ten uns fest vor­ge­nom­men, das schnellst­mög­lich ab­zu­stel­len. Lei­der ist uns das nicht ge­lun­gen, das müs­sen wir jetzt so hin­neh­men“, sag­te Rechts­ver­tei­di­ger Ju­li­an Korb.

Auch für Trai­ner André Schu­bert ist die Si­tua­ti­on nicht ein­fach: „Si­cher­lich war nicht je­der Elf­me­ter auch ein Elf­me­ter. Viel­leicht agie­ren wir zu un­ge­schickt im Straf­raum und sind nicht kon­trol­liert ge­nug. Aber ich bin ja froh, dass sich die Mann­schaft in punk­to Zwei­kämp­fen deut­lich ge­stei­gert hat“, sag­te der Trai­ner. An der Elf­me­ter­schwä­che müs­se man ar­bei­ten.

Ge­gen Man­ches­ters Star­ensem­ble kam dann auch noch das Miss­ge­schick hin­zu, dass der an­sons­ten sehr star­ke Raf­fa­el den ers­ten Elf­me­ter der Sai­son ver­schoss. Vor­ge­se­hen war er da­für nicht. Ei­gent­lich woll­te Herr­mann schie­ßen. Schu­bert hat­te kei­nen Elf­me­ter­schüt­zen fest­ge­legt. „Raf­fa­el schien sich si­cher zu sein, fühl­te sich gut und hat Ver­ant­wor­tung über­nom­men“, sag­te Glad­bachs Über­gangs­trai­ner. Der Bra­si­lia­ner är­ger­te sich über sei­nen Fehl­schuss. „Ich ha­be im letz­ten Mo­ment noch den Fuß ge­dreht, und das war ein Feh­ler.“ John­son räumt Feh­ler ein Den­noch hät­te es für die ers­ten Cham­pi­ons-Le­ague-Punk­te rei­chen kön­nen. Denn Lars St­indl hat­te kurz nach der Pau­se auf Vor­ar­beit von Korb die Füh­rung er­zielt. Nach dem Aus­gleichs­tref­fer durch Ni­co­las Ota­men­di (65.) schien ein Re­mis in greif­ba­rer Nä­he, ehe Fa­bi­an John­son Agüe­ro un­glück­lich am Fuß traf. „Ich ha­be ihn be­rührt. Das geht auf mei­ne Kap­pe“, sag­te der US-Na­tio­nal­spie­ler. Zu­vor hat­ten die Glad­ba­cher vor al­lem bei Kon­tern durch­aus Chan­cen zum Sieg.

„Na­tür­lich sind wir ent­täuscht. Aber die Mann­schaft hat sich her­vor­ra­gend ver­kauft“, sag­te Schu­bert. Auch in Hin­blick auf die Par­tie ge­gen den VfL Wolfsburg am Sams­tag kön­ne man durch­aus po­si­ti­ve Din­ge mit­neh­men, be­fand der Coach. „Da­von las­sen wir uns nicht um­hau­en.“Man ha­be schließ­lich ge­zeigt, dass man mit den Bes­ten mit­hal­ten kön­ne, mein­te Herr­mann.

Lob gab es auch von Deutsch­lands „Fuß­bal­ler des Jah­res“, Kevin De Bruy­ne, der ei­ne schwa­che Leis­tung bot. „Ich ge­be zu, dass wir am En­de auch ein biss­chen Glück brauch­ten, um die­ses Spiel zu ge­win­nen, aber nach dem 0:1 wa­ren wir auch ein­fach die bes­se­re Mann­schaft.“

Ab­ge­se­hen vom Er­geb­nis war die He­im­pre­mie­re in der eu­ro­päi­schen Kö­nigs­klas­se ein gro­ßes Er­eig­nis im Bo­rus­sia-Park. Mit ei­ner spek­ta­ku­lä­ren Cho­reo­gra­phie und laut­star­ker Un­ter­stüt­zung sorg­ten die Fans für ei­ne groß­ar­ti­ge Stim­mung. „Für mich war es das ers­te Cham­pi­ons-Le­agueSpiel. Das war Gän­se­h­aut­fee­ling pur und ei­ne su­per At­mo­sphä­re“, sag­te Herr­mann. Noch min­des­tens zwei­mal dür­fen sich Bo­rus­si­as An­hän­ger auf ei­nen sol­chen Abend freu­en – dann wird Schluss sein in Eu­ro­pa. Denn die punkt­lo­sen Glad­ba­cher wer­den den Rück­stand in der schwe­ren Grup­pe wohl nicht mehr auf­ho­len.

Den nächs­ten Rück­schlag er­lit­ten die Glad­ba­cher am Tag da­nach. Tor­hü­ter Yann Som­mer hat sich ei­nen Na­sen­bein­bruch zu­ge­zo­gen. Für den Schwei­zer wird in Wolfsburg wohl Neu­zu­gang To­bi­as Sip­pel zwi­schen den Pfos­ten ste­hen. Som­mer war in der Nach­spiel­zeit mit Ab­wehr­spie­ler Os­car Wendt zu­sam­men­ge­sto­ßen, blu­te­te stark und muss­te meh­re­re Mi­nu­ten be­han­delt wer­den. Wie lan­ge er aus­fällt, ist noch un­klar. Grup­pe C Atl. Ma­drid – Ben­fi­ca Lis­s­a­bon 1: 2 ( 1: 1) To­re: 1: 0 Cor­rea ( 23.), 1: 1 Gai­tan ( 37.), 1: 2 Gue­des ( 51.); Zu­schau­er: 40 938. FK Astana – Ga­la­ta­sa­ray Istanbul 2: 2 ( 0: 1) To­re: 0: 1 Bil­al Ki­sa ( 31.), 1: 1 Ha­kan Bal­ta ( 77./ Ei­gen­tor), 1: 2 Eric ( 86./ Ei­gen­tor), 2: 2 Cañas ( 89.); Zu­schau­er: 27 264. Grup­pe D B. M’glad­bach – Man­ches­ter Ci­ty 1:2 (0:0) Glad­bach: Som­mer - Korb ( 78. Trao­re), Chris­ten­sen, Do­m­in­guez, Wendt - Dahoud ( 84. Nordtveit), Xha­ka - Herr­mann ( 72. Hahn), John­son - Raf­fa­el, St­indl. – Ci­ty: Hart - Sa­gna, De­mi­che­lis, Ota­men­di, Ko­la­rov - Tou­re ( 46. Fer­nan­do), Fer­nandin­ho - De Bruy­ne, Sil­va ( 65. Na­vas), Ster­ling ( 90.+ 4 Za­ba­l­eta) - Agüe­ro. – To­re: 1: 0 St­indl ( 54.), 1: 1 Ota­men­di ( 65.), 1: 2 Agüe­ro ( 90., Foul­elf­me­ter); Hart ( 20.) hält Foul­elf­me­ter von Raf­fa­el; Zu­schau­er: 46 217. Ju­ven­tus Tu­rin – FC Se­vil­la 2: 0 ( 1: 0) To­re: 1: 0 Mo­ra­ta ( 41.), 2: 0 Za­za ( 87.); Zu­schau­er: 36 499.

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Im­mer ein Foul zu viel: Fa­bi­an John­son lässt Man­ches­ters Ser­gio Agüe­ro stol­pern, die Glad­ba­cher ver­lie­ren durch den Elf­me­ter.

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Na­sen­bein­bruch: Glad­bachs Tor­wart Yann Som­mer kühlt nach dem Spiel sei­ne Wun­den.

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